Loco Escrito offenbart mit seinem neuen Album seine grösste Angst
Zwischen Banalität und Tiefgang
Der Oberländer Sänger Loco Escrito veröffentlicht diesen Freitag sein neues Album «9013». Darin singt er von seinen Ängsten, einer Entschuldigung und von Beziehungen.
Als Nicolas Herzig alias Loco Escrito auf einem Stuhl im kleinen Besprechungsraum des Zürcher Prime Tower Platz nimmt, legt er seine Füsse gleich auf den Tisch. Mit dem Oberkörper wiegt er sich gemütlich in der Lehne, seine Augen blicken knapp unter einem Hut hervor. Er gibt sich selbstsicher und entspannt.
Der Anlass für das Treffen: sein neues Album «9013». Dieses veröffentlicht der Wetziker Künstler diesen Freitag, Loco Escrito hat nun zwölf neue Songs in petto. Er singt auf Spanisch, die rhythmischen Beats und Melodien entstammen dem Genre Reggaeton.
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Einen Song produzierte der 34-Jährige mit seinem langjährigen Freund, dem Wetziker Rapper EAZ – in der Rap-Szene bestens bekannt. Mit dem welschen Künstler Stress ist gar ein zweiter grosser Name mit von der Partie.
Für den Zeitpunkt der Veröffentlichung des neuen Albums liefert der Sänger eine einfache Erklärung: «Die Songs waren einfach fertig produziert.» Diese will Loco Escrito nun mit sechs Konzerten in der ganzen Schweiz einweihen. Das Zürcher Oberland steht aber nicht auf seiner Liste. «Es gibt hier keine Konzerthalle in der nötigen Grösse», erklärt der Sänger.
19. Oktober – Bern
24. Oktober – Solothurn
25. Oktober – Zug
26. Oktober – Arbon
29. Oktober – Zürich, Kaufleuten
7. November – Basel (jgu)
Die Zahl 9013, die Loco Escrito als Albumname verwendet, hat für ihn eine besondere Bedeutung. «Das ist die gemessene Distanz zwischen meinem Geburtsort Medellín in Kolumbien und meinem jetzigen Wohnort Zürich in Kilometern.»
In seinen Songs verbindet er die Kulturen beider Länder, wie er sagt. «Mischt man zwei Farben zusammen, ergibt sich auch eine neue.» Der Künstler versteht sein Schaffen als eine Repräsentation der Menschlichkeit.
Heute würde der 34-Jährige weder Kolumbien noch Zürich oder Wetzikon, wo er aufwuchs, als seine Heimat bezeichnen. «Ich empfinde immer für diesen Ort eine Sehnsucht, wo ich mich nicht gerade aufhalte.»

Anfänge in Wetzikon
Das, obwohl Loco Escrito viele Erinnerungen mit Wetzikon verbindet. Dazu gehören auch das erste Mal rauchen, das erste Mal kiffen, das erste Mal trinken, das erste Mal herumknutschen. Selbst die Schulzeit durchlebte er an diesem Ort. Doch auch das macht die Stadt noch zu keiner Heimat.
«Ich fühle mich nicht wegen eines Orts daheim. Vielmehr sind es die Menschen, die mir dieses Gefühl verleihen», sagt Loco Escrito. Heute besucht er vor allem seine Mutter, den Bruder und Kollegen bei seinem ehemaligen Wohnort in Wetzikon.
Hier begann letztlich auch seine Musikkarriere. Als ihn damals ein Kollege in ein Musikstudio einlud, übte sich dort Loco Escrito erstmals im Improvisieren, im sogenannten Freestylen. Später rappte er für Bekannte und war hauptsächlich in der Region mit seiner Musik unterwegs.
Mittlerweile tourt er erfolgreich mit Konzerten durch die Schweiz. Seine Songs hören Zehntausende Menschen, allein auf Youtube erreichen seine Musikvideos Klickzahlen in Millionenhöhe.
Den Triumph gönnen ihm nicht alle Leute. «Die Menschen aus Wetzikon hingegen sehen nicht nur die Spitze des Eisbergs», sagt Loco Escrito.

Geht es nur um Sex?
Seine Lieder zeugen heute vom unverkennbaren Rhythmus, wie es im Reggaeton üblich ist. Solche Musik wird auch gerne mal in den Klubs gespielt. Die Stimme wurde teils mittels Autotune leicht verzerrt.
Ein Blick in die Songtexte eröffnet eine Welt von Fantasien, Sehnsüchten und sexuellen Anspielungen, was in diesem Genre üblich ist. Bei einer übersetzten Passage vom Spanischen ins Deutsche heisst es im Song «SucieriaZH»:
Du magst es, wenn ich dir schreibe, was ich sofort mit dir machen werde.
Dass ich dir die Versautheiten detailliert beschreibe.
Du willst lesen, wie, wo, in welcher Pose.
Ich werde alles mit dir machen, bis du uns nass machst.
Ich weiss, wie ich alle deine Fantasien erfüllen kann.
Dabei möchte der Sänger mit seinen Liedern die Menschen näher zusammenbringen. «Was ich vermitteln will, ist nicht per se in den Songtexten verpackt», erklärt sich Loco Escrito. «Der Charakter der Songs überliefert das, was ich den Menschen weitergeben möchte.»
Was Loco Escrito Angst macht
Und doch verbergen sich hinter manchen Liedern tiefere Botschaften. So beispielsweise bei «Tú y Yo», was «Du und Ich» bedeutet. «In diesem Song entschuldige ich mich bei meiner Freundin, dass ich oft in meinem Kopf bei meinen Gedanken bin», sagt der 34-Jährige.
So heisst es in einer Textzeile: «Ich verstehe dich, wenn es dich manchmal frustriert, wenn ich bei dir bin, ohne bei dir sein zu können.»
Des Weiteren lässt Loco Escrito mit dem Lied «Miedo» einen Blick in sein inneres Ich zu. Er singt über seine Ängste und darüber, wovor er sich fürchtet. «Dass meiner Tochter etwas Schlimmes passiert, bereitet mir am meisten Sorge.» Für seine achtjährige Tochter will er ein guter Vater sein.
Nichtsdestotrotz soll sie ihre eigenen Erfahrungen machen. «Ich wünsche mir, dass sie eine Leidenschaft entdeckt, wofür es sich jeden Tag aufzustehen lohnt», ergänzt Loco Escrito. Der Vater jedenfalls hat in der Musik seine Passion bereits gefunden.