Findet das «attraktive Stadtzentrum Uster» inzwischen mehr Anklang?
Nach Ablehnung
Eine Fussgängerzone im Zentrum stiess bei Gewerbe und Wirtschaft auf Widerstand, besonders die Sorge um genügend Parkplätze war gross. Hat sich das inzwischen geändert?
Mehr Bäume und keine motorisierten Fahrzeuge, dafür eine Fussgängerzone und ein besseres Stadtklima: So will die Stadt Uster mehr Besucher anziehen, die Verweildauer im Zentrum erhöhen und das Stadtklima verbessern. Mit dem Projekt «Attraktives Stadtzentrum Uster» soll genau das erreicht werden.
Doch beim Gewerbeverband Uster (GVU) und beim Wirtschaftsforum Uster (WFU) formierte sich Widerstand gegen die geplante Umgestaltung des Zentrums. Die beiden Organisationen lehnten die Fussgängerzone im Zentrum von Uster ab. Wie gross ist die Zustimmung mittlerweile?
Das ist der Stand der Dinge beim Projekt
Mit dem Pilotprojekt «S’ Zentrum zum Sii» wurde im Juni letzten Jahrs während zweier Wochen geprüft, wie sich die Fussgängerzone auf das Zentrum auswirkt. Der Stadtrat zog eine positive Bilanz.
Diesen Frühling gab der Stadtrat der Abteilung Bau den Auftrag, das Bauprojekt zu erarbeiten. Die Kosten werden aktuell auf unter zwei Millionen Franken geschätzt.
Stand jetzt sollte laut Stadtrat Stefan Feldmann (SP) das Bauprojekt Anfang 2025 öffentlich aufgelegt und dem Gemeinderat eine Kreditvorlage vorgelegt werden. Eine Umsetzung ist bis 2026 geplant.
Betroffene nicht miteinbezogen
Jan Schibli, Präsident des WFU, betont, dass er das Projekt nicht per se ablehnt. «Dass über ein Zentrum ohne motorisierte Fahrzeuge diskutiert wird, finde ich sinnvoll», sagt er. Ein Zentrum mit mehr Bäumen und weniger Motorfahrzeugen findet er attraktiv.

Was ihn jedoch am Ganzen gestört habe, sei, dass vor dem Pilotprojekt die Stadt Uster weder mit dem WFU noch mit dem GVU den Dialog gesucht habe, so Schibli. «Die Strassen wurden einfach gesperrt, ohne die betroffenen Läden konkret zu fragen.»
Dies bemängelt auch die Ustermer Kantonsrätin und ehemalige Gemeinderätin Anita Borer (SVP). Ein solches Projekt zum Erfolg zu bringen, funktioniere nicht ohne das Gewerbe, hebt die Präsidentin des Gewerbeverbands Uster hervor. Der Verband habe dies auch gegenüber der Stadt Uster zum Ausdruck gebracht. Im Gesamtprojekt würden sie nun aktiv einbezogen.
Gewerbetreibende sehen keinen Nutzen
Trotz alledem: Insbesondere die direkt betroffenen Gewerbetreibenden seien nicht glücklich über eine Fussgängerzone, sagt Borer. Das Hauptziel des «attraktiven Stadtzentrums Uster» ist es, mehr Besucher anzulocken. «Dass dies in Uster – einer Stadt, die nicht mit Winterthur oder Zürich vergleichbar ist – mit einer autofreien Innenstadt der Fall sein wird, bezweifeln viele Gewerbetreibenden.»

Borer stützt sich dabei auf eine Umfrage unter den Mitgliedern des GVU und des WFU. Dort hat sich ergeben, dass fast 70 Prozent der in dieser geplanten Fussgängerzone ansässigen und an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen nicht daran glauben, dass dadurch das Stadtzentrum belebt wird.
Die Steiner-Beck AG, die ebenfalls einen Standort an der Webernstrasse hat, bestätigt dieses Ergebnis und verweist auf die Aktionswochen «S’ Zentrum zum Sii». Während dieser Zeit hatte sie das Bistro sogar am Sonntag geöffnet. Ausserdem wollte sie mit einem Glace-Stand vor dem Bistro zusätzliche Kunden anlocken. Doch das Resultat war ernüchternd. Die Wochen waren kaum besser besucht als sonst.
«Es braucht genügend Parkplätze»
Stadtrat Stefan Feldmann (SP), Abteilungsvorsteher Bau, teilt die Haltung des Gewerbes und des WFU nicht, im Gegenteil: Verkehrsarme Zentren seien für das Gewerbe positiv, weil die Leute länger verweilten und im besten Fall mehr konsumierten. «Dass dem so ist, zeigen zahlreiche Beispiele in anderen Städten mit einer Fussgängerzone», betont er.

Das Projekt wird vorangetrieben. Der GVU habe dies zur Kenntnis genommen, meint Borer. «Wir haben aber einige Forderungen gestellt und hoffen, dass sie berücksichtigt werden.» So müsse im Minimum die Zahl der heute bestehenden Parkplätze in Zentrumsnähe und Gehdistanz gewährleistet werden.
Usters Bauvorstand Feldmann sieht dieser Diskussion gelassen entgegen. «Wir haben im Rahmen der letzten November an der Urne abgelehnten Volksinitiative gegen den Parkplatzabbau die Zahl der Parkplätze erhoben», sagt er. Im Stadtzentrum sind rund 1000 Parkplätze vorhanden, die am verkehrsreichsten Wochentag, dem Samstag, im Durchschnitt bis zu 70 Prozent belegt sind. Es würden also auch in Zukunft genügend Parkplätze vorhanden sein, versichert Feldmann.
Gewerbe müsse weiterhin gut erreichbar sein
Zudem fordern der GVU und das WFU unkomplizierte Zufahrtsmöglichkeiten. «Gewisse Gewerbetreibende leben davon, dass es möglich ist, kurz das Fahrzeug abzustellen», sagt Borer, und Schibli ergänzt: Vor allem Zulieferer, Handwerker und mobil eingeschränkte Personen seien darauf angewiesen.
Eines der betroffenen Unternehmen ist die Post. Für sie sei es sehr wichtig, dass die An- und Ablieferung von Briefen und Paketen weiterhin möglich sei, betont ein Sprecher. Zudem müsse die Postfiliale auch in Zukunft mit dem Auto gut erreichbar sein. Dieses Anliegen habe man in Gesprächen mit der Stadt Uster eingebracht und hoffe, dass das berücksichtigt werde.
Auch die Steiner-Filiale lebt von den schnellen Kunden. «Niemand fährt für ein Gipfeli in eine Tiefgarage oder läuft für die schnelle Mittagsverpflegung einige hundert Meter weit», so die Bäckerei. Wo Parkplätze in der Nähe nach der Realisierung des Projekts sein würden, sei ihr noch nicht bekannt.
Besseres Parkleitsystem
Nicht zuletzt brauche Uster ein besseres Parkleitsystem, sind sich Borer und Schibli einig. Anders formuliert: Die Parkmöglichkeiten und freien Parkplätze müssen besser ausgeschildert werden.
Stadtrat Feldmann räumt ein, dass es hier allenfalls Verbesserungsbedarf gibt. «Es sind genügend Parkplätze vorhanden, die Frage ist nur, ob sie so ausgewiesen sind, dass sie problemlos gefunden werden können.» Deshalb wird im Rahmen des Projekts auch ein Parkleitsystem geprüft.