In Aathal durfte dieser Bauer nicht bauen, nun wurde er in Hinwil fündig
Umzug nach gescheiterten Projekten
In Seegräben konnte er wegen Opposition aus der Bevölkerung keinen Grossstall bauen. Nun hat Ruedi Bachofen beim Betzholz eine neue Bleibe gefunden.
Der Unterschied ist offensichtlich. 33 Jahre lang war Ruedi Bachofen mit seinem Bauernhof im Dorf Aathal eingeklemmt zwischen Häusern, Waldhang und Strasse. Nun hat er von seinem Betrieb im Rotenstein nahe des Betzholzkreisels aus freien Blick auf die umliegenden Weiden.
«Hier kann ich unsere 42 Kühe einfach so aus dem Stall lassen. Ich muss nur das Tor öffnen», meint der 60-jährige Landwirt. Wobei: Ganz ohne Sicherung kommt er auch hier nicht aus. Zwei, drei Schnüre muss er spannen, um die Tiere von der Weide zum Stall zu leiten und den – geringen – Verkehr aufzuhalten. Das sind vorzugsweise Velos, verläuft doch eine Route durch das Hofgelände.
Warten gehörte dazu
In Aathal war der Viehtrieb dagegen immer mit grösserem Aufwand und einigen Verkehrsbehinderungen verbunden. Einen Hund als Helfer hat Ruedi Bachofen aber weder dort noch jetzt im Rotenstein. «Das ist einfach nichts für mich.»
Mit einem anderen Helfer jedoch, dem Traktor, hat er im Aatal eine besondere Erfahrung gemacht: «Warten war dort ein Teil meines Lebens.» Die Hauptstrasse durchs Aatal, die mittlerweile sogar Nationalstrassenstatus hat, bildete ein grosses Hindernis.
Stall in Aathal veraltet
Der Grund, weshalb er zusammen mit seinem Sohn Tobias nun aber auf Hinwiler Boden wirtschaftet, ist ein ganz anderer. Eigentlich suchte er in der Gemeinde Seegräben oder im angrenzenden Wetzikon nach einem Platz für einen Laufstall für über 100 Milchkühe, Rinder und Kälber. Der Stall in Aathal stammt aus den frühen 1960er Jahren und war schon damals hoffnungslos veraltet und für den Weiterbetrieb auch zu klein.
Doch mal für mal scheiterte er am Moorschutz oder an den Nachbarn. Im fünften Anlauf wähnte er sich im Sommer 2019 am Ziel. So erhielt er damals von der Baudirektion und der Gemeinde die Zustimmung zum Bau des gewünschten Stalls auf der Weierwiesen. Diese liegt zwischen dem Dorf Aathal und der Aussenwacht Aretshalden. Zwei Jahre darauf jedoch kam der Hammer: Das von Anwohnern angerufene Verwaltungsgericht zerpflückte die Bewilligung.
Zwei Standorte für Familienbetrieb
Bachofen stand vor dem Nichts. Die Möglichkeiten an Alternativstandorten in der Gemeinde Seegräben waren ausgeschöpft. Doch fast zum selben Zeitpunkt eröffnete sich in gut sieben Kilometern Entfernung eine neue Möglichkeit: Ein Hof beim Rotenstein lag brach. Dort konnte das Vater-Sohn-Gespann langsam einsteigen.
Seit Ende Februar nun weiden die einstigen Aathal-Kühe auf Hinwiler Boden. Ruedi Bachofen hat den Wohnsitzwechel erst im Juni vollzogen. Der zehn Hektaren grosse Hof im Rotenstein gehört mittlerweile ihm und seinem Sohn. «Wir haben hier eine Generationengemeinschaft», hält der Vater fest.
Dass sie ein Team sind, hilft bei der täglichen Arbeit. Denn ganz aufgegeben haben die Bachofens Seegräben nicht. Sie verfügen dort über vier Hektaren eigenen Boden sowie Pachtland. Auch eine Scheune im Seegräbner Ortsteil Sack ist ihr Eigen. Dort werden zeitweise Rinder einquartiert.
Mit der Betriebsvergrösserung hat sich die Zahl der angebauten Kulturen von fünf auf sieben erhöht. Die Arbeit teilen sich die zwei von Tag zu Tag. Einzig die Viehzucht ist vor allem Tobias Bachofens Gebiet.
Um- statt Neubau
Eigentlich wollten die Bachofens ihr grosses Stallprojekt nach den Fehlschlägen in Seegräben beim Betzholzkreisel realisieren. «Doch Kuhflüsterer Christian Manser hat uns geraten, uns hier auf einen Umbau zu beschränken», meint Ruedi Bachofen. Bereits realisiert haben die Landwirte den Einbau eines Melkrobotors und eines Futterbands. Beides erleichtert die Stallarbeit.

Doch es bleibt noch viel zu tun. «Bis wir hier richtig eingerichtet sind, brauchen wir noch ein Jahr. Einen Hof zu zügeln ist etwas anderes als eine Vierzimmerwohnung», schmunzelt der Bauer.
Vor allem schätzt Ruedi Bachofen, dass er jetzt in einer Landwirtschaftszone wirtschaften kann: «Hier haben Bauern zum Glück noch Vorrechte.» Und ja: «Wir wohnen hier wirklich auf dem Land.» Die passende Umgebung für einen Landwirten.