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Hinwiler Patienten sind ratlos: Was ist mit der Praxis Maas passiert?

Quasi über Nacht schloss die Praxis und hinterlässt damit Fragezeichen. Siegrun Maas beteuert, sie bedauere diesen Schritt.

Ein Wegweiser ins Leere: Gefühlt über Nacht schloss die Praxis von Allgemeinärztin Siegrun Maas in Hinwil.

Foto: Marie Fredericq

Hinwiler Patienten sind ratlos: Was ist mit der Praxis Maas passiert?

Plötzliche Praxisschliessung

Ehemalige Patienten melden sich bei der Redaktion, weil die Praxis von Allgemeinärztin Siegrun Maas «plötzlich» geschlossen ist. In einem Statement macht sie klar: Sie wird nicht zurückkehren.

«Diese Rufnummer ist ungültig», klingt es schrill aus dem Telefon, wenn man die Nummer der Hinwiler Praxis Maas wählt, die jahrelang von der Allgemeinmedizinerin Siegrun Maas geführt wurde.

Wie aus dem Nichts und quasi über Nacht schloss die Praxis auf Ende Juni 2024 – nach rund 13 Jahren. Damit lässt sie nicht nur grosse Fragezeichen bei Patientinnen und Patienten zurück. «Wir haben keine weiteren Informationen zur Praxisschliessung von Frau Maas», sagt Gemeindeschreiberin Martina Buri.

«Unerwartet eskaliert»

Den vorerst einzigen Hinweis zur Praxisschliessung hatte die Ärztin Siegrun Maas selbst auf ihrer Website publiziert, die mittlerweile nur noch eine Seite umfasst. In einem öffentlichen Brief wendet sie sich an ihre Patientinnen und Patienten. «Ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich meine Praxis zum 30. 6. 2024 schliesse», schreibt sie.

Grund dafür sei die Eigenbedarfskündigung der Praxisräume durch den neuen Eigentümer. Dies habe bei ihr zu internen Veränderungen geführt, die nun «unerwartet so eskaliert sind, dass sie mit der gewissenhaften Weiterführung der Praxis nicht vereinbar sind». Das sei ihr nicht leichtgefallen, und in den vielen Jahren hätten die Patientinnen und Patienten ihr Vertrauen geschenkt.

Eine Entscheidung mit Folgen – denn Patienten stehen ratlos vor verschlossener Tür. «Ich bin gestern zufällig an der Praxis vorbeigegangen», erzählte ein ehemaliger Patient aus Hinwil vor wenigen Tagen. «Die Praxis war zu, und ein weiterer Patient stand davor, der eigentlich einen Termin gehabt hätte. Ein anderer wollte Medikamente abholen.»

Von heute auf morgen: Ohne ihre Patienten persönlich zu informieren, scheint die Ärztin ihre Praxis in Hinwil geschlossen zu haben.
Was zurückbleibt, sind ein leeres Klingelschild und geschlossene Läden.

Er selbst sei bis vor wenigen Wochen Patient bei Siegrun Maas gewesen, habe sich dann aber einen anderen Hausarzt gesucht. Auch eine weitere Patientin berichtet davon, dass sie von Maas zu einem anderen Hausarzt gewechselt hat – wenige Monate vor der Praxisschliessung.

Dass Maas nun vom einen auf den anderen Tag die Praxis schloss und verschwunden ist, hinterlässt bei ihr einen eigenartigen Eindruck. «Da fragt man sich schon, was mit den verbliebenen Patienten ist. Und mit den Angestellten», sagt sie.

Kündigung wegen Eigenbedarf

Auf mehrmalige Kontaktaufnahme per E-Mail reagiert die Allgemeinmedizinerin nach rund einer Woche – über eine Kommunikationsagentur. In einem Schreiben von derselben bestätigt sie, dass der Eigentümer eine Eigenbedarfskündigung ausgesprochen hat. Eine gewünschte Verlängerung, welche sie beim Schiedsgericht gefordert habe, sei nicht erfolgt, und auch eine aussergerichtliche Einigung sei bis heute nicht möglich gewesen.

«Die Entscheidung des Schiedsgerichts hatte eine Kündigungswelle meiner Medizinischen Praxisassistentinnen (MPA) zur Folge», schreibt Maas im Statement. Aufgrund des Fachkräftemangels sei es ihr nicht möglich gewesen, die MPA zu ersetzen, was dazu geführt habe, dass sie die Praxis nicht professionell und zum Wohle ihrer Patienten habe weiterführen können. Ein Schritt, den sie persönlich ausserordentlich bedaure.

Erreichbarkeit sei gewährleistet

Den Vorwurf, dass Patienten mit Termin vor verschlossener Tür gestanden hätten, sieht sie anders: Sie habe offiziell vom 1. bis 14. Juli Ferien gemacht und dies zwei Monate im Vorfeld kommuniziert, einen Aushang in der Praxis gehabt und es den Patienten auch mitgeteilt. Während der Ferienabwesenheit habe sie keine Termine geplant, «sodass Patienten nicht vor verschlossenen Türen stehen».

Maas macht klar: «Die in meinem Schreiben auf der Website angegebene E-Mail ist aktiv und wird von mir regelmässig kontrolliert und bearbeitet.» Bisher habe sie von keinem der Patienten eine negative E-Mail erhalten. Sicherlich sei keiner der Patienten in Hinwil darüber erfreut, dass die Praxis habe schliessen müssen – der Grossteil von ihnen bedaure die Schliessung.

Sie sei über die E-Mail-Adresse und auch ihre Mobiltelefonnummer zu erreichen. «Um auch weiterhin eine gute Versorgung meiner Patienten zu gewährleisten, stehe ich insbesondere mit der Praxis Med4Hinwil in engem Kontakt, wenn es um meine Patienten und deren Anliegen geht», schreibt sie.

«Meine Patienten haben noch zu offiziellen Öffnungszeiten mit uns telefoniert und um die Zusendung ihrer Krankenakte gebeten.» Es hätten derweil alle Akten bearbeitet und an die Patienten übergeben werden können, oder man sei noch aktiv dran, damit alle Patienten ihre Krankenakte zeitnah erhalten würden.

Mit der Apotheke in Hinwil habe sie eine Zwischenlösung gefunden, damit es zu keinen Unterbrüchen in der Medikation von Patienten komme.

Maas gibt die Tätigkeit auf

Die Schliessung des Praxisstandorts habe sie ordnungsgemäss den Behörden und den Organisationen mitgeteilt. «In Zukunft werde ich die Tätigkeit als Hausärztin nicht weiterverfolgen», schreibt sie. In geringem Umfang werde sie zum Thema Krisenmanagement und Profiling am Standort Küsnacht eine Praxis weiterführen.

Da sie keine Praxisräume in Hinwil finden konnte, wird sie auch ihre Schularzttätigkeit nicht mehr ausüben können. Auf Nachfrage bestätigt Thomas Ludescher (parteilos), Präsident der Schulpflege, dass Maas seit 2012 diese Position innehat – und bis Ende 2024 auch weiterhin innehaben wird.

«Frau Maas hat ihre Zusammenarbeit mit der Schule Hinwil unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten sechsmonatigen Frist per Ende Dezember 2024 gekündigt», so Ludescher. Darüber sei die Schule am 24. Juni, also eine Woche vor der Praxisschliessung, informiert worden.

Bis dahin stehe sie der Schule Hinwil für allfällige Anfragen und Beratungen zur Verfügung. In der Zeit seit der Praxisschliessung bis heute habe die Schule keinen Unterstützungsbedarf von Frau Maas gehabt.

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