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Wislig sucht für seinen Energiepark Dachflächen für die Stromproduktion

Weisslingen setzt auf innovative Solarenergie und sucht Hausdächer für ein einzigartiges Projekt.

Die Dachflächen in Weisslingen würden problemlos ausreichen, um den Gesamtverbrauch an Solarstrom zu generieren. (Archiv)

Foto: Simon Grässle

Wislig sucht für seinen Energiepark Dachflächen für die Stromproduktion

Solarrevolution in Weisslingen

Weisslingen will in der Energieproduktion eine Vorreiterrolle einnehmen. Mit dem Fokus auf Strom aus Solarenergie steht ein wegweisendes Projekt an. Für den geplanten Energiepark werden nun Hausdächer für die Stromproduktion eruiert.

Weisslingen, so sagte es Gemeinderat Patrick Geiser (Wisliger Forum) zum Anfang einer Informationsveranstaltung, werde bisweilen etwas gar vorschnell als «Schlafgemeinde» eingeschätzt. Doch beim Thema Energieversorgung wolle die Gemeinde eine Vorreiterrolle einnehmen.

Kein überstürztes Vorhaben

Und so fanden sich am Donnerstagabend rund 100 Interessierte im Widum-Saal ein, um sich das Projekt eines Energieparks Wislig im Detail erklären zu lassen. Zwei Tage zuvor hatte der Regierungsrat in der Person von Martin Neukom die ermittelten Potenzialgebiete für Windkraftanlagen bekannt gegeben. Weisslingen gehört nicht dazu. Und dieser Umstand wird von Gemeindepräsident Pascal Martin (SVP) an diesem Abend mit Genugtuung zur Kenntnis genommen.

«Wir hatten stets gehofft, dass es zu einem früheren Zeitpunkt klar gewesen wäre, dass aufgrund der Lage unserer Gemeinde kaum 220 Meter hohe Windräder aufgestellt werden können. Nun fokussieren wir uns auf die Produktion anderer alternativer Energien», meinte Martin gegenüber der Redaktion.

Der neue Wisliger «Energieminister» Patrick Geiser eröffnete die Veranstaltung mit dem Hinweis, dass sich der Gemeinderat an seiner Sitzung vom 18. Juni mit der Idee einer Lokalen Wisliger Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) befasst habe.

Dieser Input sei von der möglichen Betreiberfirma inPowers AG mit Sitz in Glattbrugg eingegangen. inPowers sei ein Energie-Startup mit hoher Kompetenz in Energiethemen. «Die Grundidee ist von der Behörde zustimmend zur Kenntnis genommen worden», unterstrich der Tiefbau- und Werkvorstand. Der Gemeinderat könne sich eine Beteiligung am Vorhaben gut vorstellen.

«Es ist nun aber nicht so, dass wir erst nach dem Verdikt an der jüngsten Urnenabstimmung damit begonnen haben, uns ein zweckmässiges Konstrukt für die zeitgemässe Energiebeschaffung zurechtzulegen», unterstrich Martin. Vielmehr habe man bereits im Frühjahr 2023 mit inPowers eine erste Auslegeordnung vorgenommen.

Geiser erläuterte die Zielsetzungen des Gemeinderats. Im Fokus stünden erstens erneuerbare Energien. Zudem strebe man in Energiefragen eine gewisse Unabhängigkeit an. Nicht zuletzt könnten mit einem gemeindeeigenen Energiepark Kosten eingespart werden. Als Zielgrösse nannte er 20 Prozent Stromkosteneinsparung. 

Mitbestimmen und mitbesitzen

Das Konzept des Energieparks Wislig wurde von Felix Speerli, Geschäftsführer bei inPowers, präsentiert. «Energiethemen beschäftigen die Bevölkerung seit längerer Zeit. Und die kürzliche Abstimmung zum Stromgesetz eröffnet nun neue Möglichkeiten», meinte er. Die Idee eines Energieparks sei bereits vor einiger Zeit skizziert worden.

«Die Wisliger sollen bei der Lancierung des Energieparks mitbestimmen und mitbesitzen können», unterstrich Speerli. Die Idee von inPowers baue auf die Liberalisierung auf dem Strommarkt. Heute sei es möglich, als Gewerbe oder als Privatperson Strom zu produzieren. Deshalb gelte es für das Projekt des Energieparks in der Gemeinde Interessenten anzusprechen. Gemeinsam eine solche Stromproduktionsanlage aufzubauen mache Sinn. «Damit könnten Kräfte wirksam gebündelt werden», betonte der Geschäftsführer.

Dachflächen reichen für den Strombedarf

Nick Beglinger, der aktuell zweite Mann bei inPowers, ist ein absoluter Profi in Energiefragen. Er teilte mit, dass die Dachflächen in Weisslingen problemlos ausreichen würden, um den Gesamtverbrauch an Solarstrom zu generieren.

Er meinte, dass sich die Energielandschaft sehr schnell verändere. Es gebe viele Unsicherheiten, darunter auch die Preisentwicklung. «Doch wenn man selber etwas auf die Beine stellt, kann man gewisse Unsicherheiten minimieren», folgerte er.

Er stelle fest, dass Weisslingen heute bereits rund 100 Liegenschaftenbesitzer habe, die Solarpanels auf dem Dach installiert hätten. «Wir haben das Ziel, künftig weniger Einzelanlagen zu bauen, sondern grössere, kooperativ verwaltete Anlagen», äusserte sich Beglinger. Mit einem Energiepark könnten Stromproduktion und -verbrauch intelligent gesteuert werden.

Wisliger Potenzial ist gross

Die Firma inPowers hat das Dachflächenpotenzial in Weisslingen erhoben. Die Solarpanel-Technologie sei entwickelt, man benötige keine Bewilligungen mehr. Es sei nun der richtige Zeitpunkt, um in mehreren Phasen vorwärtszumachen. Bereits im kommenden Jahr könnte eine Trägerschaft aktiv werden. «Es handelt sich hier um ein cooles Bürgerprojekt», gab sich Beglinger fast schon euphorisch.

Mehrere Votanten erkundigten sich nach dem weiteren Vorgehen. Sie hätten ein unterschriftsreifes Projekt, und die Frage sei nun, ob sie zuwarten sollten. Die künftigen Betreiber des Energieparks wollen diesen Entscheid den Liegenschaftenbesitzern überlassen.

Es sei wohl sinnvoller, nur einmal zu bauen, aber es bestehe durchaus die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt zum Energiepark hinzuzustossen. Es geht den Projektverantwortlichen nun darum, das Interesse in der Bevölkerung zu eruieren.

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