Gegen das Hochhaus in Illnau-Effretikon formiert sich Widerstand
Anwohner wehren sich
Der private Gestaltungsplan Baufeld E liegt öffentlich auf. Nun sammeln Anwohner Unterschriften gegen den geplanten Wohnturm beim Zentrumskreisel.
130 Wohnungen, Büros und Läden auf 6600 Quadratmetern, ein Bauvolumen von 64’000 Kubikmetern und ein 55-Meter-Hochhaus: So sehen die Dimensionen der geplanten Überbauung in Effretikon aus, die westlich des Bahnhofs zwischen Illnauer-, Rikoner- und Hinterbüelstrasse zu stehen kommen soll.
Noch bis zum 16. Juli liegen die Pläne für die Gestaltung des Baufelds E öffentlich auf. Bis dahin können schriftliche Einwendungen gemacht werden.
Und Einwendungen gibt es tatsächlich. Die IG Hinterbüel, eine Gruppe von rund 15 Anwohnern der Hinterbüelstrasse und des Blumenwegs, sammelt zurzeit Unterschriften für eine Petition. Konkret geht es dabei um das geplante Hochhaus – respektive seine Dimension.
«Viermal so hoch wie das Stadthaus»
«Das Problem ist die schiere Grösse», sagt IG-Mitglied Agnes Benz, die an der Hinterbüelstrasse wohnt. «55 Meter – das ist viermal so hoch wie das Stadthaus.» Dass sich das Stadtzentrum nach 30 Jahren Stillstand endlich weiterentwickeln müsse, sei auch in der Interessengemeinschaft unbestritten. «Aber müssen es gleich Hochhäuser sein?»
Ihre Nachbarin Sandra Schneider doppelt nach: «Die meisten Leute, die wir ansprechen, goutieren es überhaupt nicht, dass das Zentrum von Effretikon immer grossstädtischer wird.»
«Effretikon braucht definitiv kein neues Wahrzeichen», sagt auch IG-Mitglied Peter Kreuzwirth. So bezeichnet die Immobilieninvestorin Seewarte AG das Bauprojekt auf ihrer Website. «Effretikon ist nun mal nicht Altstetten oder Oerlikon. Bei uns sind so gross dimensionierte Türme völlig fehl am Platz.»
«Wir befürworten für das Hochhaus im Baufeld E eine Grösse von 30 Metern oder eine maximale Verschiebung in Richtung Bahnhof», heisst es in der Petition der IG. Direkt am Bahnhof Effretikon ist bereits ein ähnlich hohes Wohn- und Gewerbegebäude geplant.
Wertminderung wegen Schattenwurf?
«Mit einer Verschiebung gegen den Bahnhof liesse sich auch der Schattenwurf auf unser Quartier minimieren», ist sich Ralf Stähli sicher. Er hat vor ein paar Jahren eine Solaranlage auf seinem Dach installieren lassen. «Die Stadt sagt immer, dass wir die Sonne nutzen sollen. Und jetzt stellt sie uns sozusagen ein Hochhaus ins Sonnenlicht.»

Drei Stunden Schattenwurf pro Tag sind von Gesetzes wegen zulässig, weiss er inzwischen. Nur sinke mit jeder Stunde Schatten auch der Ertrag der Solaranlage. «Was macht ein Hochhaus vor unserer Nase mit dem Wert unserer Liegenschaften?», fragt sich auch Peter Kreuzwirth. «Wir sind alle nicht reich, und die meisten Hüsli stammen aus den Vierzigerjahren.»
«Die Stadt will weg vom Image einer Schlafstadt. Gleichzeitig aber sind im Hochhaus am Kreisel nur Kleinwohnungen vorgesehen», bringt Agnes Benz einen weiteren Punkt an. «Damit werden ausschliesslich Pendler angelockt, die auswärts arbeiten und abends wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.»
Das sei auch ein Satz, den sie beim Unterschriftensammeln immer wieder hören würden, ergänzt Sandra Schneider. «Wenn schon neue Wohnungen, dann wollen die Leute bitte solche, die gross genug für Familien sind.»
Am Tisch mit der Stadt
Kürzlich konnten sich Vertreter der IG mit der zuständigen Stadträtin Rosmarie Quadranti (Die Mitte), dem Tiefbauamtsleiter Dieter Fuchs und der Stadtplanerin Ivana Vallarsa an einen Tisch setzen. Das Gespräch sei konstruktiv gewesen, sagt Agnes Benz, aber auch desillusionierend. «Sie haben uns klargemacht, dass mit den Plänen alles rechtens ist.»
Bei solchen Grossprojekten gebe es immer Gewinner und Verlierer, habe es geheissen. «Und anscheinend sind wir die Verlierer.»
Trotzdem wollen sich die IG-Mitglieder nicht entmutigen lassen und bis zum 16. Juli weitere Unterschriften sammeln. Rund 350 haben sie bereits zusammen, 400 wären das Ziel. Auf dem Plan steht auch noch ein Gespräch mit den Verantwortlichen der Immobilieninvestorin Seewarte AG.
«Die Alternative wäre, gar nichts zu unternehmen», sagt Ralf Stähli. «Und das will ich mir später mal nicht vorwerfen müssen.» Etwas Positives habe das Ganze auch, sagt Sandra Schneider: «Durch unser Engagement haben wir uns alle besser kennengelernt, und der Zusammenhalt im Quartier ist gewachsen.»