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Gesellschaft

So viel erhalten die Gemeinden im Oberland aus dem Finanzausgleich

Die Oberländer Gemeinden hängen am Tropf des Finanzausgleichs. Für 2025 gibt es fast 350 Millionen Franken.

Fischenthal im hügeligen Tösstal ist auf den Finanzausgleich angewiesen.

Foto: Christian Brändli

So viel erhalten die Gemeinden im Oberland aus dem Finanzausgleich

Geldstrom hat zugenommen

Jahr für Jahr fliessen rund eine Milliarde Franken von den reichen zu den ärmeren Zürcher Gemeinden. Von Letzteren gibt es in der Region besonders viele.

Den meisten der 34 Gemeinden und Städte in der Region spült es jedes Jahr Millionen in die Kasse. Geld, ohne das sie oft nicht existieren könnten. Quelle dieses Geldstroms ist der innerkantonale Finanzausgleich. Bei den 28 finanzstärksten Zürcher Gemeinden wird abgeschöpft. Dazu gehören insbesondere die Orte rund um den Zürichsee. Küsnacht steuert allein 112 Millionen bei.

Aus dem prall gefüllten Topf fliesst das Geld dann zu den ärmeren Gemeinden der total 160 Zürcher Gemeinden.  

Nur zwei Zahler aus dem Oberland

Vor wenigen Tagen hat das kantonale Gemeindeamt die Zahlen für diesen Finanzausgleich im Jahr 2025 publiziert. Auch wenn diese noch als provisorisch deklariert sind, ändern sie sich jeweils nur noch selten. Über 1,1 Milliarden Franken werden diesmal bei den reichen Gemeinden eingesammelt. Zu diesen zählen aus der Region gerade mal Maur und Greifensee.

Während kantonsweit bei knapp jeder fünften Gemeinde «Ressourcen» – wie es so schön heisst – abgeschöpft werden, macht diese Quote im Oberland und im Tösstal mit den beiden einzigen Zahlern gerade noch 6 Prozent aus.

Bezogen auf die Jahresrechnung 2023 werden in Maur rund 14 Prozent des Nettosteuerertrags, ohne Grundstückgewinnsteuern, abgeschöpft. «Dies entspricht etwa 14 Steuerprozenten», hält Alfonso Spampinato, Leiter der Maurmer Finanzabteilung, fest. «Durch den Finanzausgleich wird das Potenzial des Einnahmenwachstums der Gemeinde stark beschränkt: Etwa 83 Prozent der Steuermehrerträge fliessen in den Finanzausgleich, wenn sich das Kantonsmittel der Steuerkraft nicht bewegt.»

Der Schiffsteg in Maur mit einem Schiff.
Maur ist finanziell ein sicherer Hafen – aber die Gemeinde muss viel Geld in den Finanzausgleichstopf einzahlen.

Viel wesentlicher als die Veränderungen bei den eigenen Steuereinnahmen ist für Maur wie alle Abliefergemeinden, wie sich das kantonale Mittel entwickelt. Steigt dieses an, so verbleibt unter dem Strich mehr Steuerertrag bei den Abliefergemeinden. «In diesem Sinne ist das Wachstum des kantonalen Mittels der Steuerkraft 2023 gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent erfreulich», bilanziert Spampinato.

Armes Tösstal

Das Kantonsmittel der relativen Steuerkraft ist – ohne die Stadt Zürich – von 4014 auf 4096 Franken angestiegen. Zum Vergleich: Die kantonsweit ärmsten Gemeinden liegen alle im Tösstal. In Fischenthal leistet ein Steuerzahler durchschnittlich gerade einmal 1826 Franken. Wenig mehr sind es in Turbenthal, Zell, Wila und Wald. Am anderen Ende steht Erlenbach. Dort beträgt die relative Steuerkraft 19'474 Franken.

Entsprechend gelangen von den 935 Millionen Franken, die unter dem Titel «Ressourcenzuschuss» diesmal kantonsweit verteilt werden, volle 344 Millionen Franken in die Region. Gegenüber dem Vorjahr sind das nochmals knapp 15 Millionen mehr.

Essenzielle Ressourcenzuschüsse

Unter den zehn grössten Bezügern im Kanton finden sich mit Wetzikon, Wald, Rüti, Uster und Illnau-Effretikon bezogen auf die Bevölkerungsgrösse überproportional viele Orte aus der Region. Wie Usters Finanzvorstand Cla Famos (FDP) erklärt, ist der Ressourcenzuschuss eine wichtige Einnahmequelle, entspricht er doch zwischen 15 und 25 Steuerfussprozenten.

Gleich sieht das die Wetziker Finanzvorständin Sandra Elliscasis (FDP). Die Stadt erhält über 47 Millionen Franken. Ein Steuerfussprozent liegt bei gut einer halben Million Franken. «Man kann nun selber ausrechnen, um wie viel der Steuerfuss in Wetzikon ohne Ressourcenausgleich angehoben werden müsste …»

In Pfäffikon entspricht der Finanzausgleich von 8,5 Millionen Franken knapp 10 Prozent der gesamten Erträge. «Mit den Ressourcenzuschüssen können wir unsere stetig steigenden Ausgaben bei der Pflegefinanzierung oder der Bildung, bei welchen wir nur begrenzt Einfluss nehmen können, decken», hält Finanzvorstand Stefan Gubler (FDP) fest.

In Lindau gibt es aufgrund des Steuerabschlusses 2023 im kommenden Jahr zwar wieder etwas aus dem Ausgleichstopf. «Im Gegensatz zu 2024 ist dies aber deutlich weniger als in den Vorjahren», wie der Finanzleiter Beat Schlatter erklärt.

Zusätzliches Geld in die Hügelgebiete

Neben dem Ressourcenausgleich werden unter den Titeln demografischer, geografisch-topografischer sowie Zentrumslastenausgleich noch weitere Millionen hin- und hergeschoben. Alle diese Zahlungen ergeben dann das Gesamttotal an Finanzausgleich.

In den Genuss des Zentrumslastenausgleichs kommen nur die beiden Städte Winterthur und Zürich. Der demografische Sonderlastenausgleich, mit dem ein Teil der besonderen Aufwendungen für Kinder und Jugendliche abgegolten wird, ist mit knapp 5 Millionen Franken kantonsweit unbedeutend. Mit Schlatt, Fällanden – das keinen Ressourcenzuschuss erhält - und Wildberg erhalten drei Gemeinden in der Region zusammen eine halbe Millionen Franken.

Für das hügelige Oberland viel bedeutender ist der geografisch-topografische Sonderlastenausgleich. Damit werden besondere Lasten ausgeglichen, die auf die besondere Siedlungsstruktur oder die topografischen Verhältnisse zurückzuführen sind. Gedeckt werden aus diesem Topf die aussergewöhnlichen Belastungen bei der Feuerwehr und der Feuerpolizei, den Gemeindestrassen, dem Gewässerunterhalt sowie dem Forstwesen.

Wald, Fischenthal, Bäretswil, Bauma, Wila, Wildberg, Schlatt und Turbenthal erhalten zusammen 13,7 Millionen Franken über den geografisch-topografischen Sonderlastenausgleich. Das ist der grösste Teil der total 21,8 Millionen Franken im ganzen Kanton.

Lebensqualität dank Zuweisungen

Fischenthal bezieht total 10 Millionen Franken aus dem Finanzausgleich. Im Jahr 2024 wird im Budget mit einem Gesamtaufwand von 24 Millionen Franken gerechnet. Daraus ist ersichtlich, welch zentrale Bedeutung das Geld von den finanzstarken Gemeinden für das arme Dorf hat.

Man sieht eine Frau neben einem Schild.
Laut Fischenthals Gemeindepräsidentin Barbara Dillier bringt der Finanzausgleich Lebensqualität ins Tal.

Fischenthals Gemeindepräsidentin Barbara Dillier (parteilos), die sich im September in Rapperswil-Jona als Stadtpräsidentin zur Wahl stellt, drückt das so aus: «Der Finanzausgleich ist für Fischenthal von grosser Bedeutung, da er uns hilft, die Qualität und den Umfang öffentlicher Dienstleistungen aufrechtzuerhalten, trotz unserem relativ tiefen Steuersubstrat.»

Schulhäuser Schmittenbach und Burghalden in Fischenthal.
Mit dem Geld aus dem Finanzausgleich wird in Fischenthal auch die Bildungsinfrastruktur bezahlt.

Diese Zuweisungen ermöglichten es Fischenthal, in wichtige Bereiche wie Bildung, Infrastruktur und soziale Dienste zu investieren, ohne dabei die Steuerlast für die eigenen Bürgerinnen und Bürger unverhältnismässig erhöhen zu müssen. «Der Finanzausgleich trägt somit direkt zur Lebensqualität in unserer Gemeinde bei und unterstützt uns dabei, Fischenthal als attraktiven Wohn- und Arbeitsort zu gestalten und weiterzuentwickeln.»

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