KI und Roboter prägen 130. Geburtstag der Blumenau
Feier im Tösstaler Heim
Zur 130-Jahr-Feier der Blumenau haben Natalie Rickli und Jörg Kündig den Weg nach Lipperschwendi gefunden. Auch beim Jubiläum spielten die Veränderungen in der Pflegelandschaft eine Rolle – aber nicht für alle.
Es ist ein Grund zum Anstossen: Seit 130 Jahren gibt es die Blumenau, die heute ein Alters- und Pflegeheim ist. Das sahen auch viele Besucherinnen und Besucher am Jubiläumsfest am Samstag so. Nach dem offiziellen Festakt bildete sich eine kleine Schlange an der Cüpli-Bar.

Dass es in der Blumenau Cüpli gibt, zeigt, dass sich das Heim seit seiner Gründung stark verändert hat. 1894 eröffnete die Anstalt als eine der ersten Heilstätten in der Schweiz für Trinkerinnen. Ins Leben gerufen hatte sie der Fischenthaler Simeon Diener, der einst selbst ein Trinker war und dem Alkohol abschwor.
An diese früheren Zeiten und den steinigen Weg, von der öffentlichen Hand anerkannt zu werden, erinnerte auch Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) in ihrer Ansprache im vollen Festzelt. «Auch wenn ich froh bin, dass es heute Cüpli gibt», sagte sie.
Für das Heim, das seit 1969 der Familie Graf gehört, fand sie ausschliesslich lobende Worte. «Ich habe schon einige Heime besucht, und die Blumenau ist eines der schönsten.»
Sie hob dabei besonders das Engagement der Familie Graf hervor. «Es ist vermutlich das einzige Heim, das ein Familienbetrieb ist», erläuterte die Regierungsrätin.
Vergleichsweise politischer war die Ansprache von Kantonsrat Jörg Kündig (FDP) aus Gossau, der als Präsident des Verbands der Gemeindepräsidien eingeladen war. Als Politprofis erwähnten aber weder er noch seine Vorrednerin die Situation am Spital Wetzikon, wo Kündig auch Verwaltungsratspräsident ist.







Nachdem er seine ehemalige Kindergärtnerin und heutige Blumenau-Bewohnerin begrüsst hatte, referierte Kündig aber über die zahlreichen Herausforderungen, die auf das Heim zukommen.
«Die Zukunft wird auch für Sie anders», erläuterte er. Er sprach dabei von der integrierten Versorgungskette im Gesundheitswesen. «Alle müssen da miteinander den Weg suchen.» Um nicht zu technisch zu werden, fasst er dies so zusammen: «Von der Wiege bis zur Bahre.»
Blumenau 2040 mit Robotern?
Ganz ohne Politik ging es auch beim anschliessenden Podium nicht, das von Kantonsrat Markus Schaaf (EVP) moderiert wurde. Schaaf ist selber Heimleiter in Rämismühle. Ein Thema war dabei die Planung der Pflegebetten. Schaaf nannte eine Studie, dass bis im Jahr 2040 etwa 54’000 Pflegeplätze mehr gebraucht werden.
Rickli erwähnte dann in diesem Zusammenhang die Zuwanderung. «Ich will da keine Debatte eröffnen, aber mehr Menschen brauchen überall mehr Platz.» Bei der Pflege wolle der Kanton deshalb die Zahl der Betten besser planen und steuern. «Und die Zuwanderung hilft dann, diese Leute zu pflegen», warf Schaaf in einem nächsten Wortwechsel ein.
Abgesehen von den politischen Herausforderungen skizzierte Lea Graf, die zusammen mit ihrem Bruder Immanuel im nächsten Jahr das Heim übernehmen wird, ein Bild von der Blumenau 2040.
«Wir sind lernend unterwegs», betonte sie. Robotik und künstliche Intelligenz seien auch im Heimalltag keine Tabus – beispielsweise in der Administration. «Aber nicht, wenn es um den Kontakt zu Menschen geht», betonte sie.
Ein Teil von Lipperschwendi
Nach dem offiziellen Festakt zog es viele Besucherinnen und Besucher nicht nur an die Cüpli-Bar. In der alten Scheune erhielten sie einen Einblick in die Blumenau von «früher», mit altem Bett samt Nachttöpfen darunter.
Andere besuchten die Fotoausstellung oder deckten sich am Strickstand mit «gelismeten» Souvenirs wie Puppen oder Plüschtieren ein, die die Bewohnerinnen und Bewohner gestrickt hatten.



Andere blieben gerne noch etwas im Festzelt sitzen. Darunter auch Sandra Müller, die in Lipperschwendi wohnt. «Wir haben alle einen sehr starken Bezug zur Blumenau, kennen viele Bewohnerinnen und Bewohner», sagte sie.
Das Heim nimmt dabei auch eine wichtige Funktion für die Einwohnerinnen und Einwohner des Weilers ein. «In der Blumenau läuft immer ‹öppis›», sagte auch Barbara Graf, die gleich neben dem Heim wohnt, jedoch nicht direkt verwandt ist mit der Heimleiterfamilie. Die Institution sei aus Lipperschwendi nicht wegzudenken und wichtig für das Zusammenleben.








Dieses Miteinander wurde dann am Nachmittag zelebriert – trotz strömendem Regen führten Bewohnerinnen und Bewohner mit Schülern aus dem Baumer Schulhaus Wellenau ihr Theaterstück «Blomsterland» über das Zusammenspiel zwischen Ordnung und Chaos auf.
Dieses haben sie in den letzten zwei Wochen mit dem Theaterprojekt «Fahrwerk.ö» erarbeitet. Jung und Alt zeigten sich wetterfest, auch wenn die Regenschirme ungeplant zum wichtigsten Requisit wurden.
