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Gesellschaft

Das Hope Sozialwerk in Wolfhausen geht in neue Hände über

Nach 23 Jahren unermüdlichem Einsatz übergeben die Gründer ihr Sozialwerk an ihre Nachkommenschaft.

Das Sozialwerk Hope von Werner und Theres Wäspi geht in die Hände von ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter über.

Foto: Christian Merz

Das Hope Sozialwerk in Wolfhausen geht in neue Hände über

Frischer Wind gepaart mit Kontinuität

Diese Hilfsorganisation kämpft gegen die Nöte von Bedürftigen im Oberland. Nun übernimmt die nächste Generation das Zepter. Sie will versuchen, Bewährtes weiterzuführen und Neues zu etablieren.

Sie spüren an den Bedürfnissen von Benachteiligten stets, wie es gerade um die Weltlage steht. Sogar im beschaulichen Oberland. Beide haben eine starke soziale Ader und sind in der Führung von Menschen, die vielleicht etwas mehr Hilfe als gewöhnlich brauchen, keineswegs unerfahren. Dennoch sind die Positionen, die Yvonne (38) und Markus (43) Wäspi ab dem Juli offiziell innehaben, für beide etwas Neues.

Die zwei treten die neu geschaffene Geschäftsstelle an und übernehmen das Tagesgeschäft des Hope Sozialwerks von den Gründern Theres und Werner Wäspi, ihrer Eltern und Schwiegereltern. Sie haben das Hilfswerk über 23 Jahre geführt und wollen endlich etwas kürzertreten. «Ich bin gespannt, ob es vor allem meine Mutter schafft, tatsächlich etwas loszulassen», meint Markus Wäspi schmunzelnd.

Denn ganz sei das für sie als weiterhin amtierende Vereinspräsidentin ohnehin nicht möglich. «Es ist aber keineswegs so, dass wir das nicht schätzen würden, denn ihr Erfahrungsschatz und ihr leidenschaftliches Engagement haben uns erst dazu gebracht, dieses neue Kapitel aufzuschlagen.» Die Idee dazu sei bereits vor eineinhalb Jahren gereift.

Unterschiedliche Werdegänge

Markus Wäspi ist nicht nur sozial, sondern auch technisch affin. Der gelernte Polymechaniker hat lange Zeit in der Aufzugsbranche gearbeitet und sich zum Techniker weitergebildet. Später leitete er über lange Zeit am Flughafen Zürich technische Arbeiten als Projekt- und später als Teamleiter. Parallel dazu hat er sich schon während der Corona-Pandemie im Sozialwerk engagiert und seinen Vater bei den Lohn- und Kundenrechnungen unterstützt. Insgesamt beschäftigt Hope rund 50 Angestellte und hat zwischen 80 bis 100 Kunden im Monat zu betreuen.

Hope Sozialwerk
Yvonne und Markus Wäspi wollen helfen, wo es geht, und werden dabei im Oberland bestimmt ihre Spuren hinterlassen.

Seine Frau Yvonne kommt aus dem Pflegebereich und ist sich Stress in Kombination mit Fürsorge gewohnt. Deshalb war es naheliegend, dass sie eines Tages in die Bresche springen würde. «Ich brauchte vor dreieinhalb Jahren nach 13 Jahren in der Pflege etwas Neues und rutschte so direkt in die Geschäftsführung der Dienstleistungen.»

Steigende Anforderungen

Das Hope Sozialwerk ist nämlich nicht mehr «nur» ein Verein, sondern arbeitet mit einer eng verkoppelten Firma, die infolge der Zunahme der Arbeitsvermittlungen und Aufträge gegründet und buchhalterisch vom Sozialwerk abgespaltet wurde. Die Hope Dienstleistungen ist seit vier Jahren innerhalb des Werks eine eigene Unternehmung in Form einer Kollektivgesellschaft.

Als neue Inhaber widmet sich Markus Wäspi hauptsächlich den Aufgaben rund um die Personaladministration und Yvonne Wäspi der Geschäftsführung. «Die meisten Menschen, die bei uns landen, haben keine geradlinigen Lebensläufe und oft keine Chance auf dem Arbeitsmarkt», sagt Yvonne Wäspi.

Der Rücken einer Frau, die Lebensmittel verteilt.
Speziell während der Pandemie oder zu Beginn des Ukraine-Kriegs wurde spürbar, wie essenziell die Hilfe des Sozialwerks für viele Menschen ist.

Deshalb seien erfolgreiche Vermittlungen für sie etwas, was sie besonders zufriedenstellt. «Wir können als Übergangsstation zwar Halt bieten, doch wollen wir, wenn möglich, dafür sorgen, dass sich das Glück bei diesen Menschen dauerhaft einstellt.»

Nur nichts überstürzen

Zunächst gilt für Yvonne und Markus Wäspi vor allem eines: ankommen. Dafür verzichten sie auch auf lange Sommerferien. «Wir wollen auch künftig Neues ausprobieren, aber das bisherige Tagesgeschäft natürlich weiterführen», sagt Markus Wäspi.

Im Hope Sozialwerk bleibe nach wie vor der Vorstand mit dessen sechs Mitgliedern, darunter den Eltern und Schwiegereltern, tonangebend. Wobei sich die beiden überall und jederzeit selbst einbringen können. Wie beispielsweise in der Lebensmittelabgabe. Markus Wäspi ist Ressortleiter und möchte die Hilfsorganisation in diesem entscheidenden Bereich weiterentwickeln.

Junge Frauen verteilten Lebensmittel an Bedürftige.
Bei der Abgabe gibt es einen strikten Ordnungsablauf: Die Bedürftigen dürfen sich nicht selbst bedienen, sondern werden von Freiwilligen versorgt.

«Die Lebensmittelabgabe findet jeden Freitag statt. Neben der Durchführung mit vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern gibt es auch im Hintergrund einiges zu organisieren.» Verändern müsse man nicht viel, doch Optimierungsbedarf gäbe es fast immer. Denn die Anzahl der 60 bis 80 Bezügerinnen und Bezüger, die das Sozialwerk aus dem Raum Tann und Bubikon wöchentlich mit Lebensmittel eindeckt, werde wohl auch künftig nicht sinken, sondern eher steigen.

Jeden Freitag ab 16 Uhr verteilt das Hope Sozialwerk Lebensmittel an Bedürftige im Begegnungszentrum an der Jona in Tann. Dafür ist eine Bezugskarte nötig, die man je nach Umständen mittels eines auszufüllenden Antrags erhält. Die Lebensmittel werden von Freiwilligen verteilt, die sich nach dem jeweiligen Bedarf der Bezügerinnen und Bezüger erkunden. Verteilt werden Getränke, Gemüse, Früchte, Gebäck und allerlei sonstige Lebensmittel. Fleisch gehört nicht dazu. Der Secondhand-Verkauf, für den es keinen Antrag zum Einkaufen braucht, findet jeden ersten Montag im Monat um 14.30 Uhr im Begegnungszentrum an der Jona in Tann statt.

Yvonne Wäspi will sich derweil weiter ihrem vertrauten Gebiet widmen: dem Secondhand-Verkauf von Kleidern. «Wir sind bereits sehr gut vernetzt und zu einem gewissen Grad bekannt.» Viele Kleider kämen direkt von Leuten aus der Region zu ihnen, die wüssten, was mit ihnen passiert. Die normalen Kleiderabgabestellen umgingen sie und gelangen direkt an das Sozialwerk.

«Wir arbeiten auch mit dem schweizerischen Hilfswerk Licht im Osten zusammen und organisieren regelmässig Kleiderversände nach Rumänien, eines der ärmsten Länder in Europa.» Dies gilt nicht nur für die Sammlung von Kleidern, sondern auch für den Transport in Richtung Osten.

Bei den Kleidern fährt das Hope Sozialwerk aber eine andere Strategie wie bei den Lebensmitteln. «Die gebrauchten Kleider sind beim mittlerweile wachsenden Secondhand-Trend auch bei nicht bedürftigen Menschen beliebt, und wir können mit diesen Erlösen weitere Hilfe leisten», meint Yvonne Wäspi. Einer der nächsten Schritte wird allerdings technischer Natur sein: Sie möchte das bisherige Kassensystem unbedingt mit Twint ergänzen.

Prall gefüllte Schultheke

Das derzeit anstehende Projekt vom Hope Sozialwerk soll den jüngsten Armen in Rumänien zugutekommen. Yvonne Wäspi ist mit Freiwilligen damit beschäftigt, Flyer in den Schulen im Raum Bubikon zu verteilen. Auf diesen werden Eltern wie Schülerinnen und Schüler darum gebeten, alte Schultheke an sie abzugeben. «Diese füllen wir dann mit Schulmaterial und jeweils einem Stofftier, um Kindern im Osten den baldigen Schulstart etwas zu versüssen.»

Das Hope Sozialwerk

2001 gründeten René Bregenzer und Werner Wäspi das Hope Sozialwerk, um Menschen in Nöten beizustehen. Da sich Ersterer schon 2005 zurückzog, übernahm Theres Wäspi dessen Aufgaben. Das Sozialwerk verteilt Lebensmittel und Kleidung an bedürftige Menschen im Oberland wie auch in anderen Ländern. Dazu bietet die Hope Dienstleistungen KIG auch Räumungen, Garten-, Haus- und Reinigungsarbeiten an. Eindrücke und genaue Details, wie das Sozialwerk arbeitet und wie es mit seinen 45 Vereinsmitgliedern organisiert ist, finden Sie unter www.hope-zo.ch.

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