So viel Kafka steckt in Pfäffikon
Kunst aus dem Untergrund
Was hat Pfäffikon mit Kafkas 100. Todestag zu tun? Viel, wie ein Besuch der Galerie Krause offenbart, die sich seit 1973 im Keller eines Wohnhauses befindet.
Im Untergrund – dort mussten die tschechischen Autoren in den 1960er-Jahren agieren, wenn sie ihre vom russischen Regime verbotene Literatur an die Leute bringen wollten.
«Auch hier in der Schweiz traten sie im Untergrund auf – bei uns in der Galerie», erklärt Alice Krause mit viel Humor. Direkt unterhalb ihrer Mietwohnung an der Tumbelenstrasse in Pfäffikon befindet im Untergeschoss die Galerie Krause.
Einst selber geflohen nach dem «Prager Frühling»
Seit 1973 gibt es hier Ausstellungen, welche vorwiegend tschechische und slowakische Kunstwerke zeigen.
In ihren Jugendjahren floh Alice Krause mit ihrer Familie 1969, nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Russen – welche so gewaltvoll die Reformbewegung «Prager Frühling» beendeten – wie viele ihrer Landsleute ins Ausland.
Sie kam zunächst nach Deutschland ins Ruhrgebiet und später mit ihrem inzwischen verstorbenen, tschechischen Mann in die Schweiz. «Speziell für Exil-Tschechen war es anfangs hier in der Schweiz schwierig, ihre Werke zu zeigen.
Das war der Hauptgrund, dass wir hier die Galerie in Pfäffikon eröffnet haben», sagt Alice Krause, die einst für ein paar Semester Kunstgeschichte studiert hat, aber selber nie als Künstlerin tätig war.

Bis zu vier Wechselausstellungen finden in der Galerie Krause pro Jahr statt. Aktuell dreht sich alles um den 100. Todestag des tschechischen Autors Franz Kafka. Aus diesem Anlass stellt die Pragerin Sylva Pauli Bilder und Objekte aus, die Bezug zu Kafka haben.
«Ausgangspunkt sind Zitate und Aphorismen von Kafka. Um diese herum hat die Künstlerin ihre Bilder erstellt», erklärt Krause. So ist beispielsweis zum Werk «Fische» Kafkas Aphorismus , wie prägnant-geistreiche Sprüche in der Fachsprache genannt werden, zu lesen.
«Wer innerhalb der Welt seinen Nächsten liebt, tut nicht mehr und nicht weniger Unrecht, als wer innerhalb der Welt sich selbst liebt. Es bliebe nur die Frage, ob das erstere möglich ist.»
Die Zitate und Aphorismen zeigten die humorvolle und lebensbejahende Seite des Autors, die weniger bekannt sei. «Ich selber habe 13-Jährige erstmals Kafka gelesen. Ich war fasziniert», verrät die Galeristin.
«Seine Texte thematisieren oft die Ohnmacht gegenüber der Obrigkeit. Deshalb waren viele seiner Werke dem kommunistischen Regime ein Dorn im Auge und verboten», erzählt Alice Krause.
Kafkas Werke, die zu den meistgelesenen im 20. Jahrhundert zählen, seien gerade jetzt wieder aktuell – wegen des russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.
Und Alice Krause weiter: «Wenn ich Bilder von den Panzern in der Ukraine sehen, werde ich sofort die Zeit meiner Flucht erinnert. Da kommen alte Gefühle hoch.»
Die Kafka-Ausstellung ist noch bis am Sonntag, 16. Juni zu sehen. An der Finissage an diesem Sonntag ist die Künstlerin Sylva Pauli vor Ort und hält einen Vortag zu Kafka.