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Gesellschaft

Das hat sich in 60 Jahren im Golfclub Hittnau verändert

Der Golf und Country Club feiert am 8. Juni. In all den Jahren hat sich viel gewandelt – auch das ein oder andere Klischee.

Der Golf und Country Club Hittnau feiert am 8. Juni sein 60-Jahr-Jubiläum.

Foto: PD

Das hat sich in 60 Jahren im Golfclub Hittnau verändert

Gegen Vorurteile und für die Menschen

Der Golf und Country Club Hittnau feiert am 8. Juni sein 60-jähriges Bestehen. In all den Jahren hat sich viel gewandelt, und das Klischee des reichen Golfers mit dickem Bauch und «Wägeli» ist längst Geschichte.

Treffpunkt der reichen Oberschicht und der Umweltsünder: Das sind Vorurteile, mit denen Golfclubs immer wieder zu kämpfen haben. Das ist beim Golf und Country Club Hittnau, der schon seit 60 Jahren besteht, allerdings anders.

Vom Olympia-Sieger zum Unternehmer

Der Gründer des Golf und Country Clubs Hittnau (GCCH) war nicht etwa ein Mitglied der Oberschicht, sondern ein Metzger namens Heinrich «Heiri» Angst. Dieser kam im August 1915 auf die Welt – in einer Familie mit 14 Kindern. Schon immer war er ein sportlicher Mann, gewann beispielsweise rund 100 Kränze als Schwinger und Ringer und holte sich 1954 und 1956 den Olympia-Sieg im Bobfahren.

Ein Bob mit vier Personen.
Das Bobteam Schweiz I mit dem Piloten Franz Kapus und seinen Hinterleuten Robert Alt, Gottfried Diener und Heinrich Angst (von vorne nach hinten). Das Team holte 1956 den Olympia-Sieg.

Als er 1963 den Golfsport entdeckte, entwickelte er schnell eine Leidenschaft dafür und versuchte in verschiedenen Golfclubs Mitglied zu werden. Weil die Beitrittsgesuche erfolglos waren, fasste er den Entscheid, seinen eigenen Club aufzubauen. Am 8. Juni 1964 wurde der GCCH gegründet.

Noch im Gründungsjahr schloss der Golf und Country Club Hittnau den ersten Pachtvertrag mit der Witerra Golfland AG ab. Diese ist heute unter anderem für die Finanzen und Investitionen, alle Liegenschaften und Maschinen sowie den Unterhalt des Platzes verantwortlich.

Heute zählt der Golfclub Hittnau 546 Mitglieder, was laut Andreas Moser, dem derzeitigen Präsidenten des GCCH, die Höchstzahl ist. Viele stammen aus Hittnau. Jedes Mitglied kauft bei seinem Eintritt sieben Aktien à 3000 Franken und ist somit Mitbesitzer der Anlage. Es gibt keine externen Aktionäre.

Nachhaltigkeit im Fokus

Im Lauf der Jahre hat sich nicht nur die Anzahl der Mitglieder geändert, auch der Platz wurde in mehreren Etappen erneuert. Dabei wird stark auf die Umweltfreundlichkeit geachtet. Besonders einschneidend war der zweijährige Platzumbau 2015 und 2016.

Das sei bei allen Golfanlagen der Schweiz so, sagt Felix Gerber, der aktuelle Verwaltungsratspräsident der Witerra Golfland AG. «Bei uns ist es etwas speziell, da ein grosser Teil unseres Platzes mitten im Naturschutzgebiet liegt», fügt er hinzu. Sie müssten etwas stärker darauf achten als andere Clubs.

Es gebe das Vorurteil, dass der Rasen viel gespritzt werde, damit er so schön sei, erzählt Gerber. Das sei falsch. «Wir müssen keine Ernte einfahren, darum müssen wir weniger düngen.» Ausserdem sei man fast vollständig auf organische Düngung umgestiegen.

Die Anforderungen des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) an den Golfplatz verlangen auch Ausgleichsflächen, Bäume und andere Naturschutzflächen. Auf dem ganzen Platz verteilt, wachsen spezielle Wiesen, die erst zu einem späten Zeitpunkt im Jahr gemäht werden dürfen. Ausserdem gibt es Biotope, die zum Beispiel verschiedene Tiere und seltene Orchideenarten enthalten.

Bewässert werden die Pflanzen mit Wasser aus Speicherseen, die über die gesamte Anlage verteilt sind. «Die Weiher bestehen ausschliesslich aus Regenwasser und eigenem Quellwasser», unterstreicht der Verwaltungsratspräsident der Witerra Golfland AG.

Bei der Erweiterung des Platzes wurden auch Obstbäume gepflanzt, vor allem neben der Bahn 8. Es handelt sich hauptsächlich um Apfelbäume, aus denen Most hergestellt wird. Diesen können die Mitglieder kostenlos mitnehmen.

Für die erfolgreiche Bestäubung der Pflanzen arbeitet ein Imker neben der Anlage. Die Bienenvölker fliegen über den Golfplatz. Konflikte zwischen den Golfern und den Nektarsammlern habe es noch nie gegeben, so Felix Gerber. Einen Teil des Honigs verkauft der Imker im Clubhaus.

Auch die Energiegewinnung erfolgt zum grossen Teil im Club selbst. Durch eine Photovoltaikanlage und eine Erdsondenheizung werde das Clubhaus mit Energie versorgt.

«Unsere Anlage wird regelmässig vom Kanton streng kontrolliert», betont Gerber. Dabei werden Pflanzen, Tiere und Wiesen gezählt, und es wird geprüft, ob der Golfplatz noch den Anforderungen entspricht. Zurzeit bereitet sich der Club auch auf eine Zertifizierung vor, die unter anderem viele Nachhaltigkeitsaspekte beinhaltet.

Golfen – nicht nur für die Oberschicht

«Was uns von vielen anderen Golfclubs unterscheidet, ist, dass wir ein sehr intensives Clubleben pflegen», erzählen Andreas Moser und Felix Gerber. Deshalb seien sie auch schon als «lauter Mittelstand» bezeichnet worden. Es sei viel los, die Leute würden am Clubleben teilnehmen. Zu ihnen gehören auch viele Hittnauerinnen und Hittnauer, denn die Nähe zur Gemeinde ist ihnen wichtig.

Es interessiere sie nicht, woher die Mitglieder kämen oder wie viel jemand besitze. «Bei uns geht es um die Person, nicht um die Klasse.» Der Gründer Heiri Angst sei schliesslich nicht Banker gewesen, sondern Metzger, sagen Andreas Moser und Felix Gerber.

Vor 30 oder 40 Jahren hätten aber noch keine Handwerker den Platz betreten und den Golfball in eines der 18 Löcher eingelocht, räumen die beiden Präsidenten ein. Das habe sich im Verlauf der letzten Jahre verändert.

Inzwischen ist das Golfen nicht mehr so ein Statussymbol wie früher. Es gibt nämlich laut Andreas Moser rund 100 Golfplätze in der Schweiz.

Ausserdem habe sich der Golfsport enorm entwickelt, betont Andreas Moser, der selbst seit rund 46 Jahren Golf spielt. «Es braucht Kraft, Ausdauer, Technik und ist ein mentales Training», sagt er.

Unter den 80 bis 100 Clubturnieren, die jährlich durchgeführt würden, habe es für jeden, also auch für Anfänger und nicht so gute Spieler, etwas dabei. «Es sind alle willkommen.»

Alle Informationen zur Jubiläumsfeier

Datum: 8. Juni 2024
Zeit: von 8 bis 22 Uhr

Hinweise zum Verkehr:

Die Zufahrt zum Golfclub ist am Veranstaltungstag nur über Dürstelen möglich.

Die Anwohner der Loweidstrasse sollten ebenfalls über Dürstelen fahren.

Fahrzeuge müssen in Fahrtrichtung rechts geparkt werden.

Zu- und Wegfahrten bei Privatgrundstücken müssen freigehalten werden.

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