Hohe Baukosten gefährden neue Alterssiedlung
Bauen und Wohnen in Illnau-Effretikon
Die Genossenschaft Sonnenbühl stoppt vorläufig die Planung von 47 Alterswohnungen in Unterillnau. Sie zweifelt an der Wirtschaftlichkeit des Projekts «Gupfen».
Die Gemeinnützige Baugenossenschaft Sonnenbühl will an der Effretikonerstrasse 6 in Unterillnau attraktiven und bezahlbaren Wohnraum für Senioren erstellen. Neben dem unter Heimatschutz stehenden Bauernhaus sind 47 Wohnungen, zwei Pflegewohngruppen für 22 Menschen, ein Entlastungsangebot für Angehörige sowie ein Detailhandelsladen geplant.
Der private Gestaltungsplan Gupfen ist inzwischen rechtskräftig, die Voraussetzungen für die Eingabe eines Baugesuchs wären damit gegeben. Nun kommt es zu einem überraschenden Planungsstopp.
Hohe Kosten würden die Wirtschaftlichkeit des Projekts momentan infrage stellen, schreiben die Genossenschaft Sonnenbühl und die Stadt Illnau-Effretikon in einer gemeinsamen Medienmitteilung.
«Vernünftige Kostenmiete» als Ziel
Die Stadt hatte das rund 5000 Quadratmeter grosse Grundstück 2018 für 4,5 Millionen Franken an die Genossenschaft aus Uster verkauft. Sie knüpfte den Verkauf an verschiedene Nutzungsauflagen.
So sollten die Wohnungsmieten für den Mittelstand finanzierbar sein. Zudem sollte mindestens ein Teil der Wohnungen auch für Ergänzungsleistungsbeziehende bezahlbar sein.
Globale und geopolitische Ereignisse wie die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg hätten in den letzten drei Jahren gerade auch im Bausektor zu teils erheblichen Teuerungsraten geführt, heisst es zum Marschhalt.
So präsentiere sich der Kostenvoranschlag für die Überbauung momentan um mehr als 10 Prozent über den geforderten Zielkosten. «Nur wenn diese erreicht werden können, ist auch eine vernünftige Kostenmiete realisierbar.»


Der Genossenschaftsvorstand hat aufgrund dieser Ausgangslage im Januar 2024 einen Planungsstopp verfügt. «Wir wollen und können keine übermässigen Risiken in Kauf nehmen und mussten darum leider vorläufig die Notbremse ziehen», sagt Präsident Jürg Binkert laut Mitteilung.
Man habe mögliche Szenarien entworfen und zur Erhärtung der Handlungsoptionen unterdessen vertiefte Abklärungen in Auftrag gegeben. «Diese sollen als wesentliche Entscheidungsgrundlagen für das weitere Vorgehen dienen.»
Stadt hat «grosses Realisierungsinteresse»
Anders als in Effretikon, wo mit den Überbauungen «Oase Rosenweg» und «Wohnen am Stadtpark» zurzeit weitere 60 respektive 56 Alterswohnungen realisiert werden, ist das Angebot für Senioren in Illnau beschränkt.
«Das Projekt Gupfen ist für die Stadt von zentraler Bedeutung, und wir haben ein grosses Realisierungsinteresse», lässt sich Rosmarie Quadranti, Stadträtin Ressort Hochbau, denn auch zitieren.
Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern der Genossenschaft Sonnenbühl und des Stadtrats, soll nun in den nächsten Wochen verschiedene Möglichkeiten zur Fortführung des Projekts eruieren.
Die Stadt besitzt für das Grundstück Gupfen ein Rückkaufsrecht.