Deshalb erhält das Steinenbachtal vor allen anderen schnelles Internet
Netzausbau im Tösstal
Im Steinenbachtal ist das Internet sehr langsam. Selbst eine Online-Zahlung wird zur Geduldsprobe. Nun gibt es bald Abhilfe – noch vor anderen im Tösstal. Für die Swisscom hat das einen guten Grund.
Hansruedi Furrer ist es gewohnt, zu warten. Zumindest, wenn er vor dem Computer sitzt. Denn sowohl in seiner Schreinerei als auch bei ihm zu Hause ist das Internet sehr langsam. Wie ihm ergeht es auch den anderen Einwohnern im Steinenbachtal.
Die Internetgeschwindigkeit beträgt laut Furrer meistens 0,5 bis 0,9 Megabit pro Sekunde. Dabei schreibt der Bund seit diesem Jahr eigentlich eine Grundversorgung von 80 Megabit vor. «Ich weiss, dass bei vielen Online-Zahlungen nicht mehr möglich waren, da das Internet zu langsam war», erzählt er.
Doch bald ist für einige aus dem Steinenbachtal ein Ende der Misere in Sicht. Nachdem zahlreiche Einwohner und auch die Gemeinden mehrere Jahre lang nachgehakt haben, baut die Swisscom jetzt das Glasfasernetz aus – aber nur in den Weilern, die zu Turbenthal und Wila gehören.
An den Gemeindegrenzen zu Dussnang und Bauma enden die Arbeiten. Die Swisscom begründet dies damit, dass diese Ortschaften von anderen Richtungen her erschlossen sind.
Für Hansruedi Furrer Glück und Pech zugleich. In seinem Wohnhaus in Steinen, das zu Wila gehört, erhält er bald schnelleres Internet, nicht aber in seiner Schreinerei, die 600 Meter oder eine Autominute entfernt auf Baumer Gemeindegebiet liegt. «Immerhin kann ich jetzt dann einige Firmenarbeiten zu Hause erledigen», sagt er.
Für sein Unternehmen ist das wichtig: «Heute werden ja beispielsweise kaum mehr Kataloge verschickt», sagt er. Es werde einfach davon ausgegangen, dass alle über genug schnelles Internet verfügten – für Online-Zahlungen, -Bestellungen usw.
Der Baumer Gemeindepräsident Andreas Sudler (parteilos) weiss, dass dies nicht für alle Einwohnerinnen und Einwohner der Fall ist. «Wir freuen uns jedoch, dass der Glasfaserausbau in der Gemeinde voranschreitet», erklärt er.
Die Swisscom habe die Gemeinde über die weiteren Schritte informiert. Er könne nachvollziehen, dass nicht jeder weit abgelegene Weiler sofort erschlossen werden könne.
«Wenn die Grundversorgung von 80 Megabit nicht gewährleistet ist, weisen wir die Betroffenen darauf hin, sich bei der Swisscom zu melden», hält Sudler fest. Die Gemeinde könne aber keinen Einfluss darauf nehmen. Und wie der Fall von Hansruedi Furrers Schreinerei auf Baumer Boden zeigt, ist auch nicht immer eine Lösung in Sicht.
So langsames Internet wie bisher im Steinenbachtal ist im Tösstal die Ausnahme. Im Siedlungsgebiet ist die Grundversorgung in der Regel gewährleistet.
Swisscom verweist auf «Geschäftsgeheimnis»
Schnelleres Internet mit Glasfaseranschluss ist in der Region aber noch nicht verbreitet. In grossen Teilen von Turbenthal wurde das Netz zwar bereits gebaut, ist aber noch nicht in Betrieb.
Die Swisscom muss nachbessern, da die Wettbewerbskommission (Weko) die dort verwendete Netzarchitektur für nicht zulässig befunden hat. Die Weko pocht nämlich auf eine Zuleitung für jeden Haushalt, da sonst andere Anbieter benachteiligt sein könnten. Der Umbau soll laut der Swisscom Ende Jahr abgeschlossen sein.
In Zell sollen wie in Bauma die Arbeiten demnächst starten. Schlatt hat den Glasfaserausbau in der Zwischenzeit selber an die Hand genommen, da kein Anbieter bereit war, das ganze Gemeindegebiet zu erschliessen.
In Wila – und beispielsweise auch in Wildberg – steht der grosse Ausbau noch aus. Die Einwohner des Steinenbachtals erhalten nun also vor ihnen schnelleres Internet.
«Der Netzausbau von Swisscom konzentriert sich grundsätzlich auf Siedlungsgebiete der Gemeinden», hält Mediensprecherin Sabrina Hubacher fest. «Das Steinenbachtal wurde jedoch vorgezogen, da die bisherige Versorgung mit Kupfer dort leider sehr störungsanfällig war und Synergien mit anderen Unterhaltsarbeiten genutzt werden konnten.»
Wann auch in Wila die Infrastruktur für schnelleres Internet steht, ist noch offen. Während es in Bauma Lob für die Kommunikation der Swisscom gibt, sieht dies der zuständige Wilemer Gemeinderat Bernhard Waldvogel (parteilos) etwas anders. «Ich musste merken, wann und was die Swisscom baut, erfährt man erst, wenn die Strasse aufgerissen ist.»
Waldvogel weiss nicht, wann auch in Wila ein Ausbau geplant ist. Und auch die Swisscom gibt hierzu nicht mehr Auskunft. Auf die Frage, wie die weitere Erschliessung auch von kleineren Weilern aussehe, sagt Mediensprecherin Sabrina Hubacher: «Die Details unterliegen dem Geschäftsgeheimnis.»
