Dieser Walder kämpft für Windräder im Oberland
Drei Windräder auf dem Batzberg?
Geht es nach Daniel Diggelmann, sollen auf dem Batzberg zwischen Wald und Rüti dereinst drei Windräder stehen. Er ist überzeugt, dass Windenergie im Oberland sinnvoll ist – und will, dass sich die Bürger daran beteiligen.
Daniel Diggelmann steht allein auf weiter Flur. Nicht nur beim Fototermin auf dem Batzberg zwischen Wald und Rüti. Diggelmann vertritt eine Meinung, die im Oberland zumindest öffentlich nur von einer Minderheit gutgeheissen wird.
Er setzt sich für Windenergie ein – und tut dies auch an Podien und anderen Veranstaltungen. Zudem sitzt er im Vorstand von Pro Wind Zürich, einem Verein, der Windenergie im Kanton fördert. Er hat ein Ziel: In der angeheizten Debatte will er für mehr Sachlichkeit sorgen. «Die Zahlen sprechen für die Windenergie», ist der 58-jährige Walder überzeugt. «Wichtig ist, dass wir den Fokus auf die Region legen.»
Sein Fokus liegt dabei auf dem Batzberg. Es ist eines der sogenannten Windpotenzialgebiete. Momentan klärt der Kanton ab, ob sich diese als Standorte für Windkraftanlagen eignen. Dann können sie dereinst im Richtplan eingetragen werden.

Gemäss einer ersten Potenzialstudie des Kantons eignet sich der Batzberg als Standort für drei Windräder. Und diese könnten bis zu 25 Gigawattstunden Strom liefern. So viel verbraucht die Gemeinde Wald bisher im Schnitt in einem Winterhalbjahr, 20 weitere im Sommerhalbjahr. Tendenz steigend.
Künftig braucht Wald vermutlich doppelt so viel Strom. Denn wenn mehr Leute auf Wärmepumpen und Elektromobilität umsteigen, wird auch der Verbrauch steigen. «Und es ist ja unser erklärtes Ziel, von fossilen Energieträgern loszukommen», betont Diggelmann.
Diese Elektrifizierung sei aber nur möglich, wenn genügend Strom vorhanden sei – vor allem im Winterhalbjahr. Im Sommer sieht der Walder kein Problem. «Windenergieanlagen produzieren zwei Drittel ihres Stroms im Winter und während der Nacht, sie sind damit die ideale Ergänzung zur Solarenergie», argumentiert er.
«Lange Rede, kurzer Sinn», resümiert Diggelmann. «Aus regionaler und lokaler Sicht macht das Sinn, dann sind wir auch die Ersten, die den Strom haben.» Denn der durch die Windräder produzierte Strom würde direkt ins Netz von Wald und Rüti fliessen und von da in die Haushalte.

Im Bereich der Energieversorgung verfügt Diggelmann über viel Fachwissen. Er ist ausgebildeter Energieingenieur und arbeitet als Energieberater für die e3hus GmbH.
«Aber meine Unterstützung für die Windenergie wie auch für die Energiestadt Wald ist persönlicher Natur», betont er. Wald sei wie Rüti eine Energiestadt Gold. «Und in beiden Leitbildern hat die erneuerbare und lokale Stromproduktion oberste Priorität», erklärt er.
Ein neues Modell
Diggelmann schwebt bei den Windrädern ausserdem eine Bürgerbeteiligung für Windräder vor – mit dem Vorbild der Bürgerenergie Bodensee. Diese Genossenschaft aus Süddeutschland investiert in verschiedene Energieprojekte, so zum Beispiel in den Windpark Verenafohren unweit der Schweizer Grenze bei Schaffhausen. Die Genossenschafter sind Bürgerinnen und Bürger aus der Region, die dann auch vom Ertrag der Anlagen profitieren können.
Diggelmann ist überzeugt, dass diese Vorgehensweise in der Bevölkerung auf breitere Akzeptanz stossen würde als ein Projekt von einem grossen Energieanbieter.
Doch an Akzeptanz scheint es im Oberland bisher generell zu mangeln. Der Widerstand in der Region ist auch ohne konkretes Bauprojekt gross. Zahlreiche Gemeinden haben bereits einen Mindestabstand in ihrer Bau- und Zonenordnung festgeschrieben. Auch in Wald wird im Juni über eine entsprechende Initiative abgestimmt.
Zwar ist noch völlig offen, ob diese Regelungen überhaupt greifen. Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) hat mehrmals betont, dass diese Abstandsvorschriften in seinen Augen dem kantonalen Planungs- und Baugesetz widersprechen. Vieles deutet darauf hin, dass Gerichte diese Frage abschliessend klären müssen.
«Schnelle Meinungen»
Doch das schreckt die Gegner nicht ab. Die Initiativen wurden stets mit wuchtiger Mehrheit angenommen. Windradbefürworter haben einen schweren Stand. Diggelmann überrascht das nicht: «Die Abwehrreaktion ist gross, Skepsis und Angst dominieren.»
Die Windradgegner rund um den Verein Freie Landschaft Zürich haben schnell mobilisiert. Viel schneller als die Befürworter. Lange sind ihre Argumente unwidersprochen dagestanden. «Das Volk ist offen für schnelle Meinungen», meint Diggelmann, der sich selber als parteilos bezeichnet.
Doch er hält fest, dass er mehr und mehr Unterstützung spürt. «Es gibt immer noch viele Unentschlossene, die langsam umschwenken», sagt er. Aber offenbar gingen diese noch nicht in Scharen an die Gemeindeversammlungen.
Auf die Argumente der Windradgegner hat Diggelmann zahlreiche Antworten parat. Lärm? «Ja, Windräder machen Geräusche», sagt er. Aber wenn es stürme, dann sei es in der Natur sowieso laut. «Und dann hat man in der Nacht auch die Fenster zu.»
Für ihn ist es ohnehin müssig, bereits über die konkreten Folgen zu mutmassen. «Es ist ja noch kein einziges Windrad im Richtplan eingetragen.» Wenn es dann so weit sei, brauche es ein ausführliches Bauprojekt – samt Umweltverträglichkeitsprüfung.
Aus seiner Sicht bietet der Batzberg einen zusätzlichen Vorteil. Er ist bereits mit einer guten Forststrasse erschlossen. Sollte es zum Bau der Windräder kommen, brauche es keine grossen Anpassungen oder grosse Zufahrtsstrassen im Wald.


Diggelmann ist sich bewusst, dass Windräder einen Eingriff in die Natur bedeuten. Das mache der Mensch aber auch in anderen Bereichen wie der Landwirtschaft, betont er. Dabei zeichnet er das Bild einer grasenden Kuh, die zum Grasen die Natur nutzt. «Warum sie nicht auch für Energie nutzen?» Auf dem Batzberg wird das zum Teil bereits gemacht: Es stehen dort nämlich Hochspannungsleitungen.
Auch wenn der 58-Jährige im Oberland mit dieser Meinung keine offenen Türen einrennt, scheinen Windkraftanlagen im ganzen Kanton breite Unterstützung zu geniessen. Das suggerieren verschiedene Umfragen, beispielsweise eine Befragung von Tamedia von Anfang 2023. Darin sprachen sich 70 Prozent für Windräder im Kanton aus.
Daniel Diggelmann fühlt sich dadurch bestärkt. Und er ist überzeugt, dass auch das Oberland profitieren würde: «Windräder in der Region bringen mehr Unabhängigkeit und regionale Wertschöpfung.»
