Nach Eklat um schwulen Lehrer: Schulpflege gesteht Fehler ein
Missachtung von Vorschriften
Die Schulpflege Pfäffikon nimmt erstmals ausführlicher Stellung zu den Vorfällen im Schulhaus Obermatt. Sie gibt Fehler zu, die aber noch keine personellen Konsequenzen haben.
Es ist ein Vorfall, der hohe Wellen schlägt: Vergangene Woche machten wir publik, dass ein schwuler Lehrer an der Primarschule Pfäffikon ins Visier von wertkonservativen Eltern geraten war. Auch wenn sich die Vorwürfe gegen ihn und seinen Sexualkundeunterricht als haltlos erwiesen, wurde das Arbeitsverhältnis aufgelöst. Er verlor die Unterstützung seiner Vorgesetzten.
Obwohl die Schulführung unter Beschuss steht, hat sie bisher nur zurückhaltend kommuniziert – auch mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz. Doch nachdem auch die Pfäffiker Ortsparteien von links bis rechts Transparenz gefordert haben, nimmt die Schulpflege erstmals detailliert Stellung – und gesteht dabei Fehler ein.
«Bei der Auflösung des Arbeitsverhältnisses zwischen einer Lehrperson und der Schule Pfäffikon ist es zu Unregelmässigkeiten im Prozess zwischen Schulleitung, Leiter Bildung und Schulpflege sowie zur Missachtung von Verfahrensvorschriften und Vorgaben gekommen», schreibt Vizepräsident Roger Klos (SVP) in einer Stellungnahme. Er vertritt Schulpräsident Hanspeter Hugentobler (EVP), der derzeit im Ausland weilt.
Die Schulpflege bedauert dies und will mit externer Unterstützung den Prozess überprüfen. Personelle Konsequenzen sind aber momentan nicht vorgesehen. «Dies entspräche nicht der Fehlerkultur der Schule Pfäffikon», argumentiert Klos.
«Trotz grossen Bemühungen»
Gleichzeitig betont er, dass die Druckversuche auf den Sexualkundeunterricht nichts mit der Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu tun gehabt hätten. Die Gründe dafür seien vielschichtig und reichten weit zurück – der Druck auf den Sexualkundeunterricht sei dabei nur eine Herausforderung von vielen gewesen. Weiter ins Detail geht der Vizepräsident aber nicht.
«Der Schule ist es dabei in den vergangenen Monaten, trotz grossen und vielfachen Bemühungen, nicht gelungen, diesen Herausforderungen adäquat zu begegnen», schreibt Klos weiter.
Die Schulpflege Pfäffikon lehne jegliche Form von Druckversuchen auf das Schulprogramm ab und stehe mit Überzeugung hinter den Inhalten des Lehrplans 21 – und damit auch der Sexualkunde. Zudem verurteile sie jede Form von Homophobie.
Information nach den Frühlingsferien
Die Schulpflege will jetzt Lehren aus dem Vorfall ziehen. Dazu gehört die saubere Überprüfung der Personalprozesse mit externer Unterstützung. Ebenso will sie einen Verhaltenskodex erarbeiten zu gesellschaftlich umstrittenen Inhalten des Lehrplans 21. «Diese Massnahmen werden noch während der Frühlingsferien in Angriff genommen», verspricht Klos.
Die Schulpflege hat bereits die Parteipräsidenten und den Gemeinderat darüber informiert. Am ersten Tag nach den Frühlingsferien sollen Lehrpersonen und Mitarbeitende über die Analyse und die getroffenen Massnahmen in Kenntnis gesetzt werden. Dann startet gemäss Klos auch die schulinterne Aufarbeitung des Vorfalls.