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Sie zeigte den Männern, dass sie dem Schwingen nicht schadet

Barbara Truninger engagiert sich seit 20 Jahren im männerdominierten Schwingsport – und fühlt sich trotzdem wohl.

Barbara Truninger mit dem Winterthurer Schwinger Samir Leuppi, den sie bereits als Jungschwinger kannte.

Foto: PD

Sie zeigte den Männern, dass sie dem Schwingen nicht schadet

Kollbrunner Wegbereiterin

Barbara Truninger ist die erste Frau im Vorstand des Nordostschweizer Schwingerverbands. Trotzdem hat sie nicht das Gefühl, sich beweisen zu müssen.

Barbara Truninger ist es gewohnt, die einzige und erste Frau in einer Männerrunde zu sein. Sie war es 19 Jahre lang im Vorstand des Schwingklubs Winterthur, ist es seit neun Jahren im Zürcher Kantonal-Schwingerverband und seit letztem Winter auch im Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV).

Ihre erste Wahl ist in der Zwischenzeit 20 Jahre her. «Ich habe mich damals sehr gefreut, als mich der damalige Klubpräsident Bernhard Waldvogel aus Wila angefragt hatte», erinnert sie sich.

Denn im Schwingklub Winterthur hat Truninger schon lange vorher ausgeholfen. «Bei Festen war ich fast immer im Einsatz», sagt sie. Sei es im Rechnungsbüro oder am Getränkestand. Das Organisationstalent der heute 44-Jährigen wurde stets geschätzt.

Doch die Wahl in den Vorstand, das war ein anderes Kaliber. Denn Schwingen ist damals wie heute eine Männerdomäne. «Es hatten damals nicht alle so Freude», sagt Truninger rückblickend. Vor allem bei der älteren Generation. «Ich musste einigen Männern zuerst zeigen, dass ich dem Schwingsport nichts Böses will, sondern im Gegenteil mithelfen und den Sport weiterbringen kann.»

Truningers Geschick und Organisationstalent wurden im Vorstand des Schwingklubs gebraucht – und schnell verflogen alle Zweifel. Sie übernahm diverse Aufgaben, von der Administration bis zur Organisation von Schwingfesten. Seit der Wahl war sie bei jedem Fest im Organisationskomitee dabei.

Nicht selber im Sägemehl

Im Gespräch mit Barbara Truninger wird sofort klar: Die Kollbrunnerin brennt für den Schwingsport. «Bereits als Meitli war ich jeweils mit meinem Vater an vielen Schwingfesten und habe meinem Onkel Urs zugeschaut», erzählt sie. Als später ihr Bruder Martin mit dem Sport anfing, konnte er bei fast jedem Gang auf die Unterstützung seiner Schwester zählen. «Oft war ich während des Gangs nervöser als Martin.»

In die Zwilchhosen ist sie aber noch nie selbst gestiegen. «Es hat mich nie gereizt und ist wohl auch nicht der richtige Sport für mich, um selber mitzumachen», sagt Truninger. Gleichzeitig hält sie fest: «Ich verurteile das Frauenschwingen aber überhaupt nicht.»

Es ist auch nicht überraschend, dass Truninger nur neben dem Sägemehlring mit dem Sport in Berührung kam. Denn in kaum einer Sportart sind Männer und Frauen so getrennt wie im Schwingen: Während der Schlussgang am Eidgenössischen Schwingfest 2022 in Pratteln von fast 900’000 Menschen im Fernsehen geschaut wurde, fristet der Frauensport ein Schattendasein – getragen von einem eigenen Verband. «Vielleicht wird sich das ja auch einmal ändern», meint die Kollbrunnerin.

Zwei grosse Schritte

Truningers Engagement beschränkt sich denn auch auf die Männerseite des Sports. Doch die unterschwelligen Vorurteile gegenüber Frauen, die sie vor 20 Jahren beim Schwingklub Winterthur noch leicht gespürt habe, seien nicht mehr da.

Sie war in dieser Hinsicht auch eine Wegbereiterin: Heute sitzen zwei Frauen im Vorstand des Schwingklubs Winterthur.

Man sieht einen Mann und eine Frau.
Barbara Truninger während der Eröffnungszeremonie des kantonalen Schwingfests in Ossingen 2022.

Und als Truninger letztes Jahr aus dem Vorstand des Winterthurer Vereins austrat, wählten sie die Vereinsmitglieder sogar zum Ehrenmitglied.

Trotzdem war es nicht selbstverständlich, dass Barbara Truninger vor neun Jahren als Vertreterin des Schwingklubs Winterthur in den Vorstand des Zürcher Kantonal-Schwingerverbands gewählt wurde, als das Amt des Protokollführers frei geworden war. «Das war schon ein grosser Schritt», weiss die Kollbrunnerin, die sich nicht nur um das Protokoll, sondern auch um das ganze Sponsoring sowie die Bekleidung des Verbands kümmert.

Ein noch grösserer Schritt war die Wahl in den Vorstand des Nordostschweizer Schwingerverbands im letzten Winter. Auch dort ist sie die erste Frau. «Aber das Geschlecht spielt heute überhaupt keine Rolle mehr», sagt sie mit Überzeugung. «Man muss die Personen in den Vorständen haben, die wollen und bereit sind, ihre Freizeit zu investieren.»

Fürs Ehrenamt geboren

Als neues Mitglied im Vorstand freut sie sich auf ihr Amt. Sie müsse sich gegenüber ihren Vorstandskollegen im NOSV nicht beweisen. Denn ihre Arbeit als «Sekretär» – so ist ihr Amt auf der Website angegeben – werde geschätzt. Dazu gehören nicht etwa nur einfache Schreibarbeiten. «Es gibt ein ganzes Pflichtenheft», sagt Truninger.

Sie organisiert beispielsweise die Einladungen für die Delegiertenversammlungen, verwaltet die Funktionärsliste oder amtet im Wahlbüro an der Abgeordnetenversammlung des Eidgenössischen Schwingerverbands.

Ihr berufliches Know-how kommt ihr dabei für beide Vorstandsämter sehr gelegen. Truninger ist Eventmanagerin und arbeitet im Marketing für ein IT-Unternehmen – Vollzeit. Ihre Agenda ist dementsprechend voll, deshalb wird sie Ende Jahr auch aus dem Vorstand des Zürcher Kantonal-Schwingerverbands zurücktreten.

Wie viel Zeit Barbara Truninger für das Schwingen aufwendet, kann sie gar nicht beziffern. «Man muss für dieses Ehrenamt geboren sein», sagt sie diplomatisch. «Das Feuer muss brennen, und bei mir tut es das.»

Ihr grosses ehrenamtliches Engagement in einem so männerdominierten Sport blieb in letzter Zeit nicht unbeachtet. Die Kollbrunnerin ist dieses Jahr für den Sportförderpreis Zündwürfel des Zürcher Kantonalverbands für Sport (ZKS) nominiert.

Im Ehrenamt können Leistungen laut den Veranstaltern nicht gemessen oder miteinander verglichen werden. Deswegen wird die Gewinnerin oder der Gewinner in dieser Kategorie jeweils auf spielerische Weise bestimmt, wobei ein überdimensionaler Würfel eine zentrale Rolle spielt. Die Preisverleihung findet am 19. April statt.

Lieber im Hintergrund

Auch wenn die Nomination Truninger freut, hält sie fest: «Ich bin nicht diejenige, die gerne im Rampenlicht steht.»

Bei ihrer Leidenschaft kann sie auch auf die Unterstützung ihres Partners zählen. Auch er ist schwingbegeistert. «Die Zeit, welche wir gemeinsam haben, geniessen wir umso mehr und besuchen auch viele Schwingfeste.»

Oftmals ist Barbara Truninger aber auch im Amt. «Das heisst aber nicht, dass ich nicht zum Zuschauen komme», sagt sie. «Dafür nehme ich mir immer, wenn es geht, gerne Zeit, wenn die Schwinger ‹a de Arbet› sind.»

Man sieht zwei Männer und in der Mitte eine Frau.
Die Schwinger des Schwingklubs Winterthur sind Truninger ans Herz gewachsen. Hier mit Samir Leuppi (links) und Beda Arztmann.

Auf die Frage, wem sie denn die Daumen drücke, muss Truninger zuerst etwas überlegen. Den Winterthurer Schwingern ganz besonders. Da gibt es natürlich Samir Leuppi. «Ich kenne ihn, seit er ein Jungschwinger ist, und er ist mir sehr ans Herz gewachsen», sagt sie über den Eidgenossen.

Auch Samuel Giger, Armon Orlik oder die Brüder Domenic und Mario Schneider zählen zu ihren Favoriten. «Natürlich ‹fane› ich vor allem für die Nordostschweizer, wir haben eine starke Spitze mit vielen guten Schwingern.»

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