Die höchste Zürcher Landfrau kommt aus Turbenthal
Neue Präsidentin
Die Turbenthalerin Susanne Fuster ist die neue Präsidentin der Zürcher Landfrauen Vereinigung. Sie ist sich sicher, dass der Verein auch künftig Erfolg haben wird.
Mit der Suche nach neuen Vorstandsmitgliedern bekunden viele Vereine Mühe. Nicht so die Zürcher Landfrauen: «Man musste mich überhaupt nicht überreden», sagt Susanne Fuster. Am Dienstagabend haben die Delegierten der Zürcher Landfrauen Vereinigung die Bäuerin aus Gyrenbad zu ihrer neuen Präsidentin gewählt. «Mir ist es wichtig, mich in diesem wichtigen Frauennetzwerk zu engagieren», sagt sie.
Die Zürcher Landfrauen zählen rund 5500 Mitglieder, etwa ein Drittel davon sind wie Fuster aktive Bäuerinnen, den anderen ist der Bezug zur Landwirtschaft wichtig. Zu den Zielen der Vereinigung gehören beispielsweise die Pflege von ländlichem Kulturgut, der Austausch von Wissen und die Förderung der Bildung.
«Wir decken ein weites Spektrum ab», sagt Fuster. Und das erfüllt die neu «höchste» Zürcher Landfrau mit Stolz. «Ich will nicht, dass wir alle in eine Schublade gesteckt werden. Es gibt nicht die Bäuerin, und es gibt nicht die Landfrau.»
Ein soziales Netzwerk
Die Vereinigung der Zürcher Landfrauen ist in einzelne Bezirkssektionen unterteilt, diese wiederum in Ortssektionen. Allein in Turbenthal hat die örtliche Vereinigung 60 Mitglieder. «Der Faden zieht sich bis in jedes Dorf», sagt die neue Präsidentin. «Wir sehen uns auch als Bindeglied zwischen Stadt und Land.»
Die Sektionen organisieren zahlreiche Veranstaltungen, vom Backkurs über die Erste-Hilfe-Weiterbildung bis zur Setzlingsbörse. Ein Angebot der Landfrauen liegt Fuster besonders am Herzen, und zwar die sogenannte Ländliche Familienhilfe. «Wir bieten auch das soziale Netzwerk», erklärt sie.
Mit zeitlich befristeten Einsätzen hilft die Familienhilfe den Mitgliedern in unterschiedlichen Lebenslagen, sei es während einer Weiterbildung, nach einem Unfall oder bei Krankheit oder anderen Ausnahmesituationen.
Es sind Angebote wie diese, die Susanne Fuster gerne hervorhebt. Sie engagiert sich seit 13 Jahren im kantonalen Vorstand, davon mehrere Jahre im sogenannten Geschäftsausschuss, der die Geschicke der Landfrauen leitet.
Mit viel Stolz
Dabei hätte die Bäuerin mit der Arbeit auf dem Hof genug zu tun. Die 42-Jährige ist Mutter von drei Kindern im Alter zwischen zwei und zehn Jahren und betreibt zusammen mit ihrem Mann einen Hof mit 40 Hektaren Landwirtschaftsland und eigener Hofräucherei.
«Wir führen eigentlich zwei Firmen», sagt sie. Zu ihrem Aufgabenbereich gehört auch der Hofladen, wo Fusters unter anderem die Fleischprodukte aus der eigenen Räucherei verkaufen, aber auch Selbstgemachtes wie Konfitüre.

Auf die Frage, wie sie da noch Zeit habe für das Engagement als Präsidentin der Zürcher Landfrauen Vereinigung, antwortet sie, ohne zu zögern: «Ich nehme mir die Zeit, weil es mir wichtig ist.» Fuster ist selber schon auf einem Bauernhof aufgewachsen. «Ich wusste also, worauf ich mich einlasse», sagt sie mit einem Lachen. Ihr Beruf erfüllt sie mit Stolz. Sie ist mit vollem Herzen Bäuerin.
Ein Gleichgewicht finden
Und wie schon ihre Mutter und ihre Grossmutter ist sie Mitglied der Zürcher Landfrauen. Als deren neue Präsidentin will Fuster den Fokus auf die Mitgliederpflege legen. «Wir können überhaupt nicht klagen, wir sind eine grosse Vereinigung», sagt sie. Schweizweit sei der Zürcher Verein der drittgrösste, was man von einem urbanen Kanton wie Zürich nicht erwarten würde.
Obwohl jedes Jahr zahlreiche junge Landfrauen beitreten, überwiegen derzeit die Abgänge. Laut Fuster braucht es ein Gleichgewicht – dafür müssten neue Mitglieder vom Angebot überzeugt werden. «Wir haben Frauen viel zu bieten. Wir stehen beispielsweise für Saisonalität und Regionalität ein», sagt sie. Das decke sich mit dem aktuellen Trend nach mehr Nachhaltigkeit.
Deshalb wollen auch viele die Bäuerinnenschule absolvieren, wo Haushaltsführung, Ernährung, Produktverarbeitung, Betriebslehre und Buchhaltung gelehrt werden. Fuster weiss aus ihrem Alltag, wie wichtig diese Kompetenzen sind. Sie ist der festen Überzeugung: «Hauswirtschaft wird es immer brauchen.»
