Seegräben sagt Massentourismus den Kampf an
Juckerhof soll exklusiver werden
Um die Besucherströme in Seegräben im Zaum zu halten, entwickelte der Gemeinderat mit dem Juckerhof eine neue Strategie. Neben einer Verkürzung der Ausstellung wird auch der Eintritt limitiert.
Die Beliebtheit des Juckerhofs brachte Probleme mit sich und die Seegräbnerinnen und Seegräbner zur Verzweiflung. Die kleine Gemeinde wurde in den letzten Jahren regelrecht von Besucherinnen und Besuchern überrannt. Dadurch war die Verkehrssituation kaum mehr haltbar. Trotz verschiedenen Massnahmen, die vom Gemeinderat getroffen wurden, konnte das Problem nicht gelöst werden.
Nun hat der Gemeinderat zusammen mit dem Juckerhof eine strikte Strategie erarbeitet, um den übermässigen Verkehr in Seegräben einzudämmen: Die Kürbissaison im Herbst wird verkürzt, Eintrittspreise werden eingeführt, und Parkplätze fallen weg. Dafür wird der öffentliche Verkehr privat aufgestockt. Aber eines nach dem anderen.
Die kürzeste Ausstellung Europas
Die Ausstellungszeit wird im Herbst erstmals massiv gekürzt, ja sogar halbiert: Statt acht Wochen soll die Ausstellung nur noch vier Wochen dauern. «Wir haben an keinem anderen Standort in Europa eine solch kurze Ausstellungszeit», sagt Martin Jucker, Co-Gründer und Inhaber der Juckerfarm.
Eigentlich ist das aufwendige Modell nicht für eine kurze Zeitspanne gedacht. Auf internationalem Terrain dauern die Ausstellungen mindestens drei Monate.
Zudem werden Eintrittspreise eingeführt. Wie hoch die Gebühr effektiv sein wird, ist noch nicht bekannt. Doch es sollen schon bald Billette im Vorverkauf zur Verfügung stehen, die auf der Website der Juckerfarm erhältlich sind. Voraussichtlich in Höhe von 8 Franken.
Eigentlich hatte der Juckerhof lange eine Eintrittsgebühr vermeiden wollen – die Ausstellung sollte für alle zugänglich sein. Doch mit der Zugänglichkeit kam das Verkehrsproblem, weswegen das Konzept nun umgedacht werden musste. Damit soll dem Verkehrschaos entgegengewirkt werden.
Und: Die Tickets werden limitiert. Auf wie viele Besuchende genau, weiss Jucker noch nicht, denn bisher konnte bloss spekuliert werden, wann der Hof seine Kapazität erreicht hat. Ohne Billett gibt es eben keine Angaben zu Besucherzahlen. Doch dafür ist der Juckerhof flexibel, und das Kontingent der Tickets kann noch während der Ausstellungszeit angepasst werden.
ÖV only
Der Eintritt, der sich mit den genannten Methoden irgendwie exklusiver gestaltet, ist das eine. Doch der Juckerhof schlägt eine weitere Richtung ein, um Seegräben vor der Überlastung zu bewahren. Der Überlaufparkplatz im Aatal wird ganz abgeschafft. Lediglich die Parkplätze der Gemeinde werden noch zur Verfügung gestellt. Das ist eine grosse Reduktion.
So soll die Anfahrt des Publikums beeinflusst werden. Es kann entweder zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem ÖV anreisen. «Fast schon ÖV only», ergänzt Jucker.
Vor drei Jahren wurde eine Buslinie von Uster aus eingeführt, die mittlerweile in den regulären Plan des ZVV aufgenommen wurde. Das Angebot des Busses, der im Halbstundentakt fährt, beschränkt sich jedoch auf das Wochenende. Das Pilgern zu den Kürbisexponaten hat während der Herbstferien, aber auch unter der Woche eine hohe Frequenz.
Doch dafür hat Jucker eine Lösung: eine private Buslinie, die jede halbe Stunde von Uster aus fährt. Privat heisst, dass die Juckerfarm AG die Kosten des Busses selbst tragen muss. «Wir sind noch im Gespräch mit dem ZVV, wie das Ganze umgesetzt werden kann», sagt Jucker. Ein Preis sei noch nicht ausgemacht, er schätze es aber auf Zehntausende Franken.
Mit dem Bus sollen die Gäste gleich bis ans Gemeindehaus in Seegräben fahren können, wo sie dann auf dem provisorischen Weg über ein Feld zum Juckerhof spazieren können. Somit flanieren auch nicht ständig Besuchende durch das Dorf – ein weiteres Anliegen der Seegräbnerinnen und Seegräbner.
Eine Testphase, die vieles klären wird
Es steht eine Kürbisausstellung bevor, die es so noch nie gab. Dieses Jahr dient als Pilotphase, um zu sehen, ob die Besucherzahlen auf ein «vernünftiges» Mass reduziert werden können, wie Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) sagt. Ende Jahr werde man wieder zusammensitzen und die Situation evaluieren.
Jucker ist in Bezug auf das Vorhaben positiv gestimmt. Ihm sei die Verantwortung, die er gegenüber den vielen Betroffenen habe, ein grosses Anliegen. Entlassen wird wegen der verkürzten Form der Ausstellung darum niemand. Das wolle er auch nicht. «Ich führe ein Unternehmen, aber ich vernachlässige meine soziale Verantwortung nicht», betont er.
Mehr Druck durch eine Petition
Erst kürzlich haben über 150 Anwohnerinnen und Anwohner die Petition «Genug ist genug» unterschrieben, um den Verkehr langfristig einzudämmen und mehr Druck auf die Gemeinde auszuüben. In der eingereichten Petition wurden unter anderem die Verkehrslenkung mit ungehindertem Zugang und eine Einschränkung der Kürbisausstellung verlangt. Die Forderungen wurden teilweise erfüllt.
> > Lesen Sie hier, warum die Unterzeichner der Petition skeptisch sind.