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Gesellschaft

Nur der geheimnisvolle Retter traut sich nicht ins kalte Wasser

Totgeglaubte leben länger – das gilt auch fürs Blaueierschwimmen. Der Traditionsanlass wurde zum 21. Mal durchgeführt.

Die kalten Temperaturen schrecken die Teilnehmer am Blaueierschwimmen nicht ab.

Foto: Mirjam Müller

Nur der geheimnisvolle Retter traut sich nicht ins kalte Wasser

Blaueierschwimmen in Uster

Nach langem Bangen konnte am Ostermontag in der Badi Niederuster doch wieder nach blauen Eiern geschwommen werden. Ein Politiker aus Uster setzte sich für diese Tradition ein.

Der Jubel ist gross, als Harald Müller, Organisator und Initiant des Blaueierschwimmens, den Anlass mit einem Sprung in den neun Grad kalten Greifensee eröffnet. Denn beinahe wäre der beliebte Event buchstäblich ins Wasser gefallen.

Die letztjährige, zwanzigste Austragung war ursprünglich als die Letzte geplant. Müller wollte sich aus der Organisation zurückziehen, weil die Mühen mit den Jahren immer grösser geworden seien. Doch durch die vielen Feedbacks und Spenden kündigte er damals schon an, dass er seine Entscheidung möglicherweise nochmals überdenken würde.

«Als dann im letzten Sommer auch noch ein Ustermer Kantonsrat auf mich zukam und mich fragte, ob ich weitermachen würde, wenn die Finanzen geregelt seien, liess ich mich schliesslich überreden», erzählt Harald Müller. Besagter Politiker wolle der Bevölkerung etwas zurückgeben und unterstützt das Blaueierschwimmen in diesem Jahr aus seiner Kantonsratsvergütung.

«Es handelt sich bei unserem grosszügigen Gönner um niemand geringeren als Gemeinde- und Kantonsrat Simon Vlk», lässt Müller die Bombe bei seiner Eröffnungsansprache platzen. Denn im Vorfeld wollte der FDP-Politiker nicht genannt werden, «und auch am Anlass selbst nur ein einziges Mal», so der Organisator. Der bescheidene «Retter» wird vor Ort nicht gesichtet, «er wollte sich nicht festlegen, ob er kommen kann», sagt Müller.

Am 1.April 2024 in der Badi Uster fand das Blaueierschwimmen statt.
Der Organisator Harald Müller auf dem Sprungturm.

Auch die Stadt Uster hat sich am Sponsoring beteiligt und übernimmt die Kosten für den Seerettungsdienst. Zudem hat sie für eine Kooperation mit der «Sauna am See» gesorgt.

Was ursprünglich als unüberwindbares Hindernis schien, wurde elegant gelöst: Die Sauna-Fässer stehen während dem Blaueierschwimmen zwar noch an Ort und Stelle. Doch eingeheizt wurden sie am Ostersonntag zum letzten Mal. Ein breiter Fussweg quer über die Wiese gewährleistet, dass die Event-Besucher trotz der Fässer direkten Zugang zum Kiosk haben.

«Wir sind gut aneinander vorbeigekommen», resümiert Müller, «alles hat bestens geklappt, auch mit der Baustelle.» Damit spricht er die grosse Baustelle aufgrund von Kanalisationsarbeiten rund um die Badi Niederuster an. Ein Teil des Parkplatzes und der Seestrasse sind aktuell nicht zugänglich, ebenso einer der Eingänge. Doch wer nicht durch den Kiosk-Eingang kommt, benutzt einfach den schmalen Fussweg direkt am See.

Nicht mehr in der Badi am See anzutreffen sind dieses Jahr die Greifensee Dragons. Der Drachenbootclub war jeweils mit einem Info-Stand vor Ort. «Die Verantwortlichen warben damit für neue Mitglieder», so Müller. Der Verein spielte im letzten Jahr auch mit dem Gedanken, den Schwimmanlass in veränderter Form weiterzuführen. Doch durch die neue Konstellation hätte sich keine weitere Zusammenarbeit mehr ergeben.

Frieren in der Warteschlange

Die Teilnehmer bereiten sich indes auf ihren «Einsatz» vor. Die meisten von ihnen stellen sich schon in der Badehose in die lange Warteschlange und warten bibbernd in Reih und Glied, bis ihnen der Zugang zum See gewährt wird.

«Maximal zehn Personen dürfen gleichzeitig ins Wasser», erklärt der OK-Chef. So werde ein Stau auf dem Sprungturm verhindert, auf dem sich die blauen Eier befinden. Wer zurück an Land ist, lässt sich sein hart gekochtes Ei schmecken – nach dem obligaten Selfie natürlich.

Am 1.April 2024 in der Badi Uster fand das Blaueierschwimmen statt.
Das (kostenlose) blau gefärbte Ei kann im Anschluss an das Schwimmen verspeist werden.

Die Teilnehmer sind durchs Band froh, dass der Traditionsanlass wieder stattfindet. «Das ist immer ein toller Start in die Badesaison», erklärt Andrea Steffens aus Egg. Die Wetzikerin Stefanie Henkensmeier beschreibt den Event als lieb gewonnenes Ritual, «während des coronabedingten Ausfalls haben wir uns blaue Eier gekauft und sind in den kalten Pfäffikersee gesprungen», erzählt sie lachend. Ihr Begleiter Heiko Dobrinski erklärt, dass es sich gut anfühlen würde im kalten Wasser – nach der ersten schmerzhaften Minute.

Man sieht Frauen und Männer vor dem Greifensee.
Warm eingepackt warten sie auf ihren Einsatz (von links): Andrea Steffens, Stefanie Henkensmeier und Heiko Dobrinski.

Josephina Umbehr aus Wetzikon ist zum ersten Mal am Blaueierschwimmen. Sie liess sich von Freunden zur Teilnahme überreden. «Bei dem kalten und nassen Wetter bereute ich diese Entscheidung heute Morgen fast», erzählt sie schmunzelnd. Als sie kurz darauf bibbernd, aber strahlend aus dem Wasser kommt und zu ihrem Badetuch rennt, bereut sie allerdings nichts mehr. «Ich bin froh, dass diese Tradition gerettet werden konnte.»

Man sieht Frauen und Männer vor dem Greifensee.
Josephina Ombehr (Zweite von links) wurde von ihren Freunden zum Mitmachen überredet.

An den Rekord von über 800 Teilnehmern kommt man an diesem kalten Ostermontag nicht heran. 318 Schwimmer holen sich bei neun Grad Luft- und Wassertemperatur ihr blaues Ei vom Sprungturm. Harald Müller möchte sich noch nicht festlegen, wie es im nächsten Jahr aussieht, «wir haben aber schon wieder sehr viele Spenden für 2025 erhalten». Diese Tatsache zeige ihm, wie wichtig den Leuten dieser Anlass sei.

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