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Eine Pflegerin und ein Lehrer: Dieses junge Paar übernimmt die Farneralp

Eine eigene Alp zu besitzen, war schon immer ihr Lebenstraum. Nun hat dieses Ehepaar aus dem Kanton Schwyz die Farneralp gekauft.

Monika und Manuel Schuler hängen ihre Berufe ab dem Sommer an den Nagel und kümmern sich um den Betrieb der Farneralp, die nun ihnen gehört.

Foto: PD

Eine Pflegerin und ein Lehrer: Dieses junge Paar übernimmt die Farneralp

«Ein lang gehegter Traum»

Ein Ehepaar aus dem Kanton Schwyz hat die Farneralp bei Wald gekauft. Für die Quereinsteiger ist das Leben auf der Alp die Erfüllung eines Lebenstraums.

Ende dieses Monats beendet die Familie Kamer-Züger nach sechs Jahren ihr Leben auf der Farneralp offiziell. Sie wollte den Pachtvertrag mit der Alp Farner AG, deren Hauptaktionär der Zürcher Bauernverband ist, nicht mehr verlängern.

Für das junge Ehepaar Monika und Manuel Schuler aus dem Kanton Schwyz mehr als ein Glücksfall. Denn eine nachfolgende Pächterfamilie konnte trotz langer Suche nicht gefunden werden. «Ich sah per Zufall in der Schweizer ‹Bauernzeitung› ein Inserat, das die Farneralp zum Verkauf anbot. Da musste ich nicht mehr lange überlegen und griff zum Telefon», sagt Manuel Schuler.

Farneralp Besitzer
Grosser Moment an der Generalversammlung mit den Aktionären: Das Ehepaar konnte es kaum glauben, dass es den Zuschlag für die Farneralp erhielt.

Der 39-Jährige besuchte zunächst die bisherigen Pächter und konnte sich schon kurze Zeit darauf vor Ort selbst ein Bild von der Alp machen. «Meine Frau und ich waren vom Standort sofort begeistert.» Mit ihren Vorgängern verstehen sie sich gut und waren Teil der offiziellen «Uustrinkete» Ende Februar.

Für sie war schnell klar: Nun ist es an der Zeit, die Sparkonten zu räumen. In Bälde wird das Paar seine Unterschriften unter den Kaufvertrag mit der Alp Farner AG setzen. Es gibt also kein Zurück mehr. Die Schulers treten somit in einen neuen Lebensabschnitt, der so direkt nicht geplant war.

Ein schwerer Abschied

Manuel Schuler ist nämlich seit 14 Jahren Oberstufenlehrer in Einsiedeln. Er ist seiner Arbeit mit jungen Menschen keineswegs überdrüssig geworden, wie er betont: «Eine Alp zu führen, war für mich schon immer ein Traum, aber meine Arbeit als Lehrer zu beenden, fällt mir schwer.» Deshalb kann er die Übernahme der Alp nicht überstürzen und will als Klassenlehrer seine Klasse noch bis zu den Sommerferien betreuen.

«Es wird eine hektische Zeit, parallel alles vorzubereiten und zur selben Zeit noch als Lehrer zu arbeiten», weiss Schuler. «Aber gemeinsam werden wir das schon irgendwie über die Bühne bringen.» Denn seiner 29-jährigen Frau sind hektische Zeiten berufsbedingt nicht fremd. Monika Schuler ist noch als diplomierte Pflegefachfrau tätig.

Ein Mann und ein Rind auf einem Hügel.
Manuel Schuler aus dem Kanton Schwyz hat die Farneralp mit seiner Ehefrau gekauft. Hier ist er mit einem seiner Rinder zu sehen, die er auf die Alp mitbringt.

Derzeit sind beide damit beschäftigt, ihre Mietwohnung fristgerecht aufzulösen und den Umzug vorzubereiten. Keine einfache Aufgabe, denn sie haben nicht nur ihre Möbel zu zügeln. «Auch meine 60 Geissen und die beiden Evolèner Rinder kommen mit», erklärt Manuel Schuler.

Keine Amateure

Ein Lehrer und 60 Geissen? Definitiv kein alltägliches Bild. Denn Manuel Schuler ist keineswegs ein Laie, was landwirtschaftliche Arbeit betrifft. Er hat 2018 neben seiner Tätigkeit als Oberstufenlehrer eine Landwirtschaftsschule abgeschlossen.

«Ich hatte leider nie die Möglichkeit, einen Bauernhof zu übernehmen, weshalb ich mich nun umso mehr auf den Schritt mit meiner Frau und meinen Tieren freue.» Für die Schulers ist die Übernahme der Alp also doch kein kompletter Sprung ins kalte Wasser.

Die 60 Geissen erwarb er, weil der Bauer, der ihn während seiner Ausbildung begleitet hatte, eine Weide kaufen konnte, die voller Unkraut war. Dieser schenkte ihm auch eines seiner beiden Rinder zur Hochzeit. Das andere war ein Hochzeitsgeschenk vom Jodler Klub Ybrig, mit dem Schuler regelmässig singt. «Geissen sind die besten Unkrautvertilger in der Tierwelt. Unsere 60 Freunde nehmen uns also bereits einen gewissen Teil der bevorstehenden Arbeit ab», scherzt der anscheinend vielseitig begabte Mann.

Kontinuität pflegen

Den Grund dafür, weshalb das junge Paar aus dem Kanton Schwyz die Alp überhaupt kaufen kann, obschon es nicht zu den Höchstbietenden gehörte, erklärte Ferdi Hodel, Präsident des Zürcher Bauernverbands, bereits Ende Februar: «Das Paar wird den Geist der Farneralp so weiterleben lassen, wie es sich der Verwaltungsrat und die Aktionäre innig wünschen.»

Der künftige Besitzer bestätigt das: «Wir möchten sicherlich unsere eigenen Vorstellungen einbringen, aber nicht alles auf den Kopf stellen.» So ist für die Schulers klar, dass die Bauern in der Umgebung weiterhin ihre Kühe im Sommer auf den Alpwiesen sömmern dürfen.

Ein Mann auf einem Landwirtschaftsfahrzeug.
Noch lebt das Paar nicht auf der Alp. Aber am letzten Wochenende hat Manuel Schuler bei nebligem Wetter bereits neue Zäune aufgestellt.

Das Paar selbst möchte sich mit acht weiteren Rindern noch zusätzlich «verstärken». Zudem liegt den beiden viel daran, die Geselligkeit zu den Leuten in der Umgebung zu erhalten und durstige wie hungrige Wanderlustige gastronomisch so zu verpflegen, wie es ihre Vorgänger taten.

Noch ist Geduld gefragt

Bis der Betrieb auf der Farneralp ins Rollen kommt, könnte allerdings noch einige Zeit verstreichen. Denn noch haben die Schulers unglaublich viel zu planen. Neben ihren Berufen werden sie wohl ihre ganze Freizeit für ihre Zukunft opfern müssen.

Zunächst gilt es für beide, das Jonglieren zwischen ihren Berufen und der Planung unter einen Hut zu kriegen. «Wir nehmen es Schritt für Schritt», sagt Manuel Schuler. Ein erster fixer Termin sei der Alptransport des eigenen Viehs im Mai. Dazu kommt Ende Mai das Alpvieh von den Landwirten der Umgebung.

Dennoch scheut sich der Lehrer, der noch in Einsiedeln unterrichtet, nicht, schon weiter in die Zukunft zu schauen: «Ich kann mir durchaus vorstellen, vielleicht einmal in der Gemeinde Wald parallel als Lehrer zu arbeiten, wenn sich alles eingependelt hat.» Bis dahin werden allerdings wohl noch mehrere Jahre vergehen.

Die Farneralp oberhalb von Wald in Goldingen SG liegt auf 1155 Metern und umfasst ein Bergrestaurant mit zusätzlichem Saal und einem Aussensitzplatz sowie einen Landwirtschaftsbetrieb mit über 9 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche. Dazu gehören ein Stall für acht Mutterkühe mit Jungvieh, ein Sömmerungsbetrieb mit zirka 30 Hektaren Weideland sowie rund 23 Hektaren Wald. Des Weiteren gibt es einen Parkplatz mit 20 Plätzen. (lda)

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