Sportschulen – Wila zeigt sich knausrig, Turbenthal grösszügig
Förderung von Jungtalenten
Wenn es um die Förderung von Sporttalenten geht, herrschen im Tösstal nicht gleich lange Spiesse. Dies zeigt das Beispiel von zwei jungen Unihockeyspielern.
Seit mehreren Jahren spielt ein junger Wilemer Unihockey. Seine Trainer sind sich einig: Er kann es im Sport weit bringen. Doch dafür muss er entsprechend gefördert werden.
Nach den Sommerferien steht für das Sporttalent der Übertritt an die Sekundarschule an. Diese würde der Wilemer gerne an einer Sportschule absolvieren – im besten Fall in Winterthur.
Doch das wird vermutlich nicht möglich sein. Denn die Sekundarschulgemeinde Wila ist nicht bereit, die Kosten dafür zu übernehmen. Pro Schuljahr geht es um einen Beitrag von rund 20’000 Franken.
Der junge Unihockeyspieler aus Wila hat sich in Winterthur an zwei verschiedenen Schulen beworben. Und zwar am Talent-Campus und an der Sportschule Winterthur. Letztere öffnet erst im Sommer.

Sie wurde von ehemaligen Lehrpersonen des Talent-Campus gegründet, die mit den dortigen Rahmenbedingungen nicht mehr zufrieden waren. Sie hat deshalb noch keine offizielle Anerkennung, während der Talent-Campus eine Partnerschule von Swiss Olympic ist.
Abhängig von Talent Card
Für die Sekundarschulgemeinde Wila ist das ein wichtiger Unterschied. Sie teilte den Eltern mit, dass sie das Schulgeld für die neue Sportschule Winterthur nicht übernehmen werde und beim Talent-Campus nur die Hälfte.
Dies aber nur bei Schülerinnen und Schülern, die Inhaber einer sogenannten Talent Card National oder Regional sind. Die Talentkarte von Swiss Olympic erhalten Athletinnen und Athleten von ihren Sportverbänden als Anerkennung der Förderungswürdigkeit – abgestuft in drei verschiedene Kategorien: Lokal, Regional und National.
Der Wilermer Nachwuchsspieler hat bisher die Talent Card Lokal. Damit fällt die Unterstützung der Schulgemeinde weg.
Die Sekundarschulgemeinde Wila wendet bei der Entscheidung andere Kriterien an als die Sekundarschule Turbenthal. So hat ein junger Turbenthaler Unihockeyspieler, der ebenfalls die Talent Card Lokal besitzt, die Zusage seiner Gemeinde erhalten.
Sie übernimmt die Kosten für beide Sportschulen in Winterthur. Schafft der junge Turbenthaler die Aufnahme am Talent-Campus, erhält diese aber als Partnerschule von Swiss Olympic den Vorzug.
Keine einheitliche Praxis
Im Kanton Zürich gibt es drei anerkannte Kunst- und Sportschulen – in Zürich, Wädenswil und Uster. Wird ein Kind dort aufgenommen, muss die Gemeinde für das Schulgeld aufkommen. Bei anderen Schulen, wie beispielsweise dem Talent-Campus, liegt der Entscheid im Ermessen der Gemeinde. Sie kann sich an den Kosten beteiligen – muss dies aber nicht.
Und von diesem Ermessen machen die Gemeinden offenbar Gebrauch. «Kostenübernahmen sind Einzelfallentscheide», sagt Josua Spörri (parteilos), Präsident der Sekundarschulgemeinde Wila. Ein konkreter Austausch zu diesen Fällen mit anderen Gemeinden hat bisher nicht stattgefunden.
«Für den Entscheid einer Kostengutsprache oder Kostenübernahme liegen der Situation angepasste Kriterien zugrunde», argumentiert er. Dabei orientiere man sich in Wila an den Vorgaben des Volksschulamts.
Dieses sieht bei der Übernahme von Kosten für ausserkantonale Schulen beispielsweise vor, dass Sporttalente «über eine Swiss Olympic Talent Card in der für ihr Alter höchsten Förderstufe verfügen, in der Regel Stufe regional oder national».
Austausch angekündigt
Grosszügiger ist die Sekundarschulgemeinde Turbenthal. «Wir haben die grundsätzliche Haltung, dass wir alle Schülerinnen und Schüler unterstützen, die sportlich oder musisch begabt sind», sagt Bruno Pfenninger (FDP), Präsident der Sekundarschulgemeinde Turbenthal-Wildberg.
Deshalb ist die Sekundarschule auch bereit, Kosten für Sportschulen in Winterthur zu übernehmen, obwohl sie dazu nicht verpflichtet wäre. «Wir müssen dafür nicht mehr bezahlen als bei einer kantonal anerkannten Schule», sagt Pfenninger. Fürs Schulgeld werden maximal 19’900 Franken übernommen.
Pfenninger weiss, dass die einzelnen Schulgemeinden teils unterschiedlich entscheiden. Bisher habe es auch dazu noch keinen Austausch unter den Tösstaler Schulpräsidenten gegeben. Doch er stellt in Aussicht: «Vermutlich wird das an einer nächsten Sitzung der Fall sein.»
