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Starke Zuwanderung in Zürich – auch das Oberland wächst

Die Bevölkerung wächst immer weiter. 2023 zählte die Schweiz zum ersten Mal 9 Millionen Einwohner. Auch die Oberländer Gemeinden wuchsen überdurchschnittlich.

Hittnau: Diese Oberländer Gemeinde wuchs 2023 am meisten.

Foto: PD

Starke Zuwanderung in Zürich – auch das Oberland wächst

Kanton liefert Bevölkerungszahlen

Der Kanton Zürich erreicht 2023 einen Bevölkerungshöchststand. Wie sehr nimmt die Bevölkerungszahl des Oberlands zu? Und woran liegt der starke Zuwachs?

Die Schweiz wächst immer weiter: 2023 knackte sie erstmals die 9-Millionen-Marke. Auch im Kanton Zürich steigen die Zahlen stetig, wie die kürzlich veröffentlichten Zahlen des kantonalen Amts für Statistik belegen. Um 1,5 Prozent stieg die Bevölkerungszahl 2023 an – prozentual der höchste Wert seit 2010. Das entspricht etwa 24’000 neuen Menschen– oder ungefähr zweimal der Einwohnerzahl von Hinwil.

Die Population des Oberlands liegt mit einem Wachstumswert von 1,57 Prozent leicht über dem kantonalen Durchschnitt. 2745 frischgebackene Oberländerinnen und Oberländer verzeichnet das Gebiet – und hat damit neu 177’109 Bewohnerinnen und Bewohner.

Zur Region Oberland zählen gemäss dem Statistischen Amt der Bezirk Hinwil, der Bezirk Pfäffikon ohne die Gemeinden Lindau, Illnau-Effretikon und Weisslingen (welche alle zu Winterthur und Umgebung gerechnet werden) und die Stadt Uster sowie die Gemeinde Mönchaltorf. Die restlichen Gemeinden des Bezirks Uster verteilen sich auf die Regionen Glattal und Pfannenstiel.

Nur Winterthur und Umgebung, das Unterland und das Furttal wachsen im Kanton Zürich noch stärker als das Oberland. Das Furttal ist mit einem Zuwachs von 3,08 Prozent Spitzenreiter. Der hohe Prozentsatz hängt jedoch mit der vergleichsweise niedrigen Anzahl von 37’914 Einwohner zusammen. In absoluten Zahlen verzeichnet die Region zwischen Regensdorf und Otelfingen 1133 neue Furttalerinnen und Furttaler.

Dynamisches Oberland

Den prozentual höchsten Zuwachs im Oberland, verglichen mit 2022, erzielte Hittnau. 144 neue Bewohner zählt die Gemeinde – das entspricht einem Wachstum von 3,8 Prozent – und damit dem höchsten Wachstumswert der Gemeinde in den letzten zehn Jahren. Im Vorjahr war die Bevölkerungszahl gar um 0,45 Prozent geschrumpft.

«In Hittnau gab es einige grössere Bauvorhaben, die 2023 fertig und bezugsbereit wurden, beispielsweise das Hittnau Care oder ‹Himmelblau in Oberhittnau›», kommentiert Beat Meier, Gemeindeschreiber von Hittnau, das starke Wachstum. «Aber natürlich sind wir auch total attraktiv», fügt er mit einem Schmunzeln hinzu.

Gegensätzlich steht die Gemeinde Wildberg da. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Population um 0,3 Prozent ab. In absoluten Zahlen liest sich das eher weniger dramatisch: Drei Einwohner verliessen die Gemeinde. Sie hat neu nicht mehr 1028, sondern 1025 Einwohner. Letztes Jahr konnte noch eine Steigerung von 0,78 Prozent verzeichnet werden.

Unterschiedliche Zahlen

Nicole Ward, Gemeindeschreiberin von Wildberg, kommt auf andere Zahlen. Sie hält fest, dass die Gemeinde per Ende 2022 1029 Personen mit festem Wohnsitz hatte und per Ende 2023 1033 Personen.

Auf Anfrage beim Statistischen Amt, woher diese Divergenz stamme, heisst es: Die Zahl von 1033 Personen, welche die Gemeinde Wildberg nenne, enthalte laut dem Register des statistischen Amts auch Einwohner, welche nicht zur zivilrechtlichen Bevölkerung zählen. Das Statistische Amt zählt für seine Statistik nur die zivilrechtliche Bevölkerung.

In der zivilrechtlichen Bevölkerung eingeschlossen sind: Schweizerinnen und Schweizer, Personen aus dem Ausland mit einem B- oder C-Ausweis, Personen mit einer Amtsadresse in der Gemeinde und Schutzbedürftige mit Ausweis S oder ausländische Personen mit Ausweis F (vorläufig aufgenommene Flüchtlinge), die länger als ein Jahr in der Gemeinde leben. Den Ausweis S erhalten derzeit alle Schutzsuchenden, die im Zuge des Ukraine-Kriegs aus der Ukraine geflohen sind.

Unterschiedliche Definitionen

Die Einwohnerdienste von Gemeinden zählen für ihre Einwohnerstatistik nicht immer die zivilrechtliche Bevölkerung. Die Gemeinde Volketswil rechnet auch Einwohner mit Kurzaufenthaltsbewilligung, vorläufig Aufgenommene und Schutzbedürftige, welche weniger als zwölf Monate in der Gemeinde wohnen, mit ein.

Die Stadt Uster rechnet für ihre Auswertung auch Einwohner mit einem Nebenwohnsitz in der Stadt mit ein. So kommt die Stadt auf über 800 Bewohner mehr als das Statistische Amt. Die Definition von Einwohner schwankt also von Gemeinde zu Gemeinde.

Diese unterschiedliche Definition sei auch der Hauptgrund, weshalb es zwischen den Zahlen der Gemeinden und der Statistik des Kantons zu Abweichungen kommt. Da diese Daten dem Kanton nur viermal pro Jahr gemeldet werden, sei es jedoch prinzipiell auch möglich, dass es dort zu Unterschieden kommt, wenn in den Gemeinden Mitglieder nachgetragen werden, meint Sebastian Weingartner, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Direktion der Justiz und des Innern.

Zwischen diesen Messungen ist das Statistische Amt nicht immer auf dem genauen Stand der Einwohner. Da sich die letzten Messungen aber auf den 31. Dezember 2023 berufen, beziehen wir uns für unsere Grafik auf die Daten des Statistischen Amts.

Mit den angepassten Zahlen aus Wildberg bildet also Grüningen das Schlusslicht. Die Zahlen des Statistischen Amts werden auf der Webseite der Gemeinde bestätigt. Der Grund für den niedrigen Zuwachs ist simpel. «Es wurde nichts Neues bezogen, weil nichts fertiggestellt wurde», erklärt Yvonne Cassol, die Gemeindeschreiberin von Grüningen.

Wachstum verteilt sich auf mehrere Städte

Den grössten absoluten Bevölkerungsanstieg verzeichneten 2023 logischerweise die Städte des Kantons. Rund zwei Drittel der Zugezogenen leben in einer Stadt. Im Vorjahr war dieser Anteil jedoch grösser. Dass diese Quote der Städte rückläufig ist, bedeutet jedoch nicht, dass mehr Menschen aufs Land ziehen, erklärt Weingartner. Für das brauche es noch genauere Analysen.

Während sich 2022 die Hälfte des Zuwachses des Kantons auf nur drei Gemeinden verteilte, nämlich die Städte Zürich, Winterthur und Bülach. 2023 zusätzlich auf Regensdorf, Wädenswil, Adliswil sowie Uster und Dübendorf.

«Dass sich das Wachstum auf mehrere Gemeinden verteilt, liegt auch an den Personen mit Schutzstatus S», erklärt Weingartner. Sie können ihren Wohnsitz nicht ohne Weiteres frei wählen, sondern werden proportional zur Einwohnerzahl auf die Gemeinden verteilt.

Den grössten Anteil am Bevölkerungswachstum machen Personen aus dem Ausland aus. Fast 90 Prozent sind auf die Immigration zurückzuführen. Die starke Zuwanderung im Vergleich zu den Vorjahren liegt vor allem an den aus der Ukraine geflüchteten Menschen mit dem Schutzstatus S. Zwar leben diese grösstenteils schon seit 2022 im Kanton, zählen jedoch erst nach einem Jahr zur zivilrechtlichen Population.

Der übrige Zuwachs bewegte sich 2023 nur leicht über dem Durchschnitt. Auch die Wanderbewegung zwischen den Kantonen wurde vom Statistischen Amt gemessen. Aus Zürich wandern ein wenig mehr Personen in andere Kantone aus, als dass Einwohner anderer Kantone nach Zürich einwandern.

Kirchen verlieren Mitglieder

Während die Einwohnerzahlen des Kantons und der Gemeinden weiter steigen, verliert die Kirche immer mehr Mitglieder. Die Evangelisch-reformierte sowie die Römisch-katholische Kirche des Kantons Zürich verzeichneten 2023 die meisten Austritte seit Beginn der Datenerfassung 1850. Sie weisen 12’400 respektive 13’300 Austritte aus. Bis 1989 basierten die Zahlen jedoch auf Volkszählungen, welche nur alle zehn Jahre durchgeführt wurden.

Trotz der vielen Austritte im Kanton hat das Oberland prozentual einen hohen Anteil an Kirchenmitglieder. 51,7 Prozent der Oberländer Bevölkerung sind Mitglied der Evangelisch-reformierten oder der Römisch-katholischen Kirche. Nur das Weinland erreicht im Kanton mit 60,2 Prozent einen höheren Wert. (heg)

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