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Von Bienen, Podcasts und Drogen – das war die KZO-Vernissage

Auch dieses Jahr wurden hervorragende Maturitätsarbeiten im Rahmen der Vernissage an der KZO in Wetzikon ausgezeichnet.

An der KZO wegen ihrer Maturitätsarbeit im Scheinwerferlicht: die Preisträgerinnen und Preisträger Darina Schweizer, Aline Jelana Villiger, Lorin Pête, Lynn Odermatt, Liv Schulthess, Julian Keller und Vianne Kagerer (von links).

Foto: Hanspeter Siegfried

Von Bienen, Podcasts und Drogen – das war die KZO-Vernissage

KZO in Wetzikon

Jährlich würdigt die KZO in Wetzikon ihre Maturandinnen und Maturanden für eine gelungene Maturitätsarbeit. Wie verlief die Preisverleihung, und was hat Pablo Escobar damit zu tun?

Melina Rütsche und Moritz Hegglin

«Don’t Stop Me Now.» Gespielt von einem Cellosextett. So startet die Kantonsschule Zürcher Oberland (KZO) in Wetzikon in die diesjährige Vernissage. An der Preisverleihung der Schule werden diejenigen Maturandinnen und Maturanden ausgezeichnet, die sich während ihrer Maturitätsarbeit von nichts stoppen liessen. Sie sind weiter gegangen – haben einen Mehraufwand betrieben. Ein Schüler reiste für seine Abschlussarbeit bis nach Kolumbien.

228 Arbeiten wurden dieses Jahr eingereicht. 25 davon wurden nominiert, um ein «grünes Zeugnis» zu erhalten. Auch wenn diese mittlerweile orange-blau sind. Die Auswahl der nominierten Arbeiten ist breit. Von Krimi-Geschichten über einen Podcast zum Umgang mit Belastung und Angst bis zu einer Untersuchung über den Wassergehalt in Bienenbehausungen ist alles dabei.

Die KZO erstrahlt im Oscar-Flair. Nur mit weniger anwesenden Journalisten. Zwei, um genau zu sein. Ein Ex-KZO-Schüler und eine Ex-KZO-Schülerin, die nun an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren konnten.


> > Lesen Sie hier, wie unsere beiden Redaktionspraktikanten auf Ihre Maturitätsarbeit zurückblicken.


Um die Aula stehen feierlich weiss gedeckte Tische, und im ganzen Saal sind die «Kreativarbeiten» der Gymi-Schüler ausgestellt. Ein Paar selbst gemachte Ski steht neben einer Videoinstallation, auf der ein Kurzfilm gezeigt wird.

Rolf Debrunner führt das anwesende Publikum durch die Vernissage. Der Biologielehrer informiert die Zuhörerschaft über die Änderungen, die es im Zusammenhang mit den Maturitätsarbeiten gab. So werden die Präsentationen der Maturitätsarbeiten nicht wie bis anhin in einer Schulklasse durchgeführt, sondern finden während einer Woche öffentlich statt.

Ausgezeichnet in dieser Kategorie wird …

Wenn Debrunner den Namen der Siegerin oder des Siegers vorliest, werden diese von lautem Applaus auf die Aulabühne begleitet. Am lautesten sind die anwesenden Schülerinnen und Schüler. Man merkt, wie sie sich freuen, diese Arbeit endlich erfolgreich abgeschlossen zu haben. Auf der Bühne angekommen, warten ein Blumenstrauss und eine Laudatio der Betreuungslehrperson auf die Ausgezeichneten.

Bei jeder der sieben ausgezeichneten Arbeiten staunen wir, was die Maturandinnen und Maturanden für eine Leistung vollbracht haben. Einer, der schliesslich strahlend auf der Aulabühne steht, ist Lorin Pête. Für seine Maturitätsarbeit zum Thema «Kokain, Kriminelle und Kehrtwenden» reiste er bis nach Kolumbien, um sich dort ein Bild von der Lage zu machen. Er besuchte Koka-Plantagen, sprach mit Personen, welche selbst von Kokain abhängig wurden, und untersuchte den Wandel Medellíns, der ehemals gefährlichsten Stadt der Welt.

Jeder hat ein Familienmitglied im Drogenkrieg verloren.

Lorin Pête

KZO-Maturand

Mit Betroffenen in Kontakt zu kommen, welche ihm etwas zur Kriminalität und zum Kokain hätten erzählen können, sei nicht schwer gewesen, meint Pête. «In Kolumbien hat jeder einen Berührungspunkt mit der Droge. Jeder kann dir etwas zu den Drogenkartellen erzählen. Und jeder hat ein Familienmitglied im Drogenkrieg verloren.»

Aus vier Monaten Recherche in der Vorbereitungszeit, zwei Wochen Entdeckungsreise durch Kolumbien und knapp drei Monaten intensiven Schreibens sind drei Reportagen mit den Titeln entstanden: «Silber oder Blei – Aufstieg und Fall von Pablo Escobar», «Im Bann des weissen Pulvers – ein Leben mit Kokain» und «Von der Mordmetropole zur Vorzeigestadt – Medellín im Wandel».

Eine besondere «Leidenschaft»

Auf den ersten Blick wirkt der 18-jährige Maturand wie jeder andere Gymnasiast. Seit sechs Jahren besucht er die Kantonsschule Zürcher Oberland, spielt in seiner Freizeit gerne Fussball – und interessiert sich für alles rund ums Thema Mafia, Drogenkartelle und Kriminalität.

Kolumbien interessiert Pête schon länger. Doch: «Ich habe nicht damit gerechnet, dass dieses Projekt realisierbar ist. Durch die Unterstützung meiner Betreuungslehrerin und meiner Eltern hat es aber schliesslich geklappt.» So reiste er in den Sommerferien 2023 gemeinsam mit seiner Mutter für zwei Wochen nach Kolumbien. «Ob es funktioniert, wusste ich noch nicht. Es hätte auch sein können, dass ich danach meine Arbeit komplett hätte umkrempeln müssen.»

Mitten in der offenen Drogenszene

Seiner Betreuungslehrerin musste er versprechen, dass er kein Risiko eingeht. Doch: «Du kannst nicht 100-prozentig abgesichert sein.» Obwohl Pête sehr darauf achtete, sich in keine brenzligen Situationen zu bringen, hatte es dennoch Momente gegeben, in denen er sich nicht sicher fühlte. Ein Moment blieb ihm besonders in Erinnerung: «Wir bogen in eine Strasse ab, und plötzlich befanden wir uns mitten in der offenen Drogenszene. Junge Männer auf Motorrädern umringten uns. Durch ihre Hosentaschen zeichneten sich die Umrisse von Waffen ab. Das waren die Dealer, welche die Strasse kontrollieren.»

Als «Platzspitz-mässig» beschreibt Pête seinen Eindruck. «Ich fühlte mich wie in einem Film. Auf den Strassen lagen Drogenleichen.»

«Ich mache, worauf ich Lust habe»

Die Zeit der Maturitätsarbeit war für Pête sehr intensiv: «Es gab keinen Tag, an dem ich nicht an die Arbeit dachte.» Diesbezüglich können wohl viele Maturandinnen und Maturanden mitfühlen. Und auch was die vielen Momente betrifft, in denen er keine Lust mehr auf die Arbeit hatte. Besonders im Schreibprozess sei dies öfters der Fall gewesen, erzählt Pête weiter. Doch er blieb seinem Motto treu: «Ich mache, worauf ich Lust habe.» So habe er dann den Fokus bei der dritten Geschichte geändert, als er nicht mehr weitergekommen sei.

Rückblickend sei die Maturitätsarbeit eine wertvolle Erfahrung gewesen. «Ich entdeckte ein neues Land, lernte neue Leute kennen und bewies mir, was ich erreichen kann.» Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, später im Journalismus zu arbeiten, antwortet Pête: «Als Hauptverdienstquelle kann ich es mir nicht vorstellen. Mir liegt das journalistische Arbeiten. Aber wenn ich das Gefühl habe, etwas tun zu müssen, auf das ich keine Lust habe, würde mir das sehr schwerfallen. Ich möchte mit dem Flow gehen und schauen, was kommt.» Und bisher scheint diese Strategie aufzugehen.

Das sind die Gewinner der Vernissage

Lorin Pête: «Reportagen – Kokain, Kriminelle und Kehrtwenden».

Aline Jelana Villiger: «Herz aus Glas. Ein historischer Roman».

Lynn Odermatt: «Kaffeesatzlesen oder unentbehrlicher Kompass».

Julian Keller: «Wie variiert der Wassergehalt im Honig je nach Bienenbehausung? Untersuchung anhand von Messungen des Nestklimas im Honigraum».

Darina Schweizer: «Das Ruheverhalten von Pferden in unterschiedlichen Haltungsformen».

Vianne Kagerer: «Worte erklingen lassen – Vertonen einer Geschichte».

Liv Schulthess: «Nur Natur? Auf den Spuren von Mikroplastik in der Schweiz – eine künstlerische Auseinandersetzung».

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