«Papa Don Fried» und sein peruanisches Lebenswerk
Wetziker gründet Hilfswerk
Friedhelm Krieger hat ein Hilfswerk in Peru aufgebaut. Jetzt will der ehemalige Wetziker Religionslehrer aber überflüssig werden.
Friedhelm Krieger ist im Moment sehr beschäftigt. Denn Anfang Februar reist der 83-jährige Wetziker nach Peru.
Aber nicht etwa für eine Freizeitreise in den Anden. Er ist beruflich unterwegs – für das Hilfswerk Paz Peru, das er 1988 gegründet hat.
Krieger war damals Lehrer für Religion und Geschichte an der Kantonsschule in Wetzikon. «In meinem Unterricht haben wir oft über die Probleme in der sogenannten Dritten Welt gesprochen», erinnert er sich.
Ein peruanischer Priester, mit dem er damals befreundet war, machte ihm einen Vorschlag: Wieso nur darüber sprechen und nicht selber ein Entwicklungsland wie Peru besuchen und helfen?
Krieger war von der Idee angetan. Und so reiste er 1988 mit einer Gruppe von interessierten ehemaligen Schülerinnen und Schülern in die Region Arequipa im Süden des Lands. Vor Ort waren verschiedene Aktionen geplant, um der armen Bevölkerung zu helfen, beispielsweise das Verteilen von Kindernahrung oder Schreibmaterial.
Es sollte keine einmalige Sache bleiben. «Die Zustände und Probleme, die ich vor Ort angetroffen hatte, liessen mir keine Ruhe mehr.» Bis heute. Und so begann Kriegers Engagement in Peru.
Vom Verein zur Stiftung
«Wir haben klein angefangen», sagt Krieger. In Arequipa hat er unter anderem mit Mitgliedern von Rotaract, der Jugendorganisation des Rotary-Clubs, zusammengearbeitet. Um die ersten kleineren Projekte zu finanzieren, wurde in der Schweiz kurzerhand ein Verein gegründet.
«Vor Weihnachten haben wir zum Beispiel Produkte aus Peru verkauft, um Geld zu sammeln», erzählt Krieger. «Und ich habe Spanisch gelernt, um vor Ort besser mit den Menschen in Kontakt zu treten.»
So oft er konnte, reiste Krieger neben seiner Lehrtätigkeit nach Arequipa. Er hat damals nicht geahnt, dass einst ein Hilfswerk zu seinem Lebenswerk wird. Doch die Projekte und Arbeiten vor Ort wurden immer mehr.
Ein Verein war schnell nicht mehr die richtige Lösung. 1995 wurde deshalb die gemeinnützige Stiftung Sozialwerke Paz gegründet – Krieger ist seither auch Präsident des Stiftungsrats.
Bis heute hat Paz Peru über 160 Projekte durchgeführt. Dazu gehören beispielsweise der Bau von Spitälern und Lernwerkstätten, aber auch ein Mikrokreditprogramm oder Soforthilfe bei Naturkatastrophen.
Fachkräfte vor Ort
Die Schweizer Stiftung ist aber in Peru nicht selber tätig, wie der Theologe und Historiker erläutert. Dort ist Paz Peru eine eigene sogenannte Association nach peruanischem Recht. «Diese steht unter eigener Leitung und ist zumindest rechtlich von der Stiftung in der Schweiz unabhängig», erklärt Krieger.
Für den Hilfswerk-Gründer ist das die richtige Lösung. «Paz Peru hat über 120 Angestellte in Arequipa», erzählt er. «Um unsere Aufgabe zu erfüllen, brauchen wir gut ausgebildete Fachleute, und auch das Leitungsteam muss in Peru sein», betont er.
Das Hilfswerk betreibt nämlich unter anderem drei Häuser, beispielsweise für junge Mütter oder Kinder mit einer geistigen Behinderung.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Casa Isabel, wo Mädchen, die von Gewalt und Missbrauch betroffen sind, Hilfe und Unterschlupf finden. Hinzu kommen zahlreiche weitere Projekte, etwa in der Gesundheitsförderung,
Selbsttragend werden
Auch wenn die Schweizer Stiftung und die Organisation in Peru auf dem Papier getrennt sind, Friedhelm Krieger ist und bleibt die treibende Kraft. Bei wichtigen Entscheidungen und grossen Projekten wird von peruanischer Seite immer mit ihm Rücksprache genommen. «Und manchmal sage ich dann auch: ‹Ihr müsst entscheiden.›»
Denn der ehemalige Lehrer weiss: «Sie müssen irgendwann ohne mich auskommen.» Oder anders ausgedrückt: «Eigentlich muss ich überflüssig werden.»
Geht es nach Krieger, wird die Arbeit des Hilfswerks irgendwann selbsttragend. So betreibt Paz Peru beispielsweise bereits eine Bäckerei und eine Textilwerkstatt, die Einkünfte generieren.
Auch Unterstützung von staatlicher Seite soll die Finanzierung künftig sichern. Das Hilfswerk hat beim Bau des Hauses für behinderte Kinder beispielsweise mit dem peruanischen Frauenministerium zusammengearbeitet.

Kriegers Einsatz in Arequipa ist bei der peruanischen Politik nämlich nicht unerkannt geblieben. So wurde sein Engagement auch schon vom Staat gewürdigt. Er erhielt 2012 die Ehrenmedaille des peruanischen Kongresses.
Seither darf er auch den Titel «Caballero», zu Deutsch Ritter, vor dem Namen tragen. Für die Kinder, die Paz Peru unterstützt, ist Krieger aber weiterhin «Papa Don Fried».
Und Don Fried hat viel angestossen und viel erreicht. «Neue Projekte möchte ich jetzt auch nicht mehr an die Hand nehmen», sagt er. «Wir vertiefen lieber das, was wir bereits haben.»
Mit tiefer Überzeugung
Obwohl Krieger das Ziel hat, «überflüssig» zu werden, ist er davon noch weit entfernt. 2005 wurde er pensioniert. «Gemerkt habe ich das aber nicht wirklich», sagt der ehemalige Lehrer schmunzelnd.
Zwar hat die Stiftung eine Mitarbeiterin, die sich Teilzeit um die Buchhaltung kümmert. Doch viele Aufgaben obliegen immer noch Friedhelm Krieger. Dazu gehört nicht nur der Austausch mit dem Team in Peru, sondern auch das Sammeln von Spenden.
Krieger setzte von Anfang an auch auf die Zusammenarbeit mit Pfarreien in der Schweiz. Für den katholischen Theologen liegt das auf der Hand. Er besucht beispielsweise Gottesdienste und stellt die Arbeit vor – dafür wird die Kollekte für die Stiftung gesammelt.
«Wir sind aber kein katholisches Hilfswerk», betont er. Die Arbeit in Peru solle weder den Stempel «katholisch» noch «religiös» tragen.
Krieger selber handelt aber aus religiöser Überzeugung: «So wie Jesus für die Armen da war, sollen wir das in seinem Namen weiter tun», sagt er. Das ist auch der Grund, wieso er sich noch nicht aus dem Hilfswerk zurückgezogen hat. Er will diesem Auftrag weiterhin gerecht werden – Pensionsalter hin oder her.

Er reist weiterhin, sofern eine Pandemie ihn nicht ausbremst, regelmässig nach Peru. Auf die Frage, ob er nicht kürzertreten will, antwortet Krieger mit einer Rückfrage: «Wie soll ich das machen?» Er wisse, dass er aktuell noch gebraucht werde.
Gleichzeitig schätzt er den Austausch mit den Verantwortlichen vor Ort. Auch wenn dieser nicht immer ganz einfach ist.
«Peruaner haben eine andere Logik, wenn es beispielsweise um Sitzungen geht», sagt Krieger. Doch mittlerweile klappe es auch mit der «ora suiza», der Schweizer Zeit.
«Wenn ich um 9 Uhr beginnen will, dann beginnen wir pünktlich.» Das soll auch bei seinem nächsten Besuch im Februar so sein, wenn «Papa Don Fried» vor Ort zum Rechten schaut.
Mehr Informationen zum Hilfswerk Paz Peru sowie die Angaben zum Spenden findet man auf der Website: www.stiftung-pazperu.ch