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Nur wenige Haehner-Patienten haben Hausarzt in der Region gefunden

Viele ehemalige Patienten müssen nun einen weiteren Weg zum Hausarzt in Kauf nehmen – wenn sie denn überhaupt einen finden.

Im Sommer 2023 standen sie Schlange, um Rezepte und Akten abzuholen: die Patienten des Ärztezentrums Turbenthal.

Foto: Bettina Schnider

Nur wenige Haehner-Patienten haben Hausarzt in der Region gefunden

Mehr Anfragen, keine Plätze

Viele Turbenthalerinnen und Turbenthaler haben seit letztem Sommer keinen Hausarzt im Dorf mehr – die meisten auch nicht mehr im Tösstal oder in der Region.

Seit letztem Sommer gibt es im Tösstal eine Arztpraxis weniger: Das Ärztezentrum Turbenthal schloss im Juni endgültig, nachdem es bereits vorher zahlreiche Probleme gegeben hatte.

Patienten standen daraufhin Schlange, um Rezepte und ihre Akten zu beziehen. Dabei gab es oft nur ein Thema: «Wo finde ich einen neuen Hausarzt?»


> > Lesen Sie hier mehr über die Probleme im Ärztezentrum Turbenthal und die Folgen


Manche hatten Glück und wurden rasch fündig – wenn auch nicht in Turbenthal, sondern meist in Winterthur. Andere hatten zunächst weniger Erfolg. «Ich hoffe einfach, ich werde in nächster Zeit nicht krank», sagte ein Patient damals.

Das Ende der Praxis in Turbenthal spürten auch die anderen Grundversorger in der Region. Sie waren mit zahlreichen Anfragen konfrontiert. Doch bei den meisten Praxen war die Kapazitätsgrenze schon vorher erreicht. Zudem gilt vielerorts: Einheimische haben Vorrecht.

Vieles deutet darauf hin, dass ehemalige Patienten nun einen weiteren Weg zum Hausarzt in Kauf nehmen müssen. Das bestätigt auch eine gut vernetzte Turbenthalerin, die Patientin im Ärztezentrum war. «Viele sind in Winterthur fündig geworden, manche auch in Pfäffikon oder Elgg», erzählt sie.

Sie hat sich ebenfalls einen Wechsel in eine Praxis in Winterthur überlegt, die noch Patienten aufnimmt. «Dort käme ich immerhin mit dem Zug gut hin, falls ich krank bin», meint sie. Mit der S26 dauert die Fahrt 24 Minuten.

So weit kam es dann aber nicht: Sie hatte Glück und erhielt einen Platz in der Arztpraxis in Kollbrunn. «Andere waren aber chancenlos.»

Tösstal Praxis in Turbenthal und Kollbrunn

Die Tösstal Praxis AG betreibt zwei Praxen in Turbenthal und Kollbrunn. Nach der Schliessung des Ärztezentrums Turbenthal wurde sie von Nachfragen neuer Patienten überrannt. «Die Zahl der Anfragen war sehr hoch», bestätigt Elisabeth Dönni Minder. Sie ist Praxiskoordinatorin und Mitglied der Geschäftsleitung.

Die Praxis war im Sommer gefordert. «Wir versuchten, Lösungen zu finden», betont Dönni Minder. «Einige Patienten konnten wir in Kollbrunn aufnehmen, andere an umliegende Praxen weiterverweisen.»

An beiden Standorten der Tösstal Praxis arbeiten im Moment gut zehn Ärztinnen und Ärzte. In Kollbrunn kam kürzlich sogar eine neue Medizinerin dazu. Trotzdem sind die beiden Standorte ausgelastet.

Im Februar startet ein zusätzlicher Arzt in Turbenthal, der sich in der Weiterbildung zum Facharzt befindet. «Diese Erweiterungen helfen, den hohen Terminanfragen etwas nachzukommen», sagt Dönni Minder.

Arztpraxis Hittnau

Hittnau liegt nur gut zehn Autominuten von Turbenthal entfernt. Und einige Patientinnen und Patienten des Ärztezentrums haben deshalb bei der Arztpraxis Hittnau nach einer neuen Hausärztin oder einem neuen Hausarzt gesucht. Die meisten wohl ohne Erfolg.

«Es gab und gibt immer noch viele Anfragen», bestätigen Reto Schnyder und Thomas Fuhrer. Sie sind seit Jahren als Hausärzte in Hittnau tätig. Neben ihnen arbeiten zwei weitere Mediziner in der Praxis. Diese befindet sich seit Herbst 2022 im neuen Gesundheitszentrum Hittnau Care.

Sie soll aber vor allem die Grundversorgung für Hittnauerinnen und Hittnauer sicherstellen. «Auswärtige Patienten können wir im Moment aus Kapazitätsgründen keine aufnehmen», sagen Schnyder und Fuhrer. «Damit garantieren wir, dass die Hittnauer Bevölkerung einen Arzt findet.»

Wilacare

«Wir konnten nur wenige Patienten vom Ärztezentrum aufnehmen, eigentlich nur in Notsituationen», erläutert Rita Allemann, Verwaltungsrätin der Wilacare AG. «Beispielsweise, wenn Personen dringend Medikamente benötigten.»

Die Gemeinschaftspraxis im Zentrum nimmt nämlich in der Regel nur noch Patienten aus Wila auf. Anfragen gibt es immer noch zahlreiche.

Man sieht den Eingang einer Praxis.
Die Gemeinschaftspraxis Wilacare wurde 2020 eröffnet. Sie soll vor allem die medizinische Versorgung der Wilemer Bevölkerung sicherstellen. (Archiv)

Doch die drei Hausärzte bei Wilacare, alle in einem Teilpensum tätig, sind fast ausgelastet. Die Gemeinschaftspraxis sucht deshalb noch zusätzliche Unterstützung.

«Insbesondere auch einen Kinderarzt», sagt Allemann. «Finden wir jemanden mit einem hohen Pensum, können wir auch neue Patienten aus der Region aufnehmen.»

Praxis Rosengasse in Russikon

Ähnliches wie in Wila und Hittnau gilt auch in der Praxis Rosengasse in Russikon, die nur zehn Minuten von Turbenthal entfernt liegt: Einheimische sind im Vorteil.

Auf die Frage, ob noch neue Patienten aufgenommen werden können, antwortet Hausärztin Mirjam Schorr: «Können ist eine andere Frage.» Man nehme aber Personen aus der Gemeinde Russikon samt Aussenwachten weiterhin auf.

Nach der Schliessung des Ärztezentrums meldeten sich auch viele Patienten in Russikon. Einige hatten Glück. «Wir haben sie an Kollegen verwiesen, die neu in der Praxis sind», sagt Schorr. Andere mussten weitersuchen.

Schorr spart gleichzeitig nicht mit Kritik: «Die Schliessung der Praxis im Tösstal ist das Ergebnis der nicht ganz genügenden Kontrolle durch den Kanton.»

Der Ärztemangel hingegen ist für sie ein politisches Problem. Es würden nicht genügend Ärzte ausgebildet – und auch nicht die robustesten. «Das ermöglicht einen solchen Markt mit Praxen wie bei Doktor Haehner geschehen.»

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