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Immer mehr Igel brauchen Hilfe auf einer Station

Helferinnen und Helfer der regionalen Igelstationen geht die Arbeit nicht aus – auch im Winter. So gehen sie mit der Situation um.

Der Igel ist eines der ältesten Wildtiere überhaupt. Doch manchmal braucht er auch Hilfe von Menschen. (Archiv)

Foto: Seraina Bner

Immer mehr Igel brauchen Hilfe auf einer Station

Ein Wildtier hat Probleme

Igel liegen den Oberländern am Herzen. Lange Sommer sowie Futterknappheit machen den stacheligen Tieren aber zu schaffen. Trotzdem muss der Mensch nicht immer sofort eingreifen.

Erst kürzlich setzte der Verein Igelhilfe Hinwil einen Hilferuf ab: Er sucht händeringend nach einer neuen Bleibe. Denn die Station platzt aus allen Nähten. Von Jahr zu Jahr müssen mehr Igel betreut werden. Die Station sucht deshalb zusätzliche Helfer.

In Hinwil scheint die Situation sogar im Winter schwierig. Für diese Jahreszeit ist das in der Region aber ein Einzelfall.

«Wir sind momentan nicht so sehr ausgelastet, haben aber trotz dieser Jahreszeit immer noch Pflegetiere», sagt Claudia Schaufelberger von der Igelpflegestation in Hittnau. Diese wurde 2021 eröffnet und bietet 14 Plätze sowie zusätzliche Reserveplätze für den Notfall.

Mitte Januar waren sechs davon besetzt. «Wir nehmen aber generell nicht jeden Igel auf», ergänzt sie sogleich. Ihre Devise lautet: zuerst beobachten, dann intervenieren. Das gilt zu jeder Jahreszeit – auch im Winter.

«Wenn die Temperaturen kurzzeitig ansteigen, kommen Igel manchmal aus ihrem Nest», erklärt die Fachfrau. Das sei aber nicht immer Grund zur Sorge. Oftmals finden die Igel wieder zurück und setzen ihren Winterschlaf fort.

Würmer statt Insekten

Ein Trend ist zwar auch für Claudia Schaufelberger erkennbar. Aufs ganze Jahr verteilt brauchen immer mehr Igel Hilfe auf einer Station. An ihrem Engagement ändert das nichts. «Ich betreibe keine Igelstation, um Igel zu zählen.»

Der Grund für diesen Anstieg ist für Schaufelberger klar: Futterknappheit. Es gibt immer weniger Insekten.

Das sorgt für weitere Probleme: «Wenn sie keine Insekten finden, dann fressen Igel Würmer und Schnecken», erklärt sie. Deshalb werden immer mehr Igel von Innenparasiten befallen. Letztes Jahr sind mehrere Tiere auf der Station wegen sogenannten Lungenwürmern gestorben.

Hinzu kommt, dass die sommerlichen Temperaturen in der Regel länger anhalten. «Ein Igel hat manchmal zweimal pro Jahr Junge», erklärt Schaufelberger. Doch immer mehr kommt es zu einem dritten Wurf. «Diese Jungigel werden bis im November gesäugt und dann in eine futterlose Natur entlassen.»

Man sieht einen kleinen Igel auf einer Hand.
Diesem kleinen Igel hat Claudia Schaufelberger den Namen Randy Randalierer gegeben. Ihn päppelt sie diesen Winter auf.

Aktuell päppelt Schaufelberger einen kleinen Igel auf, der im Dezember zu ihr kam. «Der bleibt jetzt aber auf der Station, bis er sein Wintergewicht erreicht hat, und darf dann im Frühling in die Natur zurück», sagt sie

Parasiten als grosses Problem

Die jüngste Igelstation in der Region ist diejenige in Kollbrunn, die erst im April 2022 eröffnet wurde. Dort hatte man letztes Jahr mehr zu tun als noch im Eröffnungsjahr. Die Helferinnen und Helfer haben 259 Igel betreut, ein Anstieg von fast 30 Prozent.

Vereinspräsidentin Juliette Roder vermutet, dass dies nicht allein mit der Eröffnung unter dem Jahr zu erklären ist. «Denn in den ersten Monaten werden sowieso nur wenige Igel abgegeben», erklärt sie.

Aktuell betreuen die Helferinnen und Helfer sechs Igel im Tösstal, die sie bald in den Winterschlaf entlassen wollen.

Andere Zustände gab es letzten Sommer und Herbst: Zeitweise haben die Verantwortlichen sogar über einen Aufnahmestopp nachgedacht oder standen kurz davor.

In Kollbrunn hat man ähnliche Beobachtungen wie in Hittnau gemacht: «Auffallend war im letzten Jahr sicher die deutliche Zunahme von Igeln, die mit einer Parasitose gebracht wurden.» Igel haben zwar fast immer Parasiten und können meistens damit umgehen. «Die Tiere, die uns wegen inneren Parasiten gebracht wurden, hätten ohne menschliche Hilfe aber nicht überlebt», erläutert Roder.

Es sei zwar wichtig, dass man nicht einfach jeden Igel in Obhut nehme. Bei der Igelstation Kollbrunn macht man aber die Erfahrung, dass sich vor allem Leute melden, die bereits Igel beobachtet hätten und das Verhalten einschätzen könnten.

«Als Wildtier ist der Igel gewohnt, mit allen möglichen Gebresten umzugehen», meint Roder. «Wenn diese also sichtbar sind, ist es oft schon höchste Zeit.»

Ein Igel neben einer Wasserschale.
Igel brauchen nicht immer Hilfe von Menschen. Wenn sie aber in Schwierigkeiten sind, kommt es auf die richtige Versorgung in einer Igelstation an.

Wenn man unsicher ist, sollte man bei einer Igelstation anrufen und sich beraten lassen: «Viele der Igel, die im letzten Jahr auf unserer Station gestorben sind, starben bereits kurz nach der Abgabe, weil man eben zu lange gewartet hat.»

Fachkundige Hilfe statt Kopfsalat

Die Igel scheinen der Bevölkerung generell sehr am Herzen zu liegen. Das merkt auch Bernhard Bader von der Geschäftsstelle von Pro Igel mit Sitz in Russikon. Der Verein setzt sich seit 1988 für den Schutz und die Förderung des einheimischen Igels und seiner Lebensräume ein.

Pro Igel betreibt auch eine Notfallnummer. «Wenn es etwas wärmer wird im Winter, erhalten wir sofort viele Anrufe», sagt Bader. «Dass ein Igel aber auch mal sein Nest verlässt, ist völlig normal.» Auch er rät in einem solchen Fall: abwarten und beobachten.

Und wenn ein Igel tatsächlich in Schwierigkeiten ist, dann braucht er fachkundige Hilfe. «Diese bieten die Igelstationen», betont Bader. «Sonst nehmen die Leute die Igel nach Hause und halten sie im schlimmsten Fall im Keller mit Kopfsalat und Wasser.»

Auch bei Pro Igel stellt man fest, dass von Jahr zu Jahr mehr Tiere Hilfe brauchen. Laut Bader können die Igelstationen aber nur Individualtierschutz leisten.

Für ihn ist klar: Wer dem Igel etwas Gutes tun und einen Beitrag zum Artenschutz leisten will, der muss sich für seinen Lebensraum einsetzen. Sein Rat: «Wir brauchen nicht mehr Rasen, sondern naturnahe Gärten ohne Pestizide.» Davon würde nicht nur der Igel profitieren.

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