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Gesellschaft

Grösster T-Rex steht jetzt im Sauriermuseum im Rampenlicht

Für das Museum im Aatal ist der Dino ein Glücksfall. Wenn auch ein vergänglicher. Denn in einem Jahr zieht das Skelett weiter.

«Trinity» ragt fast bis zur Decke im Sauriermuseum.

Foto: Simon Grässle

Grösster T-Rex steht jetzt im Sauriermuseum im Rampenlicht

Spontaner Zwischenstopp

Der Dinosaurier «Trinity» wird ein Jahr lang im Sauriermuseum gezeigt. Ein ungeplanter Glücksfall. Doch das Exemplar hätte fast nicht in den Ausstellungsraum gepasst.

67 Millionen Jahre alte Knochen sorgten am Montagnachmittag für grosses Medieninteresse. Es sind die Bestandteile des Dinosauriers «Trinity», des ersten Tyrannosaurus Rex, der je in einem Schweizer Museum zu sehen war.

Das Exemplar wird für ein Jahr lang im Sauriermuseum in Aathal zu bestaunen sein. Sein Kopf ragt fast durch die Decke, das Tier füllt den ganzen Raum und wirft einen furchteinflössenden Schatten auf die hintere Wand.

Denn das Skelett hat eine dramatische Grösse: Mit 11,6 Metern Länge und 3,9 Metern Höhe gehört der T-Rex zu den imposantesten Objekten, die man je in einem Museum besichtigen konnte.

Ein Traum wird wahr

«An diesen Tag werden wir uns hier noch lange erinnern», sagt Köbi Siber bei seiner Begrüssungsrede. Der Gründer des Sauriermuseums wirkt glücklich. «Wir hätten nie zu hoffen gewagt, dass wir hier eines Tages einen T-Rex ausstellen können.»

Für ihn und das Museum sei dies eine Chance, aber auch eine Verantwortung. «Wir haben das Skelett für dieses Jahr kostenlos von der Phoebus-Stiftung zur Verfügung gestellt bekommen», sagt er. Das Museum müsse aber für den Transport und die Versicherung sowie für den gesamten Aufwand der Ausstellung aufkommen. Die Präsentation von Trinity allein kostet alles in allem mindestens 100 000 Franken. So viel wie die anderen Sonderausstellungen im Museum.

«Wir hoffen, dass wir die Kosten für das ganze Projekt mit den Eintritten wieder wettmachen können», sagt Yolanda Schicker-Siber, die Tochter von Köbi Siber. Schicker-Siber hat die ganze Ausstellung mit dem königlichen Tier gemanagt. Ihr Vater sei stolz auf sie. Denn so einfach war es nicht. Die Räumlichkeiten im Sauriermuseum sind nicht riesig, und das Haus steht unter Denkmalschutz.

Die Höhe bestimmte die Ausrichtung

Es habe im Museum nur zwei Orte gegeben, wo man «Trinity» habe aufstellen können. Zum Schluss merkte das Team im Aatal sogar, dass es nur eine einzige Möglichkeit gab. «Den Schädel muss man jeweils um einiges anheben können, um ihn ins Skelett auf einer Eisenstange einzufädeln», sagt Schicker-Siber.

Das sei «tricky» gewesen. «Zum Glück gibt es in diesem Raum ein erhöhtes Scheddach», sagt Schicker-Siber. Diese Fensterausbuchtung war der einzige Ort, um den Schädel zu platzieren. Der Rest ergab sich. So steht der königliche Dinosaurier «Trinity» jetzt dort, wo zuvor zwei Skelette von Meerechsen und dasjenige einer grossen Schildkröte ausgestellt gewesen sind.

Auch Wissenschaftler sollen in diesem Jahr während der Ausstellung Zugang bekommen. «Es ist uns wichtig, dass an den Knochen weiter geforscht werden kann», sagt Katharina Van Cauteren. Sie ist in der Geschäftsleitung der Kunststiftung Phoebus und hat den T-Rex im letzten Jahr in die Phoebus-Sammlung gebracht.

Ein Tyrannosaurus fehlte noch

Im letzten Frühling wurde der Riesendinosaurier versteigert. Das Tier kam in der Zürcher Tonhalle für 4,8 Millionen Franken unter den Hammer.

Von der Versteigerung in der Zürcher Tonhalle hat Van Cauteren gehört, weil sie kurz davor zu ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Spass gesagt hatte: «Wisst Ihr, was uns in unserer Sammlung noch fehlt? Ein T-Rex.» Sie habe sich damit erhofft, mit diesem Ausstellungsobjekt auch junge Menschen erreichen zu können.

Dinosaurier im Hochhaus

Für den grossen Dinosaurier «Trinity» wird in Flandern aktuell von der Kunststiftung eine passende Bleibe gebaut – und das erst noch im ersten Wolkenkratzer Europas. Dieser wurde in den 1930er Jahren erstellt – und wird jetzt vom Architekten Daniel Libeskind mit einem Glaskubus ausgebaut.

Deswegen macht «Trinity» erst den Umweg ins Oberland und kann für ein Jahr im Aatal bestaunt werden. Erst dann wird die Urechse nämlich nach Antwerpen in die Phoebus Foundation reisen und in den Boerentoren einziehen.

Das Sauriermuseum, wo «Trinity» nun ins Exil dürfe, sei der beste Ort für diese Übergangslösung. Hier sei die Echse in guten Händen. «Das Team des Sauriermuseums kennt ‹Trinity› bereits, es hat den Dinosaurier schon zweimal auf- und abgebaut», sagt Van Cauteren.

Katharina Van Cauteren und der Hinterteil des T-Rex.
Katharina Van Cauteren wünschte sich einen T-Rex und bekam «Trinity».

Ob der Zuschauerstrom wächst, wird sich zeigen. Yolanda Schicker-Siber und ihr Vater rechnen mit ungefähr 20’000 Gästen mehr als im letzten Jahr. «Bis anhin zählten wir jährlich jeweils 126’000 Besucherinnen und Besucher. Vielleicht schaffen wir ja mit ‹Trinity› die 150’000er-Marke», sagt Schicker-Siber optimistisch.

Das Parkplatzthema ist nicht gelöst

Um Stau zu verhindern, sollen die Interessierten am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. «Unsere Parkplatzmöglichkeiten waren schon immer begrenzt», sagt sie – und gibt schmunzelnd eine Empfehlung ab: «Trinity» könne man auch bei schönem Wetter und unter der Woche besuchen.

«Wir haben lange hin und her überlegt, ob wir nun ein Online-Ticketing-System einführen wollen.» Das Team habe sich dagegen entschieden. Stattdessen werde die Startseite des Museums laufend aktualisiert, und somit würden die Schaulustigen über den aktuellen Besucherstrom informiert. Zudem wird das Museum täglich eine Stunde früher geöffnet.

Der Name Trinity – Dreifaltigkeit – kommt übrigens nicht von ungefähr: Das beeindruckende Skelett ist zur Hälfte aus Überresten von drei unterschiedlichen Tieren zusammengesetzt. Alle drei von vergleichbarer Grösse, Qualität und geologischer Herkunft. So ein Skelett zusammenzusetzen, sei fast wie ein Puzzle, sagt ein Tierpräparator aus dem Team, der das Skelett mit aufgebaut hat. Zu acht hat das Team innerhalb von anderthalb Tagen die Knochen zusammengesetzt.

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