Ihre Urnen aus Ton sollen farbig wie das Leben sein
Töpferin aus Wila
Sara Diener aus Wila will mit ihren handgemachten Urnen dafür sorgen, dass Verstorbene in guter Erinnerung bleiben. Und sie wünscht sich, dass wir uns mehr mit dem Tod auseinandersetzen.
Sara Diener setzt sich beim Töpfern mit einem Thema auseinander, das viele gerne verdrängen: dem Sterben. Die 46-Jährige aus Wila stellt nämlich Urnen aus Ton her.
Ihre handgemachten Unikate sollen zur verstorbenen Person passen. «Sie sind ein Andenken an den Menschen», sagt sie. «Schliesslich ist die Erinnerung das, was den Hinterbliebenen nach dem Tod bleibt.»
Die Auseinandersetzung mit dem Sterben schreckt sie nicht ab. «Für mich ist es ein schöner Gedanke, wenn man mit einer persönlichen Urne die Erinnerung sichtbar macht.»
Mit den üblichen 08/15-Urnen kann Diener wenig anfangen. «Diese kahlen Töpfe sind kalt und unpersönlich. Das Leben ist farbig, und meine Urnen sind es auch.»
Zwei Websites, zwei Instagram-Kanäle
Zum Handwerk ist Diener während ihrer Ausbildung zur Handarbeits- und Werklehrerin gekommen. «Das dreidimensionale Gestalten spricht mich sehr an», sagt sie.
Zur Vorbereitung der Schulstunden habe sie vieles ausprobiert. «Irgendwann kamen auch Eltern auf mich zu und haben gefragt, ob ich mit ihnen etwas töpfern könnte», erzählt Diener, die als Lehrerin an der Primarschule Kollbrunn arbeitet.
2020 hat die Tösstalerin ihre eigene Töpferei eröffnet. Zunächst war sie im Rosenberg in Wila eingemietet, jetzt befindet sich ihr Atelier an der Stationsstrasse. Hier bietet sie auch Kurse und eine offene Werkstatt an.
Und im Raum im Dachgeschoss, wo ein grosser Arbeitstisch und zwei Brennöfen stehen, entstehen bei Weitem nicht nur Urnen. Diener gestaltet auch andere Tonkreationen, vom Storch für den Garten bis zum handgemachten Krug.
Wie passt das zusammen? «Es ist schon ein Gegensatz», räumt sie ein. Aus diesem Grund hat sie auch zwei Websites und zwei Instagram-Kanäle: einmal für Grabschmuck und Urnen und einmal für ihre übrigen Tonkreationen.
Die Idee, Urnen zu gestalten, kam ihr während eines Bildhauerkurses vor einigen Jahren. «Wir haben uns dort über Grabsteine unterhalten», erinnert sich die Wilemerin. Die Bildhauerei war aber nicht das Richtige für sie. Sie fand den Ton vielseitiger, um etwas zu kreieren, das Verstorbene in Erinnerung behält.
Schnell geht es nicht
Bevor sie ihre erste Urne töpferte, musste sie einiges abklären. Sie informierte sich bei Bestattern und einem Krematorium. Beispielsweise über die Grösse: So braucht eine Urne für einen Erwachsenen ein Volumen von etwa drei bis vier Litern.
«Manchmal wünschen Angehörige aber auch eine Teilurne», erzählt sie. Das heisst, sie wollen einen Teil der Asche einer verstorbenen Person aufbewahren. Der Rest wird bestattet oder verstreut.
Wenn sie Urnen töpfert, geht sie dabei anders vor als bei ihren sonstigen Tonkreationen. «Ich nehme mir immer viel Zeit für ein Gespräch mit den Angehörigen», sagt sie. Ihr sei es wichtig, dass die Urne zur verstorbenen Person passe. Sie ist sich dabei ihrer Verantwortung bewusst.
Im Atelier in Wila stehen zwar auch gut 15 bereits vorgefertigte Unikate. Auf ihnen findet man Motive wie Blumen, Engel, einen Lebensbaum oder eine Taube. «Wenn man rasch eine Urne braucht, dann kann man eine solche nehmen», sagt sie.


Denn bis ein Stück fertig ist, dauert es über eine Woche. Das Trocknen des Tons nimmt dabei am meisten Zeit ein. «Die Abdankung kann ruhig etwas später stattfinden, wenn ein Mensch kremiert ist», sagt Diener. «Es gibt sowieso viel zu organisieren. Wieso muss alles so schnell gehen?»
Diener spart nicht mit Kritik: «In unserer Gesellschaft geben wir Trauer ohnehin immer noch viel zu wenig Platz.» Kurz nach dem Tod eines Angehörigen müsse man möglichst schnell wieder funktionieren.
Einen Grund dafür sieht Diener darin, dass viele nicht übers Sterben nachdenken wollen. Das treffe auch dann zu, wenn es um ein fehl- oder tot geborenes Kind gehe.
Diese Kinder nennt man Sternenkinder. Sara Diener töpfert auch kleine Urnen für sie. Es ist eine Herzensangelegenheit. Denn auch sie hat ein Kind während der Schwangerschaft verloren.

Ein Andenken hatte sie nicht. «Die Hebammen waren zwar sehr einfühlsam, aber den Weg, den Verlust zu verarbeiten, muss man selber gehen.» Sie hatte das Gefühl, sie müsse diesen Schmerz einfach aushalten und weitermachen.
Bestattungen von Sternenkindern sind heute vielerorts möglich. Manche Eltern wollen die Urne aber auch zu Hause aufbewahren. «So erhält das Kind weiterhin einen Platz im Leben der Familie», meint Diener. Es könne auch eine Dose ohne Asche aufgestellt werden, wo man zum Beispiel einen Brief an das Kind hineinlege.
Eine interessante Beobachtung hat die Töpferin aber bei Tierurnen gemacht. «Mit dem Tod gehen Menschen bei Tieren viel offener um», stellt sie fest. Die Asche eines geliebten Vierbeiners in der Stube aufzubewahren, sei normal geworden. Auch das Trauern scheine beim Verlust eines Tiers selbstverständlicher zu sein. «So sollte es auch bei Menschen sein.»
Diener hofft, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit mehr und mehr ihren Schrecken verliert. Sie ist überzeugt: «Das hilft uns, mehr im Hier und Jetzt zu leben.»