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Gesellschaft

Deshalb hängt in der Katholischen Kirche Zell der Haussegen schief

Die Katholische Kirchgemeinde Zell kommt nicht zur Ruhe. Das hat eine lange Vorgeschichte.

Von Frieden und Versöhnung wird auch in der katholischen Kirche in Kollbrunn gepredigt. In der Kirchgemeinde lodert aber ein Konflikt.

Foto: Bettina Schnider

Deshalb hängt in der Katholischen Kirche Zell der Haussegen schief

Verhärtete Fronten

In der Kirchgemeinde Zell brodelt es schon lange: Es geht um Strafverfahren, Machtkämpfe und die Aufgabenteilung in der Kirche. Ein Überblick.

Der heilige Antonius wird unter Katholiken oft angerufen. Sie beten um Hilfe, um etwas wiederzufinden. Ihm ist auch die katholische Kirche in Kollbrunn geweiht.

Doch in der dazugehörigen Kirchgemeinde Zell scheinen schon länger die Ruhe und der Frieden abhandengekommen zu sein.


> > Lesen Sie hier mehr zu den aktuellen Entwicklungen in der Gemeinde.


Das Strafverfahren gegen die Präsidentin

Im Sommer 2018 trat eine neue Präsidentin der Kirchenpflege ihr Amt an. Im März des folgenden Jahrs trat sie bereits wieder zurück – wegen interner Unstimmigkeiten.

Gegen die Frau wurde ein Strafverfahren eröffnet. Der Vorwurf: Amtsanmassung. Sie hatte eigenmächtig ihren Schwiegersohn als Katecheten eingestellt – zu einem höheren Lohn und mit einem höheren Pensum als von der früheren Kirchenpflege vorgesehen.

Im Sommer 2022 kam es zum Prozess vor dem Bezirksgericht Winterthur. Dieses sprach die Frau frei.

Ausschlaggebend dafür war, dass die frisch gewählte Kirchenpflegepräsidentin noch nicht offiziell im Amt war, als sie ihren Schwiegersohn einstellte. Dies hätte sie laut der Meldung aber sein müssen, um eine Amtsanmassung zu begehen. Laut dem Richter ist ihr Verhalten fahrlässig gewesen, aber nicht strafbar.

Zwist zwischen der Kirchenpflege und der RPK

Als die Präsidentin im März 2019 zurücktrat, war die Kirchenpflege nicht mehr beschlussfähig. Der Synodalrat, die Exekutive der Zürcher Katholiken, setzte einen Sachwalter ein. Dieser war bis im Februar 2020 im Amt.

Danach übernahm wieder die Kirchenpflege unter der Leitung einer neuen Präsidentin. Doch es folgten Spannungen zwischen der Pflege und der Rechnungsprüfungskommission (RPK). Dabei ging es vor allem um die Finanzplanung und geplante Renovationen.

So kam es an der Kirchgemeindeversammlung im Juni 2021 zum Eklat. Damals nahmen die Mitglieder auf Antrag der RPK die Jahresrechnung nicht an, und die Pflege zog kurzfristig zwei Baugeschäfte zurück. Zwei Mitglieder der Kirchenpflege traten sogleich zurück.

Im Herbst 2021 reichten die drei verbleibenden Mitglieder der Kirchenpflege samt Präsidentin ihren Rücktritt ein.

Es übernahm ein neues Dreiergespann. Mit Christian Palm als Präsidenten und Roland Bischofberger waren jetzt auch zwei ehemalige RPK-Mitglieder in der Kirchenpflege vertreten.

Der Knackpunkt mit dem dualen System

Ein glückliches Händchen schien auch die neue Kirchenpflege nicht zu haben. So wurde das Budget 2023 beispielsweise erst im zweiten Anlauf genehmigt.

Und nach weniger als zwei Jahren war schon wieder Schluss: Mitte Mai reichten alle Mitglieder der Kirchenpflege ihren Rücktritt ein. Sie begründeten ihren Entscheid unter anderem damit, dass zu viele Altlasten vorhanden seien und die Verantwortung intransparent aufgeteilt sei. «Das duale System funktioniert nicht», meinte der ehemalige Präsident Christian Palm letzten Sommer.

In der Theorie gibt es in der Katholischen Kirche hierzulande zwei Partner, die sich die Aufgaben im kirchlichen Leben teilen: die pastorale Seite, organisiert als Pfarrei – und die staatskirchenrechtliche Seite, organisiert als Kirchgemeinde. In Zell kam es aber zwischen den beiden Seiten immer wieder zu Problemen.

So warf Palm dem Synodalrat, der Aufsichtskommission und dem Generalvikar mangelnde Bereitschaft vor, die bestehenden Probleme anzugehen.

Die Vorwürfe der Kirchenpflege wiesen diese in einer gemeinsamen Stellungnahme zurück. Sie verwiesen auf zahlreiche Gespräche und Anstrengungen, eine Lösung zu finden.

Als Reaktion auf den Rücktritt der Kirchenpflege entzog der Synodalrat der Gemeinde die Selbstverwaltung und setzte einen Sachwalter ein. Sein Ziel ist es, dass möglichst schnell wieder eine funktionierende Kirchenpflege die Aufgaben übernehmen kann.

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