Sie pflanzen in Pfäffikon 100 Bäume für eine blühende Zukunft
Nach erfolgreichem Crowdfunding
Ernst Fahrni und Housi Suter starten auf dem Rickhof ihr Baumpflanzprojekt. Damit bereinigen sie ein dunkles Kapitel aus den 1970er Jahren.
Ein dumpfes Klopfen ist auf dem Hügel beim Rickhof in Pfäffikon zu hören. Das Geräusch stammt vom Rammeisen, welches Ernst Fahrni auf den Pfahl donnern lässt, der bald einen jungen Obstbaum stützen wird.
«Der Pfosten muss immer nach Westen ausgerichtet sein», sagt Housi Suter, der einen jungen Apfelbaum in den Händen hält. Fahrni pflichtet ihm bei, «ja, das habe ich auch so gelernt, das schlechte Wetter kommt häufig von Westen».
Zusätzliches Land kann gekauft werden
Fahrni und Suter trotzen der Kälte, um ihren Traum zu verwirklichen. Der Landbesitzer Fahrni und der Bio-Landwirt Suter haben sich zusammengetan, um auf dem Rickhof 100 Bäume zu pflanzen und diese später zu bewirtschaften. Dafür hatten sie ein Crowdfunding gestartet.
«Wir sind sehr dankbar, am Anfang harzte es, doch nun sind die 80’000 Franken zusammengekommen», erklärt Fahrni. Mit dem Geld wird zusätzliches Land für die Baumpflanzaktion gekauft. So kann auch eine gepachtete Parzelle langfristig gesichert werden. Blühende Bäume sollen künftig die 7,5 Hektar Land bedecken.
Früher blühten überall Apfelbäume
In der Kindheit hatte Fahrni jeden Frühling die rosa Blühten an über hundert Hochstammapfelbäumen bewundert, die auf dem Boden seiner Eltern wuchsen. Doch dann folgte ein düsteres Kapitel. Die Apfelbäume fielen einer heute kaum nachvollziehbaren Idee der Eidgenössischen Alkoholverwaltung zum Opfer.
Diese orchestrierte eine landesweite Baumfällaktion im Kampf gegen den Alkohol. Ganze Landstriche wurden kahl geschlagen. Schweizweit wurden zwischen 1950 und 1975 Millionen von Obstbäumen vernichtet. «Leider hat auch mein Vater bei dieser wahnsinnigen Aktion mitgemacht.» Auf dem Boden der Eltern von Ernst Fahrni hat man 119 Obstbäume umgerissen, und das Holz wurde verbrannt.

«Mit dem Geld, welches die Landwirte für jeden gefällten Obstbaum erhielten, kauften sie erst recht Alkohol», meint der heutige Landbesitzer. Ernst Fahrni fehlen die Bäume aus seiner Kindheit. «Ich will die Landschaft wieder so gestalten, wie sie früher war.»
Fahrni streut einen weissen, ascheähnlichen Staub in das Loch, welches er gegraben hat. «Das ist Steinmehl, das hilft dem Baum für einen guten Start.»
Ein weiterer Obstbaum kommt in die Erde und wird festgebunden. «Das Baummassacker hat bei mir Narben hinterlassen, es ist reinigend, nun diese Bäume zu pflanzen», meint Fahrni.
Baumpflanzaktion mit Verzögerung
Housi Suter hält einen weiteren Jungbaum bereit, welchen er bei einer Baumschule beschafft hat. Eigentlich wollten die beiden bereits im Herbst loslegen, doch der Start verzögerte sich. «Ich hatte mich noch verletzt, und es gab viel Niederschlag», sagt Suter. Gemeinsam wollen sie jetzt trotz der tiefen Temperaturen Baum für Baum pflanzen. «Die Kälte macht uns nichts aus, wir sind es uns gewohnt, draussen zu sein», meint der Landwirt. Im Frühling sollen alle Bäume bereits gepflanzt sein.
Die beiden haben bei der Arbeit das Bild von den goldenen Äpfeln vor Augen, die weit oben in den Hochstammbäumen wachsen werden. «Es ist eine Investition in die Zukunft, auch für die kommenden Generationen», sagt Suter.
Der 55-Jährige war früher Leiter des Bereichs Landwirtschaft am Wagerenhof in Uster und ist nun selbständig. Da Suter auch Sozialpädagoge ist, möchte er seine Fähigkeiten kombinieren. «Leute mit Beeinträchtigung sollen in Zukunft auf dem Rickhof eine sinnvolle Tagesstruktur geniessen.» Einen Teil der Äpfel werde man zu Most verarbeiten. «Ich habe eine kleine Obstpresse, nach einigen Jahren werden wir so viele Äpfel haben, dass wir in die Mosterei müssen.»
Blühendes Paradies für Flora und Fauna
Zwischen den Apfelbäumen sollen weitere Kern- und Steinobstbäume sowie Kastanienbäume gepflanzt werden. «Im Hinblick auf die Klimaerwärmung ist die Diversität wichtig», erklärt Suter.
Durch die Baumbepflanzung soll auch mehr Raum für Vögel und andere Tiere geschaffen werden. Zusätzlich sind auf den Wiesen bereits Steinhaufen zu finden, diese schaffen Lebensraum für kleine Lebewesen.
Das Rammeisen fällt erneut auf einen Pfahl. «Ich kann es schon vor mir sehen, wie die Obstbäume blühen», sagt Ernst Fahrni.