Wie zeuselnde Jungs 1942 für einen Grossbrand in Turbenthal sorgten
Sie wollten doch nur spielen
Auch wenn er 81 Jahre her ist: Noch immer erinnern sich einige Turbenthaler an den Brand von 1942 – und wieso es keine Konsequenzen für die Übeltäter gab.
Neben der Kirche in Turbenthal befindet sich der Mühleplatz. Hier hat es Parkplätze und seit der Sanierung des Kreisels auch einige Bäume und Sitzmöglichkeiten.
Doch bis 1942 stand zwischen dem heutigen Wohnhaus in der ehemaligen Mühle und dem Friedhof ein grosses Ökonomiegebäude. Anfang Dezember vor ziemlich genau 81 Jahren brannte es aber nieder. Immer noch scheinen einige Turbenthalerinnen und Turbenthaler über den Brand Bescheid zu wissen.
Anfang November schrieb Renate Gutknecht in der Serie «Tösstaler Häuser erzählen Geschichten» über die alte Mühle und den Brand des stattlichen Ökonomiegebäudes nebenan. In einem Teil davon war Baumwolle gelagert, die für ein grosses Feuer sorgte. Selbst als der Brand gelöscht war, mottete es noch tagelang.
Weisse Bärte
Ursprünglich berichteten wir, dass das Feuer in der Nacht ausgebrochen sei. Ein 90-jähriger ehemaliger Turbenthaler wusste es aber genauer. Er meldete sich bei Renate Gutknecht und teilte ihr mit, dass das Feuer bereits am Nachmittag loderte.
Er erinnere sich noch gut daran. Der ganze Lagerbestand an Baumwolle sei verbrannt. Die Brandursache sei gewesen, dass zwei Buben gezeuselt hätten.
Daraufhin meldete sich Ernst Harr bei der Redaktion. Er ist heute 70 Jahre alt und hat den Brand nicht selber miterlebt. Trotzdem weiss er einiges darüber zu erzählen. Er bestätigt, dass der Brand am Nachmittag ausgebrochen war – und er kennt auch Details über die Urheber des Brands.
«Es wurde nicht einfach nur gezeuselt», sagt er. Die Jungs aus der Nachbarschaft der Mühle wollten «chläuseln», sich also als Samichlaus verkleiden. «Das heisst, sie brauchten weisse Bärte.»




Fündig wurden sie offenbar bei den Baumwollballen in der Scheune. «Nur waren diese in ein Sacktuch eingepackt», erzählt er. «Die Jungs wollten die Umwicklungen aufbrennen, dachten aber nicht daran, dass Baumwolle schneller brannte als Sacktuch.»
Eine Unachtsamkeit mit Folgen: Die Baumwolle fing Feuer, und bald darauf wurde die Scheune von den Flammen verschluckt.
Verbarmen statt Konsequenzen
Davon erfahren hat Harr als Kind. Die Mutter eines der Buben hat ihn darüber aufgeklärt. «Eigentlich wollten die Jungs nur etwas Positives machen, was leider misslang», ist er überzeugt.
Pointierter äussert sich Walter Müller – ein Zeitzeuge des Brandes. Er war 1942 elf Jahre alt und kann sich bis heute gut an den Vorfall erinnern: «Es waren einfach Idioten», sagt er, «die in der Scheune ‹füürleten›.» Man könne von Glück sprechen, dass die Kirche verschont blieb.
Die Identität der beiden mutmasslichen Übeltäter lassen wir an dieser Stelle weg. Müller glaubt, dass sie damals 13 und 14 Jahre alt waren.
Gemäss Müller hatte ihr Handeln zumindest keine rechtlichen Konsequenzen. «Es waren ja noch Schulbuben, früher war das halt so», sagt er.
Das bestätigt auch Walter Lüssi. Der 86-Jährige war im Kindergarten, als die Scheune in Flammen aufging. «Man hatte eher Verbarmen mit den Buben, sie waren ja noch sehr jung.»
Sie hätten ja auch nichts Böses gewollt. «Und die Jungen waren natürlich sehr aufgewühlt und aufgebracht.»
Im Dorf gab es lange kein anderes Thema mehr. Lüssi kannte einen der Beteiligten persönlich, der später eine von seinen Schulkolleginnen heiratete. Er ist bereits verstorben.
Mit ihm über die Geschehnisse gesprochen hat Lüssi nie. «Das war ihm ja auch unangenehm.»
