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So funktioniert der Gratisladen in Turbenthal

Vor zehn Jahren hat Lisbeth Zanni die Give-Box erfunden – einen Gratisladen für gebrauchte Gegenstände. Auf die Idee brachte sie eine prägende Erfahrung.

Seit zehn Jahren gibt es die Give-Box in Turbenthal. Initiantin Lisbeth Zanni hofft, dass das Angebot noch lange besteht.

Fotos: PD

So funktioniert der Gratisladen in Turbenthal

Initiantin der Give-Box erzählt

Die Give-Box in Turbenthal gibt es seit zehn Jahren – und das Modell funktioniert. Möglich machen das freiwillige Helferinnen und Helfer.

Bei der Sammelstelle in Turbenthal kann man nicht nur alte Gegenstände entsorgen, sondern auch gebrauchte Dinge mitnehmen. Und zwar in der Give-Box. So heisst die Bring-und-Hol-Box, die immer am Dienstagnachmittag und am Samstagmorgen geöffnet ist.

Diesen Samstag feiert sie das 10-Jahr-Jubiläum. «Ich freue mich sehr, dass das Angebot schon so lange besteht und immer noch rege genutzt wird», sagt Lisbeth Zanni, die den speziellen Laden vor zehn Jahren ins Leben gerufen hatte.

Ein eigentliches Fest gibt es zum Jubiläum nicht, die Give-Box hat normal geöffnet. «Aber es sind einige Leute aus dem Team für einen Schwatz anwesend», sagt Zanni.

Und es gibt ein Rätsel für die Besucherinnen und Besucher, aber ohne einen Preis. Denn in der Give-Box sind die Gegenstände ohnehin gratis erhältlich.

Eine Garage und 400 Franken

Die zündende Idee für die Bring-und-Hol-Box verdankt Zanni einer persönlichen Erfahrung. Sie lebte mehrere Jahre in einer Gemeinschaft, die auf Geld verzichtete. «Das war für mich sehr eindrücklich.» Selbst als sie die Gruppe verlassen hatte, beschäftigte sie sich weiterhin mit der Thematik.

«Und ich wusste, dass es in anderen Gemeinden Orte gibt, wo Leute Gegenstände hinbringen können, die sie nicht mehr brauchen und weitergeben wollen», erzählt sie. Das brachte Zanni zu ihrem Plan.

Als im Sommer 2013 der neue Werkhof in Turbenthal eingeweiht wurde, stellte sie ihr Vorhaben an der Eröffnungsfeier vor. «Am Ende des Tags hatte ich eine Liste mit zwölf Telefonnummern zusammen», erinnert sie sich. «Alle von Leuten, die bei der Give-Box mithelfen wollten.»

Dank der Hilfe ihrer Nachbarin, der damaligen EVP-Gemeinderätin Erna Brüngger, konnte sie auch auf die Unterstützung der Gemeinde zählen. Brüngger engagiert sich bis heute für die Give-Box.

«Turbenthal stellte uns damals die Garage auf dem Werkhof zur Verfügung und 400 Franken für den Start», erzählt sie. Das reichte.

Denn die Verantwortlichen konnten bei der Sekundarschule zu einem günstigen Preis Gestelle kaufen. «Sie wollten diese sowieso loswerden, das hat gepasst.» Und vom Zivilschutz gab es gratis eine lange Kleiderstange.

Schnell wieder weg

Im November 2013 war die Give-Box Turbenthal dann startbereit. «Wir waren damals ein Team von gut zehn Personen, die das Angebot freiwillig betreuten», schildert Zanni. Heute engagieren sich etwa 20 Personen, die sich jeweils online für eine Schicht eintragen können.

Denn die Vorgabe der Gemeinde ist klar: Die Give-Box muss stets bedient sein. «Wir wollen auch nur Gegenstände, die ganz und sauber sind», betont sie. Dinge, die für den Abfall bestimmt sind, nehmen die Verantwortlichen nicht an.

«Es kommt immer wieder vor, dass wir Sachen ablehnen müssen.» Nicht immer wegen der Qualität, auch wegen des Platzes.

Man sieht Vater und Kinder, die eine Spielzeugkücke anschauen.
Diese beiden jungen Give-Box-Kunden haben ihr Auge auf eine Spielzeugküche geworfen. Solche Gegenstände bleiben oft nicht lange im Angebot. (Archiv)

Viele Gegenstände, die die Leute vorbeibringen, bleiben nicht lange in der Give-Box. «Ein altes Telefon ist immer schnell weg», sagt Zanni. Aber auch Kindersitze fürs Auto, schöne Kleider und Spielsachen sind sehr beliebt.

Beliebtes Geschirr

Zweimal pro Jahr muss das Team aber auch Ladenhüter ausmisten. «Dann werfen wir aber nicht einfach Dinge in den Abfall, sondern geben uns Mühe, möglichst viel zu recyclen», betont die Initiantin.

Das Give-Box-Team kontrolliert nicht, wer wie viel mitnimmt. «Manchmal haben wir schon den Verdacht, dass auch Leute Dinge einpacken, die sie wieder verkaufen wollen.»

Unterbinden könne man das aber nicht. «Wenn jemand aber hamstert, dann greifen wir schon ein.»

Es ist auch nicht immer gleich viel los. Aber an einem guten Samstag kommen 80 bis 100 Personen in die Give-Box, bringen Gegenstände vorbei und nehmen neue mit.

Beliebt ist das Angebot laut Zanni auch bei Geflüchteten, die in der Give-Box oft Einrichtungsgegenstände suchen. «Nachdem viele ukrainische Familien in die Schweiz gekommen waren, war vor allem Geschirr sehr beliebt», sagt sie.

Trotz dem Anklang bei der Bevölkerung habe es in all den Jahren nie grössere Probleme gegeben. Vermutlich auch deshalb sind viele freiwillige Helferinnen und Helfer schon seit Jahren dabei.

Die Sternenbergerin hofft, dass das Angebot noch lange weiterbesteht: «Denn man kann so viele Dinge noch wiederverwenden, anstatt sie zu entsorgen.» Und in der Give-Box sorge das meistens für doppelte Freude: Beim «Abgeber» und beim Empfänger.

Die Give-Box bei der Wertstoffsammelstelle auf dem Werkhof in Turbenthal ist am Dienstag von 16.30 bis 18.30 Uhr und am Samstag von 9 bis 12 Uhr geöffnet.

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