Beim geschützten Rundhöcker graben Bagger nach Kies
Grube in Wildberg eröffnet
Die Landschaft bei Schalchen wird sich für einige Jahre stark verändern. Bagger bauen seit September Kies ab – und füllen die Grube später wieder auf.
Die neue Kiesgrube beim Wildberger Dorf Schalchen liegt zwischen einem steil ins Tösstal abfallenden Wald und einem bewaldeten Hügel. Es ist der Rundhöcker Schöntal, der als geologischer Zeitzeuge geschützt ist. Seit September wird an seinem Fuss wieder Kies abgebaut.
Aufgrund der Landschaftsform sieht man die neue Grube erst, wenn man direkt vor ihr steht. Unten im Loch gräbt ein Bagger gerade Kies ab und belädt damit einen Lastwagen.

Dieser wird seine Fracht bald darauf in ein Kieswerk fahren, wo sie gewaschen und sortiert wird. Später entsteht daraus Beton, oder der Kies wird direkt verwendet, etwa im Strassenbau.
Alte Grube aufgefüllt
Kies ist für die Bauwirtschaft einer der wichtigsten Rohstoffe, praktisch in jedem Bauwerk hat es in irgendeiner Form Kies drin, sei es in Beton, Asphalt, oder Bahntrassees.
Glücklicherweise hat es im Zürcher Untergrund reichlich davon. Die Gletscher der Eiszeit haben diverse Kiesvorkommen hinterlassen, die grössten befinden sich im Norden des Kantons, etwa bei Marthalen oder im Rafzerfeld.
Aber auch im Zürcher Oberland lässt sich Kies unter der Erdoberfläche finden, so beim Rundhöcker Schöntal im Gebiet Täschen.
Wenige Hundert Meter weiter, im Gebiet Looren, wurde bereits jahrzehntelang Kies abgebaut. Seit 1965 hat man dort circa 1,4 Millionen Kubikmeter Gestein herausgeholt – bis sich die Grube vor wenigen Jahren erschöpfte.
Inzwischen ist sie zu grossen Teilen wieder aufgefüllt. Dies mit unverschmutztem Aushubmaterial von Baustellen aus der weiteren Region.
Zufrieden mit den Funden
Für den definitiven Abschluss der alten Grube wird auch Material aus der neu eröffneten Grube verwendet, wie Markus Ruff von der Kies AG erklärt.
Er zeigt auf die frisch freigelegten Erdschichten und sagt: Zuoberst seien die wertvollen Erdschichten zu sehen, in denen Pflanzen wachsen können, der Ober- und der Unterboden. Diese würden getrennt abgetragen und so deponiert, dass sie wieder verwendet werden können. Darunter folgen eine Lehmschicht und dann die vermuteten Kiesvorkommen. «Bislang sind wir mit den Funden zufrieden», sagt Ruff weiter. «Die Prognosen der Geologen waren sehr präzis.» Wie viel Kies aber tatsächlich eingelagert sei, werde sich erst im Verlauf des Abbaus zeigen.

Circa 13 Jahre lang soll im Gebiet Täschen nun Kies gewonnen werden – bis sich auch dieses Gebiet erschöpft. Danach wird es wie die alte Grube Looren wieder mit Aushub aufgefüllt und mit fruchtbarem Boden zugedeckt. Damit das Landschaftsbild um den geschützten Rundhöcker Schöntal nicht langfristig beeinträchtigt wird, gibt es genaue Vorgaben, wie hoch die aufgefüllte Grube wo werden darf. Dies, nachdem das Baurekursgericht einen Rekurs von Pro Natura gutgeheissen hatte.
Abbau langsam hochfahren
Das Tempo und die Intensität des Abbaus seien auch von der Nachfrage abhängig, sagt Ruff weiter. Anfahrts- und Abfahrtswege führen wie bereits bei der alten Grube über Wila und Schalchen, was auch schon Kritik auslöste. An der Wildberger Gemeindeversammlung im Sommer 2019 ärgerten sich Anwohnerinnen und Anwohner über allzu viele Lastwagenfahrten durchs enge Dorf. Worauf Markus Ruff darauf hinwies, dass die intensive Phase während des Auffüllens der Grube zeitlich beschränkt gewesen sei. Die Gesamtzahl an Fahrten sei übers Jahr hinaus limitiert und habe sich seit 1992 nicht verändert.
Seit Mitte September werden die Abfuhren nun langsam wieder hochgefahren, wie die Kies AG mit der Inbetriebnahme der neuen Grube mitteilte. «Wir sind bestrebt, die Intensität tief zu halten.»