Walder Kind nun mit Begleitung auf gefährlichem Chindsgi-Weg
«Schulbus auf Füssen»
Nicht alle Kinder werden von Schulgemeinden dem jeweils nächstgelegenen Kindergarten zugewiesen. Dies mussten auch Eltern in Wald erfahren.
Martina und Roman Neff wohnen mit ihrer Tochter, die seit dem Sommer in den Kindergarten geht, an der Dreilindenstrasse in Wald. Aufgrund der Gehdistanz und der Gefährlichkeit hätte nach ihrer Ansicht eine Zuteilung in den Kindergarten Neuhaus oder den Kindergarten Laupen Sinn ergeben.
Diese liegen rund 440 beziehungsweise 1050 Meter von ihrem Domizil entfernt und bieten einen kinderfreundlichen Kindergartenweg.
Die Schule Wald teilte ihre Tochter Ende Mai jedoch dem Kindergarten Jonastrasse zu. Dieser ist rund 1,5 Kilometer weit weg von ihrem Wohnort gelegen. Der Weg ist nicht nur länger, sondern aufgrund des Verkehrs auch viel gefährlicher.
Rekurs beim Bezirksrat
Nachdem sich die Eltern bei der Schulgemeinde beschwert und eine Begründung verlangt hatten, erhielten sie die Antwort, dass aufgrund des grossen Aufkommens an Kindergärtlerinnen und Kindergärtlern keine andere Option infrage komme.
Zumal eine Kindergartenklasse die Anzahl von 21 Kindern nicht überschreiten dürfe und der Schulgemeinde keine andere Möglichkeit bleibe, als die Kinder in verschiedene Kindergärten zu verteilen.
Mit dieser Begründung gaben sich die Eltern nicht zufrieden. «Dies deshalb, da die Klassengrösse nicht stärker als die Schulwegsicherheit gewichtet werden sollte», sagt Roman Neff.
Die Eltern rekurrierten beim Bezirksrat Hinwil gegen den Entscheid. «Wir verlangten, dass unsere Tochter dem Kindergarten Neuhaus oder dem Kindergarten Laupen zugeteilt wird», sagt Martina Neff.
Die eigenständige Bewältigung des Schulwegs sei eine Grundanforderung an den Kindergartenweg und gemäss ihrer Ansicht ein wichtiger Schritt in der Entwicklung ihrer Tochter. Diese Meinung teile schliesslich auch die Schulgemeinde. Dementsprechend müsse dieser in Bezug auf die Sicherheit, die Verkehrsbelastung und die täglich zurückzulegende Distanz kinderfreundlich sein.
«Der direkteste Weg von uns zu Hause bis zum Kindergarten Jonastrasse führt die stark befahrene Strecke zwischen Laupen und Wald entlang sowie unter dem unübersichtlichen Viadukt hindurch», sagt Martina Neff. Diese Strecke erachten die Eltern als die gefährlichste Strecke in Wald überhaupt.
Ein gefährlicher Weg
Dass es sich bei der besagten Strecke um eine gefährliche handelt, ist auch dem kantonalen Tiefbauamt bekannt. Unter anderem deshalb plant man per 2025 die Erneuerung der Laupenstrasse im Teilstück Ochsenkreisel bis nach der Bahnüberführung.
Vorgesehen sind ein neuer Kreisel sowie ein Tempo-30-Signal. Damit würde vor allem die unübersichtliche Kurve beim Viadukt entschärft.

«Die Überquerung der besagten Kantonsstrasse kann man einem Kindergartenkind trotz der bestehenden Fussgängerinsel nicht zumuten», sagt Martina Neff. Ein weiterer Grund sei die Dauer der Gehdistanz, die ihre Tochter zu bewältigen habe. «Der Weg von einer Stunde Marschzeit respektive zwei Stunden bei Nachmittagsunterricht führt unweigerlich zu Stress.»
Und da beide Elternteile in der Stadt Zürich arbeiten und die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, steht die Begleitung mit dem Auto ausser Frage. «Generell möchte auch die Schule nicht, dass Eltern ihre Kinder mit dem Auto hinfahren, doch wenn der Weg zu gefährlich ist, bleibt vielen keine andere Wahl», sagt Roman Neff.
Distanz zumutbar, Verkehrslage nicht
Der Bezirksrat Hinwil lehnte den Rekurs der Eltern als solchen ab. Die Schule Wald wurde nicht aufgefordert, die Kindergärtlerin in einen näher gelegenen Kindergarten umzuteilen. Dies unter anderem deswegen, da der längste Weg mit einer Distanz von 1500 Metern als zumutbar gilt.
Die mehreren an der Laupenstrasse einmündenden Strassen ohne spezifische Vortrittsregeln und Überquerungshilfen stufte der Bezirksrat für ein fünfjähriges Kinder allerdings als unzumutbar ein. Auch die Eisenbahnunterführung an der Laupenstrasse berge Risiken, die ein Kindergartenkind noch nicht abschätzen könne.
Gesetzt den Fall, dass Schüler oder Kindergärtler den Schulweg aufgrund der Länge oder der Gefährlichkeit nicht selbständig zurücklegen können, muss die Schulpflege auf eigene Kosten geeignete Massnahmen zur Schulwegsicherung anordnen.
Als Massnahmen gelten:
Transport mit dem Schulbus.
Übernahme von Abonnementskosten für den ÖV.
Einrichtung eines Begleit- oder Lotsendiensts.
Erstellung von Fussgängerstreifen an gefährlichen Strassen.
Der «Schulbus auf Füssen»
Die Schulgemeinde Wald entschied sich dazu, einen Begleitdienst einzuführen. Deshalb wird die Kindergärtlerin seit einer Woche nach Schulbeginn auf dem Kindergartenweg sowohl hin als auch zurück begleitet.
Diesen Service geniessen auch weitere Schulkinder, die einen eher gefährlichen Schulweg auf sich nehmen müssen.
Nach dem Entscheid des Bezirksrats habe die Schule zeitnah einen sogenannten Pedibus eingerichtet («Schulbus auf Füssen»). Dieser steht grundsätzlich Kindern im Alter zwischen vier und acht Jahren zur Verfügung, um den Schulweg sicherer zu gestalten.
«Der Pedibus begleitet Kinder zum Kindergarten Jonastrasse, wobei zwei verkehrsreiche Strassen zu passieren sind», sagt Schulpräsidentin Franziska Heusser Ammann (parteilos). Im Gegensatz zu Schulbussen, von denen in Wald täglich zwei im Einsatz seien, würden die Kinder so Schritt für Schritt auf die Sicherheit im Strassenverkehr herangeführt, damit sie später ihren Schulweg allein meistern könnten.
Für diese Aufgabe kämen jeweils Personen mit verschiedenen Funktionen infrage. Dies können Eltern sein, die ihre Kinder ohnehin auf dem Schulweg begleiten. Oder es werden Assistenten, Zivildienstleistende oder Praktikanten eingesetzt.
«Momentan ist es eine Assistenz, die täglich ein paar Kinder begleitet», sagt Heusser Ammann. Die Assistenz habe allerdings nicht extra für diese Dienstleistung eingestellt werden müssen, sondern sei Teil einer kleineren Gruppe an Personal, das die Schulgemeinde Wald fix angestellt habe und jeweils flexibel einsetze.
«Wir sind froh, dass nicht nur unsere Tochter, sondern auch andere Kinder vom Begleitdienst profitieren», sagt Roman Neff. Dennoch findet es der Vater bedenklich, dass erst ein Rekurs nötig war, bis die Schulgemeinde eine zumindest zur Sicherstellung der Schulwegsicherheit passable Lösung fand.
