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Walter Ledermann hat in Baumas Geschichtenschatz gegraben

Kaum einer weiss so viel über Bauma zu erzählen wie der Leiter des Chronikarchivs. Trotzdem will er im neuen Buch nicht belehrend sein.

Walter Ledermann hat 100 Baumer Geschichten zusammengetragen. In einer geht es auch um das Hagheerenloch.

Foto: Annabarbara Gysel/Christian Merz

Walter Ledermann hat in Baumas Geschichtenschatz gegraben

Buchprojekt im Tösstal

Von Industriellen mit Humor oder über explodierende Fässer bei der Feuerwehr: Bauma hat viele Geschichten zu erzählen. Der Leiter des Chronikarchivs hat 100 davon zusammengetragen.

Walter Ledermann kennt viele Geschichten und interessante Fakten aus Bauma. «Bei Dorfführungen habe ich immer wieder die Gelegenheit, einige davon zu erzählen», sagt der ehemalige Primarlehrer, der seit 2008 das Chronikarchiv der Gemeinde leitet.

Durch diese Arbeit fand er aber immer noch mehr Geschichten, die er gerne an die Baumerinnen und Baumer weitergegeben hätte. «Ich fragte mich natürlich zuerst: ‹Aber wie?›», erinnert er sich. Schnell hatte er dann die Idee, ein Buch zu schreiben.

Etwa vor fünf Jahren nahm er das Projekt in Angriff. 100 Geschichten hat Ledermann für sein Buch zusammengetragen – von der Eiszeit bis in die Gegenwart.

So hat es Erzählungen über die Spuren des Linthgletschers, den alten Landi, Adolf Guyer-Zeller oder die Brauerei. «Sie sind alle durch Quellen belegt, ich habe nichts hinzugedichtet», betont Ledermann. Am Ende des Buchs hat er deshalb ein Quellenverzeichnis eingefügt.

Bereichernd statt belehrend

Geleitet wurde Ledermann auch von seinen eigenen Interessen: Ihn fasziniert zum Beispiel, dass im Landesmuseum eine Freiheitstafel von Bauma aus der Zeit der Helvetik liegt, oder die Geschichte, wie es zur Weihnachtsbeleuchtung in Bauma kam. «Vermutlich hätte es noch viel mehr gegeben als diese 100 Geschichten.»

Trotzdem wollte er sich nicht in historische Details stürzen. Die Geschichten sollen für alle lesenswert sein, nicht nur für Leute, die ein grosses historisches Interesse mitbringen. Das Buch sei in einer einfach verständlichen Sprache gehalten, ohne viel Fachvokabular.

Ledermanns Ziel ist klar: «Ich will, dass Baumerinnen und Baumer, aber auch Heimweh-Baumer wieder mehr über ihr Dorf wissen», sagt er. «Vermutlich dringt da immer noch der ehemalige Lehrer in mir durch», ergänzt er lachend.

Schliesslich war er über 40 Jahre lang Primarlehrer. «Aber ich will nicht nur belehrend sein, die Geschichten sollen bereichernd sein und durchaus auch humorvoll.»

Das Kalb Guyer-Zeller

Darauf habe er auch bei der Erzählform geachtet. So zum Beispiel beim Kapitel über Adolf Guyer-Zeller. Dort hat Ledermann eine Anekdote eingefügt, die man sich so über den Industriellen erzählt.

«Guyer-Zeller gilt als strenger Mann», meint er. «Aber einst hat er einen Buben gefragt, was er vom Guyer-Zeller halte.»

Der Junge, der seinen einflussreichen Gesprächspartner offenbar nicht kannte, soll geantwortet haben: «Der ist ein Kalb.» Daraufhin habe Guyer-Zeller gelacht und ihm ein Frankenstück gegeben – ein ordentlicher Betrag im 19. Jahrhundert.


> > Lesen Sie hier die Geschichte über Adolf Guyer-Zeller


Für seine Geschichten hat Ledermann nicht nur im Chronikarchiv gegraben, er hat auch mit vielen Baumerinnen und Baumern gesprochen. Ausser bei einer, an die kann er sich selbst noch gut erinnern.

«1994 gab es ein grosses Zugunglück in Altstetten», erzählt er. Ein Kesselwagen eines Güterzugs transportierte Benzin, das sich entzündete. Es gab einen Grossbrand.

«Und als Reaktion darauf haben wir auch in der Feuerwehr Bauma einen solchen Brandfall geübt.» Ein mit Gas gefülltes Fass wurde angezündet. «Und die Feuerwehrleute standen alle interessiert drum herum, bis es auf einmal ‹bum› machte.» Das Fass katapultierte es hoch in die Luft. Verletzte gab es keine, aber eine gute Geschichte über das fliegende Fass von Bauma.

«Unbezahlbar»

Ledermann hat nicht nur alle Geschichten zusammengetragen und niedergeschrieben. Er hat auch das ganze Buchlayout selber gemacht.

«Die Arbeitsstunden könnte man nicht zählen und schon gar nicht bezahlen», sagt Ledermann. Doch damit er 1000 Exemplare seines Werks drucken konnte, haben ihn die Gemeinde, die Gemeinnützige Gesellschaft und die Stiftung Pro Sternenberg unterstützt.

Geplant ist, das Buch nun an alle Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger abzugeben. Ledermann freut sich: «Der Gemeinderat und vor allem Gemeindeschreiber Roberto Fröhlich finden eine solche Sammlung von Geschichten sehr spannend.»

Vernissage und Buchverkauf

Die Vernissage zum Buch «100 Baumer Geschichten» von Walter Ledermann findet am Mittwoch, 15. November, um 18.30 Uhr im Gasthof zur Tanne in Bauma statt. Die Begrüssung macht Gemeindepräsident Andreas Sudler, die Laudatio hält Gemeinderätin Karin Götz.

Für die musikalische Unterhaltung sorgen Sabine Kappeler-Häberlin (Querflöte) und Sayuri Jäggin (Gitarre). Im Anschluss sind alle Gäste zum Apéro eingeladen.

Das Buch kann an der Vernissage erworben werden – zum Spezialpreis von 24 Franken. Zudem ist es im Anschluss für 28 Franken direkt bei Walter Ledermann, im Heimatwerk in Bauma sowie bei Obergass Bücher in Winterthur erhältlich.

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