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Zoff um geplante Alterswohnungen beim Haus der Stille in Wildberg

Die Baubewilligung ist noch nicht erteilt. Deshalb wappnen sich einige Nachbarn trotzdem für den Kampf gegen die Alterswohnungen in Wildberg.

Die Baugespanne in Wildberg stehen schon eine Weile. Und der Konflikt um die geplanten Alterswohnungen wird vermutlich nicht so schnell beigelegt.

Foto: PD

Zoff um geplante Alterswohnungen beim Haus der Stille in Wildberg

Stiftung erscheint Nachbarn dubios

Wenn zwei sich streiten, schaltet sich der Dritte ein: Einigen Nachbarn gefällt das Projekt für Alterswohnungen in Wildberg nicht. Vor allem die Rolle der Stiftung hat für sie viele Fragezeichen.

Es ist eigentlich ein Streit zwischen der Gemeinde und den Bauherren: Seit eineinhalb Jahren ist das Baugesuch der Stiftung Good Samaritans für 15 Alterswohnungen und einen zusätzlichen Anbau beim Haus der Stille in Wildberg hängig.

Die Stiftung fühlt sich schikaniert, der Gemeindepräsident spricht von sorgfältigen Abklärungen, die gemacht werden müssten. Entschieden ist also noch nichts, und trotzdem formiert sich bereits Widerstand in der Nachbarschaft.

«Wir sind etwa ein Dutzend Parteien aus der Nachbarschaft, die mit dem Projekt nicht einverstanden sind», sagt Pierre-Yves Martin.

Er wohnt seit sieben Jahren mit seiner Familie gleich gegenüber dem Haus der Stille und wäre vom Bau der Alterswohnungen direkt betroffen. «Deshalb haben wir auch den Lead innerhalb der Nachbarschaft übernommen.»

«Riesenklotz»

Ihm ist wichtig zu betonen, dass er kein generelles Problem mit dem Haus der Stille hat. Dort bietet der Verein Oase Wildberg einen Ort der Spiritualität und des Rückzugs mit Kursangeboten und Übernachtungsmöglichkeiten.

«Und ich habe auch nichts gegen Alterswohnungen für Wildberg, aber in dieser Form geht das einfach nicht.» Als die Stiftung Good Samaritans das Haus der Stille vor drei Jahren erwarb, stand das Projekt für Alterswohnungen bereits im Raum. «Damals dachten wir noch, das sei sicher ein kleines Projekt, zwei oder drei Wohnungen für alternde Wildbergerinnen und Wildberger.»

Doch stattdessen sei ein «Riesenklotz» geplant, sogar mit Tiefgarage mit 24 Einstellplätzen. Der Bau würde auch die Aussicht von Martins Haus aus stark einschränken.

Besteht Bedarf?

Ein Wohnbau dieser Grösse ist nur möglich, weil das Haus der Stille in der Zone für öffentliche Bauten steht. In einer solchen Zone gelten weniger strenge Auflagen als in einer normalen Bauzone. Dort erlaubt das Zürcher Planungs- und Baugesetz auch den Bau von Alterswohnungen.

Trotzdem haben Martin und seine Mitstreiter ihre Zweifel. «Das Haus ist für Wildberg völlig überdimensioniert», ist er überzeugt. Er glaubt deshalb nicht, dass die Stiftung Good Samaritans die Wohnungen an Seniorinnen und Senioren des Dorfs vermieten kann. Ein solcher lokaler Nutzen muss gemäss seinem Anwalt in einer Zone für öffentliche Bauten aber vorhanden sein.

Der Gemeinderat scheint ähnliche Bedenken zu haben, wie Gemeindepräsident Dölf Conrad (SVP) kürzlich bestätigte: «Nach unserer Erfahrung leben die älteren Leute in der Gemeinde, so lange es geht, zu Hause und gehen dann, wenn nötig, in ein Alters- und Pflegeheim.»

Heiner Henny, der Stiftungsratspräsident, sieht dies hingegen dezidiert anders. In seinen Augen ist das Interesse gross, auch bei Wildbergerinnen und Wildbergern. «Wir haben seit Baueingabe immer wieder Anfragen von Personen aus der Gemeinde.»

Fragezeichen bei Stiftung

Doch das ist nicht das einzige Problem am Bau für die Nachbarn: «Ein drei- oder vierstöckiger Terrassenbau passt hier auch nicht ins Quartier- und Dorfbild», argumentiert Martin.

Er hat deshalb, nachdem das Baugesuch veröffentlicht worden war, zusammen mit seiner Partnerin und anderen Anrainern den Baurechtsentscheid angefordert und gleichzeitig einen Anwalt konsultiert, um die Rechtsgrundlagen zu klären.

«Wir begrüssen es sehr, dass der Gemeinderat das Baugesuch sorgfältig prüft», sagt Martin. Denn ihm sind seine neuen Nachbarn ziemlich suspekt. «Wir haben es mit einer Stiftung zu tun, über die man fast nichts weiss», meint Martin.

Wir fragen uns einfach, ob da auch private finanzielle Interessen im Spiel sind.

Pierre-Yves Martin

Nachbar

«Und wenn man etwas nachforscht, findet man heraus, dass viele Mitglieder des Stiftungsrats auch an der Baufirma beteiligt sind, die das Bauprojekt realisieren soll.» So ist auch der Sitz der Stiftung Good Samaritans in Liestal BL am Sitz der Immobilienfirma Forum Raurach AG.

Dort ist Philippe Beyeler, der Mitglied des Stiftungsrats ist, laut dem Handelsregistereintrag Verwaltungsrat. Und Stiftungsratspräsident Heiner Henny war bis im März ebenfalls als Mitglied des Verwaltungsrats eingetragen.

«Das löst bei uns einfach Fragezeichen aus», sagt Martin. «Ich unterstelle der Stiftung aber nicht, dass ihre Aktivitäten illegal sind. Das ist ein moralisches Problem», ergänzt er. «Wir fragen uns einfach, ob da auch private finanzielle Interessen im Spiel sind.»

Persilschein von Aufsichtsbehörde

Das streitet Stiftungsratspräsident Heiner Henny vehement ab. «Die beruflichen Aktivitäten in der Baubranche und die Gelder der Stiftung sind strikt getrennt», betont er. «Unsere Firma unterstützt die Stiftung Good Samaritans finanziell immer wieder zusammen mit anderen grösseren Spendern.»

Die Stiftung sei gemeinnützig. «Und das wird auch von der Stiftungsaufsicht überprüft.»

Kürzlich sei, vermutlich von jemandem aus Wildberg, sogar eine Beschwerde bei der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht (ESA) eingegangen. «Wir haben im Anschluss unsere Tätigkeiten in Zusammenhang mit dem Bauprojekt offengelegt», erklärt er. «Die Aufsicht hatte nichts zu beanstanden.»

Er kann nicht nachvollziehen, wieso die Stiftung für viele Wildbergerinnen und Wildberger rätselhaft ist. «Wir haben kürzlich Flyer in alle Haushalte verschickt, und dort steht sogar unsere Website drauf», sagt Henny. Gemäss Informationen der Stiftung Switch ist die Domain good-samaritans.ch jedoch erst seit dem Juli dieses Jahrs registriert.

Alterswohnungen oder altersdurchmischt?

Die Zweifel von Pierre-Yves Martin und weiteren Nachbarn hören aber nicht bei der Stiftung auf. «Werden hier denn wirklich Alterswohnungen gebaut?», fragt er sich. Und er erzählt vom Tag der offenen Tür im Haus der Stille im Februar.

«Dort gab es Führungen, und der neue Leiter des Hauses der Stille hat von altersdurchmischtem Wohnen gesprochen, Familien und ältere Leute zusammen im selben Haus.» Das hätten auch andere Leute so wahrgenommen.

Seit Anfang Jahr ist Hannes Spyrig neuer Leiter im Haus. Stiftungsratspräsident Henny hat mit ihm über die angeblichen Aussagen gesprochen: «Was er auf Fragen von Besuchern genau gesagt hat, daran kann er sich nicht mehr im Detail erinnern», teilt Henny mit.

Spyrig ist vom Verein Oase Wildberg angestellt, nicht von der Stiftung. Trotzdem nimmt ihn Henny in Schutz: «Er hatte damals noch gar keine genauen Kenntnisse vom Projekt.» Die Baueingabe sei auch vor seiner Anstellung erfolgt. Es müsse sich um ein Missverständnis handeln.

«Bei unserem Projekt geht es um zonenkonforme Alterswohnungen», betont Henny, «die an Personen ab 60 Jahren vermietet werden sollen.»

Über 50 Jahre geduldet

Dass Alterswohnungen prinzipiell der Bauzone entsprechen, dem widerspricht auch Pierre-Yves Martin nicht. «Aber der Anbau ist bestimmt nicht zonenkonform», meint er. Denn neben dem Bauprojekt für Alterswohnungen plant die Stiftung auch eine Erweiterung für das Haus der Stille mit neueren, moderneren Zimmern.

Man sieht eine Karte mit dem geplanten Anbau und den Alterswohnungen beim Haus der Stille.
Das Grundstück beim Haus der Stille liegt in der Zone für öffentliche Bauten. Ein Teil davon soll nun für einen Anbau und Alterswohnungen genutzt werden.

«Ein kommerzieller Seminarbetrieb dürfte in der Zone für öffentliche Bauten nicht erlaubt sein», sagt Martin. Ihm sei dabei bewusst, dass der Betrieb schon seit Jahren existiere und die Gemeinde dies anscheinend nicht beanstandet habe. «Aber einen Ausbau sollte man unter diesen Gesichtspunkten sicher nicht unterstützen.»

Heiner Henny hat dafür kein Verständnis. «Seit 53 Jahren wird das Haus der Stille in seiner heutigen Form genutzt, damals ging das ehemalige christliche Kindergärtnerinnenseminar zu.» Wieso genau jetzt die Bauzone beanstandet werde, sei ihm schleierhaft. «Die Bau- und Zonenordnung von Wildberg stammt aus dem Jahr 2005, damals war das anscheinend kein Problem.»

Keine Drohung

Klar ist, dass ein Rechtsstreit um die Alterswohnungen droht. Sowohl Gemeindepräsident Dölf Conrad als auch Henny haben bereits angekündigt, dass sie eine gerichtliche Auseinandersetzung nicht scheuen.

Und auch die Nachbarn zeigen sich kampfbereit. «Sollte die Baubewilligung tatsächlich erteilt werden, werden wir bestimmt Rekurs einlegen. Das Projekt hat einfach zu viele Ungereimtheiten», sagt Pierre-Yves Martin.

Wir können einen solchen Geldabfluss unseren Spendern gegenüber nicht verantworten.

Heiner Henny

Stiftungsratspräsident Good Samaritans

Wie es indessen mit dem Haus der Stille weitergeht, ist offen. Kürzlich hat Stiftungsratspräsident Henny angekündigt, dass das Haus allenfalls als Unterkunft für Asylsuchende dienen könnte. «Ich will das aber nicht als Drohung verstanden haben», betont er.

«Die Stiftung hat in den letzten drei Jahren insgesamt mehrere hunderttausend Franken für Reparaturen, Betriebskosten, Planungskosten, Defizitübernahme ausgegeben», sagt er. «Auch wenn die Stiftung finanziell keine Probleme hat, können wir einen solchen Geldabfluss unseren Spendern gegenüber nicht verantworten, vor allem wenn sich das Verfahren in die Länge zieht.»

Denn die Stiftung habe auch Verantwortung übernommen für dringend notwendige Projekte in der Dritten Welt. «Im Übrigen sind Asylunterkünfte nichts Verwerfliches, sondern eine Aufgabe des Staats.»

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