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Jakob Wolfensberger war ein Patron in jeder Hinsicht

Jakob Wolfensberger hat die Giesserei Wolfensberger in Bauma gegründet. Er war aber kein einfacher Mensch. Das zeigt eine neue Biografie.

Jakob Wolfensberger (hier in einer Aufnahme von 1950) hat die Giesserei Wolfensberger gegründet. So wurde in seiner Giesserei 1943 gearbeitet.

Fotos: PD

Jakob Wolfensberger war ein Patron in jeder Hinsicht

Neue Biografie über Baumer Unternehmer

Er gründete eine Giesserei, war Geschichtsfreund und Wohltäter – und gleichzeitig ein Unternehmer mit harter Hand. Die vielen Seiten des Jakob Wolfensberger soll eine Biografie beleuchten.

Die Burgruine Altlandenberg ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Gemeinde Bauma. Von hier aus hat man einen guten Blick auf das Dorf und kann sogar die Giesserei Wolfensberger erkennen.

Ihr Firmengründer Jakob Wolfensberger hat die Burgruine in den Fünfzigerjahren gekauft und von 1958 bis 1963 ausgegraben. «Es war vermutlich Ausdruck seiner Heimatverbundenheit und seines Geschichtsinteresses», sagt der Wilemer Historiker Wolfgang Wahl. Ein Beleg dafür, wie vielseitig das Leben des Baumer Unternehmers war.


> > Die Firma in neuen Händen: So viel Wolfensberger steckt noch in der Baumer Giesserei


Wahl hat sich intensiv mit Jakob Wolfensberger auseinandergesetzt. Über vier Jahre hat er im Auftrag der Familie an einer Biografie gearbeitet und ein Archiv aufgebaut. Er hat dabei nicht nur Akten aus der Firmengeschichte und dem Nachlass studiert, sondern auch Interviews mit Nachkommen geführt.

Giesserei-Patron und Hobby-Archäologe

Die Burgruine ist bis heute im Besitz der Familie, soll aber bald an die Gemeinde übertragen werden. Der Ausgrabung hat sich Jakob Wolfensberger gewidmet, als er die operative Leitung der Firma an seine Söhne übertragen hat.

Besonders wissenschaftlich ist der Giesserei-Patron dabei nicht vorgegangen. «Die Familie war lange Zeit nicht glücklich, dass die Kantonsarchäologie zahlreiche seiner Funde abgenommen hat, auch wenn das rechtlich korrekt ist», meint Wahl.

Die Burg ist gemäss heutigem Forschungsstand vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut worden. «Jakob Wolfensberger ging hingegen davon aus, dass dieser Hügel hier seit 5000 Jahren bewohnt ist», erläutert der Biograf.

Jakob Wolfensberger hatte wohl generell Mühe, andere Meinungen zu akzeptieren.

Wolfgang Wahl

Biograf

Und da die Wissenschaft, also Historiker und Archäologen, seine Meinung nicht übernehmen wollte, veröffentlichte er kurzerhand selber Publikationen dazu. «Seine Bibliothek war voll von Büchern zu Geschichte und Archäologie.» Wenn Wolfensberger etwas tat, tat er es mit Leidenschaft.

Zuerst gescheitert

Auch die Familiengeschichte der Landenberger interessierte ihn. Und er sah seine Familie selbst als Nachkommen von einstigen Rittern – auch wenn es dafür keine Indizien gibt.

«Jakob Wolfensberger hatte wohl generell Mühe, andere Meinungen zu akzeptieren», resümiert Wahl. «Eine Diskussion war für ihn meist nur eine Diskussion, wenn am Schluss seine Meinung obsiegte.» Er blieb stets hartnäckig.

Dies zeigt sich auch in Wolfensbergers Werdegang: Er kam eigentlich aus einer Textilarbeiterfamilie und bildete sich am Technikum in Winterthur aus. Später arbeitete er in mehreren Betrieben – als Textilmaschinenzeichner. «Er wurde dann aber Leiter der Giesserei eines Arbeitgebers», sagt Wahl.

Mann auf Burghügel mit Blick auf ein Dorf
Wolfgang Wahl hat mehrere Jahre an der Biografie gearbeitet.

Später versuchte der Baumer, in Albisrieden seine erste Giesserei zu betreiben – und scheiterte konjunkturbedingt. Weg waren damit auch seine Ersparnisse. Kurzzeitig arbeitete er wieder als Angestellter und betrieb gleichzeitig einen Holzhandel. «Er hatte sich aber in den Kopf gesetzt, eine eigene Giesserei zu haben.»

1924 kehrte er nach Bauma zurück und pachtete zuerst eine Giesserei in Steg. Möglich machte das auch ein alter Schulkollege: Jacques Jucker, der damalige Besitzer der Weberei Grünthal in Juckern, gewährte ihm mehrmals ein Darlehen. Dieser half ihm auch dabei, den neuen Standort der Giesserei in Bauma, die ehemalige Walzmühle, zu erwerben.

Vom ärmsten zum reichsten Baumer

«Bis zum Zweiten Weltkrieg haben wir noch sehr detaillierte Firmenunterlagen», erklärt Wahl. «Die etwas neueren Dokumente sind wegen der Eigentümerwechsel in den vergangenen Jahren etwas dürftiger.»

Die Entwicklung der Firma verlief bis 1945 schwierig. Ein Erfolgsprodukt war in den Deissigerjahren aber die sogenannte Wolf-Schwinge, eine Waschzentrifuge. «Heute sieht man davon immer noch einige in Gärten stehen, als Blumentopf.» Zudem belieferte die Giesserei die Bührer Traktorenfabrik, die ihre Produktionsstätte in Bäretswil und später in Hinwil hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Produktion allmählich an. «War Wolfensberger in den Zwanzigerjahren noch der wohl ärmste Baumer, gehörte er nach dem Krieg zu den reichsten», sagt Biograf Wahl.

Söhne «verpfuschten» alles

Seine Firma führte er weiterhin mit eiserner Hand. Bis 1950 immer an seiner Seite war seine Frau Mina, die unter anderem die Buchhaltung führte.

Als seine Söhne die Firma weiter spezialisieren wollten, war er damit gar nicht einverstanden.

Wolfgang Wahl, Biograf

Für den Firmenpatron war klar, dass auch seine fünf Söhne ins Unternehmen einsteigen müssen. «Und die drei Töchter mussten Handarbeitslehrerinnen werden», sagt Wahl. Die Aktien, die den Kindern eigentlich nach dem Tod der Mutter zustanden, gab er ihnen erst viel später.

«Als seine Söhne die Firma weiter spezialisieren wollten, war er damit gar nicht einverstanden.» Und dies, obwohl die Entwicklung des Spezialgusses für Einzelteile wohl bis heute das Überleben der Firma sichert. «Für ihn war alles verpfuscht, als seine Söhne eine andere Meinung hatten.»

Selbst in fortgeschrittenem Alter habe der Unternehmer noch die Produktionshallen besucht. «Wenn die Arbeiter von Weitem das ‹Tock, tock, tock› seines Gehstocks hörten, seien sie vor Schreck erstarrt», erzählt Wahl.

Wolfensberger habe mit strengem Blick jeden Fehler gesehen und sich trotzdem bei den Angestellten erkundigt, wie es der Familie gehe. «Er war ein Patron in jeder Hinsicht», meint der Historiker.

Ein breites Meinungsspektrum

Wolfensberger, der 1971 starb, aber nur als strengen Unternehmer zu sehen, blendet grosse Teile seines Lebens aus. Er zeigte sich auch oft von seiner grosszügigen Seite. «Zumindest, sobald er das Geld dazu hatte», sagt Wahl. So führte er schon früh eine zweite Säule für die Angestellten ein oder baute Wohnungen für Arbeiter aus Italien.

«Wir wissen auch, dass einer seiner Angestellten ein Kind mit einer Behinderung hatte und Wolfensberger ein Drittel der Kosten für die Pflege übernahm», sagt Wahl. Zudem schickte er nach dem Zweiten Weltkrieg viele Hilfspakete nach ganz Europa oder nahm Ferienkinder aus dem Ausland auf.

All diese Seiten von Jakob Wolfensberger versuchte Wahl, in seiner Biografie zu beleuchten. In den Interviews, die er mit Mitgliedern der Familie führte, zeigte sich auch das ganze Meinungsspektrum zum Firmengründer: «Meinungsverschiedenheiten sind in so einer Familienkonstellation unausweichlich.»

Das Buch «Jakob Wolfensberger – Unternehmer, Geschichtsfreund, Wohltäter» von Wolfgang Wahl ist im Chronos Verlag erschienen und demnächst im Buchhandel erhältlich.

An einer familieninternen Vernissage wird nächsten Samstag in Bauma die Biografie in Bauma vorgestellt. Dabei werden die Anwesenden auch von einem entstehenden Dok-Film erfahren. Und die Gemeinde Bauma erhält symbolisch den Burghügel Alt-Landenberg.

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