In der Heizzentrale Bauma wird jetzt eingefeuert
Der Wärmeverbund ist bereit
Die Feuertaufe ist geglückt: Der erste Ofen des Wärmeverbunds Bauma ist bereits in Betrieb – und bald voll ausgelastet. Und die Aktiengesellschaft hat weitere Pläne.
Am Donnerstag war so weit: Nach langer Planungsarbeit und einem beigelegten Rekurs konnte der Fernwärmeverbund Bauma seine Heizzentrale beim Kindergarten Altlandenberg feierlich einweihen. Dies nach einer Bauphase von nur gerade fünf Monaten.
Die Freude war den Verantwortlichen anzusehen. Allen voran Verwaltungsratspräsident Rudolf Rüegg, der auch Mitglied (parteilos) im Baumer Gemeinderat ist. «Wir starten eigentlich mit voller Auslastung», sagte er. «Das hätte ich mir nie träumen lassen.»
Der eine von zwei Öfen in der Zentrale ist nun in Betrieb. Durch ein Fenster in der Anlage konnte man sogar einen Blick auf das lodernde Feuer erhaschen.
Heizzentrale liefert Wärme fürs «Halli»
In den nächsten Tagen werden sukzessive weitere Liegenschaften Wärme aus regionalem Holz beziehen. Laut Rüegg wird das Alters- und Pflegeheim Böndler in den nächsten Tagen angeschlossen. «Und wöchentlich kommen dann weitere dazu.»
Insgesamt gehören etwa 70 Liegenschaften dem Verbund an. «Selbst während der Bauphase haben wir noch neue Abnehmer gefunden», schwärmte der Verwaltungsratspräsident. Auch das Hallenbad wird bei seiner Eröffnung nächsten Frühling ans Netz angeschlossen.
Ganz fertig gebaut ist die Heizzentrale aber noch nicht. Baugerüste sind immer noch zu sehen. Und Rüegg musste seine Rede kurz unterbrechen, da es wegen der Bauarbeiten kurz etwas zu laut wurde. Das tat der Freude aber keinen Abbruch, während man sich mit Weisswein oder Schorle und einem Sandwich über das Erreichte unterhielt.
Einen langen Atem
Die Pläne, einen Holzwärmeverbund in Bauma aufzubauen, gab es schon lange. Schon vor 27 Jahren hatte der jetzige Verwaltungsrat Max Bosshard die Idee. Doch damals rannte er damit noch keine offenen Türen ein.
Am jetzigen Projekt wird gemäss Rüegg seit 2018 gearbeitet. «Da haben wir gemerkt, jetzt könnte es klappen», sagte er. «Die Akzeptanz ist heute eine ganze andere als noch vor 20 Jahren.»
Aktionäre schnell gefunden
Nach der erstellten Machbarkeitsstudie ging die Gemeinde im Frühling 2020 auf die Suche nach Geldgebern, also künftigen Aktionären. «Und es war sehr einfach, diese zu finden», erinnert sich Verwaltungsrat Rudolf Bertels.
Die Aktiengesellschaft wurde Anfang 2022 gegründet. Das Aktienkapital beträgt heute rund eine Million Franken, angestrebt waren 600’000.
Die Gemeinde ist ebenfalls Aktionärin, besitzt laut Gemeindeschreiber Roberto Fröhlich aber nur rund 15 Prozent der Aktien. Für den Bau und den Betrieb der Anlage ist die Wärmeverbund Bauma AG zuständig. Sie zahlt auch einen Baurechtszins für das Land neben dem Kindergarten.
Trotzdem haben die Stimmberechtigten im Herbst 2020 eine Bürgschaft von 1,5 Millionen Franken für den Wärmeverbund gutgeheissen. So konnte sich der Wärmeverbund ein Darlehen zu guten Konditionen sichern. «Aber solange es läuft, müssen wir davon nichts zahlen», sagte Fröhlich.
Standort gab zu reden
Diese Bürgschaft war an der Gemeindeversammlung noch umstritten, genauso wie der Standort der Wärmezentrale. Denn beim Kindergarten Altlandenberg mussten dafür einige Bäume weichen – das sogenannte Spielwäldchen für die Kindergartenkinder.
Pro Jahr wächst etwa das Fünfzehnfache von dem nach, was wir hier verheizen können.
Roberto Fröhlich
Gemeindeschreiber
Das führte zu Protesten aus der Lehrerschaft. Schulpräsidentin Karin Inauen (SVP) zeigte gewisses Verständnis für den Unmut. «Es ist immer schwer, etwas herzugeben», sagte sie im Frühling des letzten Jahrs.
Auch die Schulpflege hätte sich die Heizzentrale lieber an einem anderen Standort gewünscht, doch es gab schliesslich keine Alternative.
Ausbau möglich?
Rudolf Rüegg hofft, dass im nächsten Winter dann beide Öfen der Heizzentrale in Betrieb sind. Und wie geht es weiter? «Wir können uns einen Ausbau vorstellen», liess er auf Nachfrage durchblicken. Auf genaue Pläne wollte er trotzdem noch nicht eingehen.
Klar ist: Holz hat es in Bauma und der Umgebung genug. «Pro Jahr wächst allein in der Gemeinde etwa das Fünfzehnfache von dem nach, was wir hier verheizen können», sagte Gemeindeschreiber Fröhlich.
Auch wenn der Holzpreis Schwankungen unterliegt, kann der Wärmeverbund laut Verwaltungsrat Rudolf Bertels einen «konkurrenzfähigen» Preis abliefern. Aktuell bezahlt man pro Kilowattstunde 10 Rappen.
Mehr ins Detail wollte Bertels aber nicht gehen: «Denn es ist ja immer eine Mischrechnung aus Anschlussgebühr, Grundgebühr und dem effektiven Energiepreis.»
Tag der offenen Tür
Die Wärmeverbund Bauma AG plant bereits, an der Gewerbeausstellung Bauma im kommenden Frühjahr der Bevölkerung einen Einblick in die Heizzentrale zu geben. Genauere Informationen folgen rechtzeitig.