Kirche Eulachtal bedankt sich bei treuen Steuerzahlern
Reaktion auf Austritte
Wie vielen anderen Kirchen laufen auch derjenigen im Eulachtal die Schäfchen davon. Mit einer Karte wollen die Verantwortlichen nun ein Zeichen setzen, auch wenn der Erfolg ungewiss ist.
Die Mitglieder der Kirche Eulachtal hatten vergangene Woche eine spezielle Karte im Briefkasten. «Auch wenn Sie nicht jeden Sonntag den Gottesdienst besuchen, auch wenn Sie das Leben unserer Kirchgemeinde eher von der Ferne kennen: Danke», ist in dieser zu lesen.
Absender war die Reformierte Kirchenpflege Eulachtal sowie das Pfarrteam und Mitarbeitende der Gemeinde. «Wir wollten mit der Karte all unseren Mitgliedern aufzeigen, was mit ihrem Steuergeld für die Kirchgemeinde geschieht», sagt Verena Wüthrich. Die Schlatterin ist Präsidentin der Kirchenpflege.
So steht in dem Schreiben, dass man unter anderem Menschen in Not helfe, sinnvolle Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen finanziere und zu einem schöneren Ortsbild beitrage.
Meist ein Standardschreiben
Laut der Präsidentin ist vielen Mitgliedern nicht bewusst, welche Projekte sie mit den Kirchensteuern mittragen. «Ich höre immer wieder: ‹Weisst du, ich gehe halt nicht oft in den Gottesdienst›», fügt sie an. «Die Kirche hat aber so viel mehr zu bieten.»
Und, das ist Wüthrich besonders wichtig: «Wenn Menschen in der Kirche bleiben, sorgen sie für einen gesellschaftlichen Mehrwert.»
Doch diesen zu leisten, wird auch für die Reformierte Kirche Eulachtal immer schwieriger. Bei der Fusion der Kirchgemeinden Elgg, Elsau und Schlatt Anfang 2020 zählte die Gemeinde 4600 Mitglieder, im Moment sind es noch 4278.
Die meisten Leute treten mit einem Standardschreiben aus der Kirche aus. «Wir erfahren dann nicht, was sie zu diesem Schritt bewogen hat und dürfen sie auch nicht kontaktieren», ärgert sich Wüthrich.
Ein «Megatrend»
Und der Mitgliederschwund geht weiter. «Wir haben nicht mehr Austritte als andere Kirchgemeinden», betont Wüthrich. «Aber wir wollen nicht einfach so zuschauen.»
Es gibt Leute, die würden vermutlich auch vom Staat austreten, wenn sie könnten.
Verena Wüthrich
Präsidentin Kirchenpflege Eulachtal
Denn egal, ob reformiert oder katholisch – immer mehr Zürcherinnen und Zürcher treten aus der Kirche aus. Der kürzlich veröffentlichte Untersuchungsbericht zu Missbrauchsfällen in der Katholischen Kirche befeuert diesen Trend nochmals.
Wüthrich spricht sogar von einem «Megatrend». Die Leute wenden sich von der Kirche ab. «Das lässt sich nicht aufhalten», sagt sie. «Es gibt Leute, die würden vermutlich auch vom Staat austreten, wenn sie könnten.»
Leuchttürme fehlen
Diese Entwicklung stellt Kirchgemeinden, auch diejenige aus dem Eulachtal, vor neue Herausforderungen. Denn weniger Mitglieder bedeuten auch immer weniger Einnahmen durch die Kirchensteuer.
Kürzlich hat die Reformierte Landeskirche angekündigt, dass deshalb Pfarrpensen gekürzt werden müssen. In der Gemeinde Eulachtal wäre eine Reduktion um 20 Stellenprozente vorgesehen. Da die Kirche aber in Elsau ein Projekt für Kinder und Familien umsetzt, bleibt sie vorerst davon verschont.

Pfarrpersonen seien wichtig für die Gemeinde, betont Wüthrich. «Sie sind die Leuchttürme unserer Arbeit und nicht nur im Gottesdienst engagiert.»
Für Letztere gibt die Kirche auch nur rund ein Viertel ihrer Einahmen aus. Der Rest geht in die Seelsorge, die Diakonie und immer mehr Geld auch in den Unterhalt der historischen Gebäude, wie Kirchen und Pfarrhäuser.
Ohne Geld geht es nicht
Für Wüthrich sind vor allem die sozialen Projekte zentral, die im ersten Moment wenig mit der Kirche zu tun haben. Als Beispiel nennt sie die Beratungsstelle Kabel, die junge Menschen bei Problemen in der Berufslehre berät und unterstützt.
Ich gehe nicht davon aus, dass andere Anbieter in die Bresche springen.
Verena Wüthrich
Präsidentin Kirchenpflege Eulachtal
Die Stelle wird von der Reformierten Landeskirche getragen, erhält aber auch Beiträge aus dem Gemeinnützigen Fonds des Kantons. «Und sie ist wie viele Angebote der Kirche für alle offen, egal, welche Weltanschauung eine Person vertritt», betont Wüthrich. Das zeichne gerade das gesellschaftliche Engagement aus.
Mit weniger Kirchensteuern würden mehr und mehr von diesen Projekten wegfallen, ist die Präsidentin überzeugt. «Und ich gehe nicht davon aus, dass andere Anbieter in die Bresche springen.» In der Kirche werde zwar viel Freiwilligenarbeit geleistet, aber ohne Geld gehe es meistens doch nicht.
Nicht mit Steuergeldern
Der Brief an die Mitglieder wird an der gesellschaftlichen Entwicklung wenig ändern, das weiss man auch in der Kirche Eulachtal. «Wir können die Kirche nicht retten», meint Wüthrich. «Aber wir können immerhin Danke sagen.»
Das tun sie aber nicht mit Geld aus der Kirchensteuer, sondern von Mitarbeitenden und Mitgliedern der Kirchenpflege. Im «PS» unten an der Karte ist vermerkt: «Diese Kartenaktion wurde übrigens nicht mit Steuergeldern finanziert.»
