Stadtarchiv Uster übernimmt Zifferblatt der Herz-Jesu-Kirche
Wertvoller Zeitzeuge
143 Kilogramm Sprengstoff machten die Ustermer Herz-Jesu-Kirche vor 60 Jahren dem Erdboden gleich. Doch einige Teile des Gotteshauses haben bis heute überlebt.
Es gab einst Zeiten, als Kirchen in der Schweiz zu klein wurden für die vielen Gläubigen. Erst 60 Jahre ist es her, dass die Pfarrei Uster ihre Herz-Jesu-Kirche abbrach, um Platz für einen grösseren Neubau zu schaffen: die heutige St.-Andreas-Kirche.
Die 1884 feierlich eingesegnete, in neugotischem Stil gehaltene Herz-Jesu-Kirche war Anfang der 1960er Jahre bereits sanierungsbedürftig und zu klein für die wachsende Zahl Katholiken in Uster und Umgebung. Eine Expertise der Empa kam damals zum Schluss, dass die erst knapp 80-jährige Kirche für eine Erweiterung und Sanierung ungeeignet und ein Abbruch die sinnvollste Lösung sei.
143 Kilo Sprengstoff
Am 23. August 1963 um 15 Uhr detonierten 143 Kilogramm Sprengstoff mit einem dumpfen Knall. Die aus Sandstein gebaute Herz-Jesu-Kirche fiel in sich zusammen und verschwand hinter einer dichten Staubwolke. Zuvor war alles Wiederverwendbare wie Mobiliar, Statuen und Glasfenster aus der Kirche entfernt worden.
Die Eltern von Monika Blümli-Jeckelmann wohnten damals ganz in der Nähe des Gotteshauses. Als Mitglieder der Katholischen Kirchgemeinde erhielten sie aus einem Fenster der Kirchensüdseite eine sogenannte Fensterrose. Ausserdem holte Dachdecker Ernst Aschwanden für sich und Familie Jeckelmann je ein 1,5 Meter grosses Zifferblatt inklusive der Zeiger vom Kirchturm.
Zifferblatt soll künftig öffentlich sichtbar sein
Monika Blümli-Jeckelmann wohnt mittlerweile in Wermatswil. Sie hat diese beiden kunsthistorisch wertvollen Zeitzeugen bis heute bewahrt und nun beschlossen, diese «Leihgaben», wie sie es nennt, der Stadt Uster zurückzugeben. Es ist ihr ein grosses Anliegen, dass die Gegenstände auch künftig gewürdigt werden.
Das Stadtarchiv will diesem Anliegen entsprechen, wie deren Leiterin Franziska Sidler erklärt: «Sollte es dereinst in der Unteren Farb möglich sein, wird die ehemalige Kirchturmuhr mit einem neuen Uhrwerk versehen und nebst der Fensterrose gut sichtbar montiert werden. So wird sie ihren Dienst an der Bevölkerung nach 60 Jahren von Neuem verrichten können.»
Dass die Herz-Jesu-Kirche vor 60 Jahren gesprengt wurde, hatte übrigens finanzielle Gründe: Eine Sprengung war deutlich billiger als ein konventioneller Abriss. Die NZZ widmete dem Thema kürzlich einen Artikel. Laut NZZ wurden zwischen 1959 und 1981 in der Schweiz mindestens 14 Kirchen gesprengt.
