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Gesellschaft

Ferag trennt sich vom eigenen Gastro-Team

Die Küchen-Crew hat jahrzehntelang die Mitarbeitenden der Ferag bekocht. Jetzt müssen sich deren Mitarbeiter einen neuen Job suchen.

Das Personalrestaurant Rotapic der Ferag AG in Hinwil wird umgebaut.

Foto: PD

Ferag trennt sich vom eigenen Gastro-Team

Stellenabbau in Hinwil

Das Gastro-Team des öffentlichen Betriebsrestaurants der Ferag in Hinwil muss sich nach einem neuen Job umsehen. Seit über 40 Jahren gibt es das Rotapic. Die Firma führt nun ein neues Verpflegungskonzept ein.

Wer das Betriebsrestaurant Rotapic der Ferag an der Zürchistrasse 17 in Hinwil besucht, macht eine Zeitreise. Brauntöne dominieren das öffentlich zugängliche Restaurant auf dem Firmengelände. Man fühlt sich in die 1970er Jahre zurückversetzt.

Das Personalrestaurant Rotapic der Ferag AG in Hinwil.
Das Personalrestaurant Rotapic der Ferag AG in Hinwil wirkt wie eine Zeitkapsel aus den 1970er Jahren. (Archiv)

Doch jetzt wird an der Zeitkapsel gerüttelt, Veränderungen stehen an. «Die Ferag modernisiert das Rotapic und schafft ein neues zeitgemässes Angebot für seine Gäste», teilt die Firma mit.

Vorübergehende Schliessung

Das Rotapic-Restaurant schliesst ab dem 12. Oktober vorübergehend. Nach umfassenden Renovierungs- und Umbauarbeiten öffnet das Restaurant am 1. Januar wieder seine Türen. Während der Übergangszeit wird von Montag bis Freitag die Cafeteria weiterhin geöffnet sein und Verpflegungen anbieten.

Die Ferag lässt noch nicht im Detail durchblicken, wie das neue Konzept funktioniert. Ob künftig ein Catering das Essen liefern wird, ist noch nicht bekannt.

Langjähriges Team muss gehen

Mit dem neuen Verpflegungskonzept verabschiedet sich die Ferag vom langjährigen Gastro-Team, dies ist einer internen Mitteilung zu entnehmen, welche der Redaktion vorliegt.

Die Firma bedankt sich in dem Schreiben bei den Mitarbeitenden für die Hingabe während vieler Jahre, macht aber deutlich, dass die Neuausrichtung zur Trennung des Gastro-Teams führt.

Begründet wird die Neuausrichtung mit strukturellen Veränderungen und den Bemühungen, weiterhin Qualität und Kosteneffizienz zu garantieren.

Die Zürcher Oberland Medien sind auf dem Gelände der Ferag eingemietet. Redaktorinnen und Redaktoren speisen täglich im Rotapic. Für das achtköpfige Gastro-Team, dessen Küchenchef schon seit über 30 Jahren für die Ferag arbeitet, kam die Nachricht unerwartet. Speziell, weil die Firma jahrelang an ihrem Konzept der eigenen Küche festhielt, während andere ihr Personalrestaurant längst von der Migros oder einem anderen Anbieter führen liessen.

Interne Gespräche laufen

Im Gastgewerbe besteht aktuell Personalmangel, dies dürfte die Situation für die Mitarbeitenden etwas entlasten.

Die Ferag gibt auf Anfrage keine Auskunft, inwiefern Abfederungen vorgesehen sind oder ob beispielsweise Mitarbeitende in hohem Alter vorübergehend weiter beschäftigt werden können. «Wir befinden uns derzeit in den abschliessenden Abstimmungen bezüglich dieses neuen Konzepts. Des Weiteren führen wir Gespräche mit unseren Mitarbeitenden, weshalb wir auf die personellen Fragen nicht eingehen können.»

Wirtschaftlicher Druck

Dank der Zeitungsbranche wurde die Ferag reich. Der Ferag-Gründer Walter Reist liess 1955 den von ihm entwickelten Transporteur für das schmierfreie Fördern von Zeitungen patentieren. Ein Jahr später wurde ein erster Prototyp beim «Tages-Anzeiger» in Zürich installiert.

Zur Blütezeit vor rund 16 Jahren waren auf dem Campus des Maschinenherstellers in Hinwil gegen 1000 Mitarbeitende beschäftigt. Durch die Digitalisierung verloren die Systeme der Ferag an Bedeutung. Über die Jahre hat sich die Firma breiter abgestützt. Sie ist in der Konstruktion und dem Vertrieb von Materiaflusssystemen für unterschiedlichste Industrieanwendungen tätig. Trotzdem schwand der Glanz, und die Firma schrumpfte.

Vor vier Jahren folgte eine Massenentlassung. Infolge einer grossen Umstrukturierung baute die Ferag in Hinwil über 130 Stellen ab.

Ein Relikt aus der Vergangenheit

Aus den goldigen Zeiten stammt das riesige Firmengelände mit begrünten Flächen und zahlreichen Parkplätzen. Zu dem «Luxus» gehört wohl auch das eigene Gastro-Team.

Schon 2019 zwang das Wegbrechen des Kerngeschäfts, der grafischen Industrie, und der damit einhergehende Stellenabbau zu einem Umdenken: Da die Anzahl interner Gäste deutlich zurückging, entschied sich die Geschäftsleitung, das Restaurant für externe Gäste zu öffnen.

Pasta mit Pinienkernen garniert.
Das Essen war bei den Mitarbeitenden sehr beliebt.

Und jetzt, nachdem Ferag-Gründer Walter Reist im Juni vergangenen Jahres verstorben ist, verlieren die Mitarbeitenden auch das eigene Team, welches sie täglich bekochte.

Zu günstigen Preisen gab es seit Jahrzehnten ein Menü mit Getränk, Vorspeise, Hauptgang, Salat und Dessert – Kaffee inklusive.

Das Restaurant war auch bei Externen sehr beliebt geworden. So traf man hier Handwerker und gelegentlich auch Polizisten, die sich bei der Ferag verköstigen liessen.

Das wird fehlen

Gefüllte Teigtaschen mit Kürbis-Frischkäsefüllung an einer leichten Rahmsauce war ein Menü, welches beispielsweise überzeugte. Speziell in Erinnerung bleibt der Siedfleischsalat oder der klassische Wurstsalat, welchen Liebhaber der bürgerlichen Küche besonders schätzten.

Ein Wurstsalat auf einem Teller.
Das Essen ist den Mitarbeitenden nicht wurst.

Bis zur Schliessung am 12. Oktober gönnt sich der eine oder andere vielleicht noch einmal einen Rindssauerbraten mit Polenta und Rosenkohl. Oder ein frisches Pilzragout mit Rösti und einem pochierten Ei.

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