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Gesellschaft

Das ist der teuerste Laufschuh der Welt – er hält bloss ein paar Stunden

Die Menschheit ist am Ende. Mehr fällt uns zu diesem Laufschuh nicht ein. Gekauft wird er wohl trotzdem. Wetten das?

Mit 138 Gramm noch ein Hauch von Schuh: Adizero Adios Pro Evo 1.

Foto: Adidas

Das ist der teuerste Laufschuh der Welt – er hält bloss ein paar Stunden

600 Franken für Adidas-Modell

Der Preis für Superschuhe wird immer extremer. Was das mit Nike zu tun hat und warum selbst Sportmuffel darauf stehen.

Christian Brüngger

Natürlich geht es nur mit den ganz grossen Buchstaben: Gleich «die Zukunft des Laufsports» hat Adidas jüngst vorgestellt – in Form eines Schuhs mit dem sperrigen Namen Adizero Adios Pro Evo 1.

Seither sind Teile der globalen Laufszene ziemlich in Aufruhr. Das hat erst einmal mit dem Preis zu tun. 600 Franken verlangt Adidas dafür (aber nur 500 Dollar oder 500 Euro). Damit haben die Deutschen das bislang teuerste Modell aus dem Hause Nike locker übertroffen.

Die 400 Franken für den Nike Alphafly 2 galten schon als sehr, sehr hoch. Nun hat Adidas also 200 Franken draufgepackt – und das Angebot verknappt. 521 dieser Superschuhe sind ab dem 26. September weltweit erhältlich.

Roter Laufschuh von der Seite fotografiert.
Bislang mit 400 Franken das Luxusmodell des Laufsports: Nike Alphafly 2.

Zu reden gibt neben dem Preis auch, was Adidas schon verraten hat. In jeder Box befindet sich folgender Hinweis: dass der Schuh für einen Marathon plus kurze Eintragzeit gebaut sei. Heisst also, dass er nach wenigen Stunden seine Funktion einbüsst und entsorgt gehört. Nachhaltigkeit klingt anders.

Zum ultraschnellen Verfall trägt der extreme Leichtbau bei. Gerade einmal 138 Gramm wiegt das Modell. Es ist damit deutlich leichter als alle anderen sogenannten Superschuhe.

Sie sind seit Nikes erstem Modell von 2019/20 (lesen Sie hier, wie Nike den Laufsport revolutionierte) wie folgt definiert: Neuer, leichterer Schaum zum Dämpfen garantiert pro Schritt zugleich mehr Rückenergie.

Gern sind sie auch mit Carbon in der Sohle unterlegt. Wobei Wissenschaftler mittlerweile wissen, dass die Magie primär im Schaum liegt.

Tempo-Boost sorgt für Überlastung

Was sie auch sagen können: Mit diesen Superschuhen lässt sich die Laufökonomie mitunter um mehrere Prozent verbessern. Das bringt über einen Marathon im Idealfall eine Zeitersparnis von vielen Sekunden bis mehreren Minuten.

Auch darum sind in den letzten Jahren sowohl auf der Strasse wie der Bahn die Weltrekorde nur so gepurzelt.

Und weil vor allem Hobbyläufer mit Ambitionen noch den minimalsten Sekundenvorteil suchen – das Maskulinum ist extra gewählt – ist kein leistungsorientierter Läufer mehr mit «old-fashioned» Modellen unterwegs.

Doch der Boost kommt mit Nachteilen, gerade Läufer und Läuferinnen, die solche Modelle im Training tragen, riskieren damit Überlastungen.

Läufermasse trägt nicht Adidas

Dass Adidas sein Modell überhaupt auf den Markt bringt – Geld wird die Firma damit nach allen Vorleistungen kaum verdienen – hängt mit einer Regel des Leichtathletik-Weltverbandes zusammen.

Superschuhe müssen kommerziell erhältlich sein, ansonsten darf sie die Elite an Wettkämpfen wie am Sonntag am Berlin-Marathon nicht tragen.

Viktor Röthlin, langjähriger Schweizer Marathon-Rekordhalter, sagt zum 600-Franken-Schuh: «Diesen Preis kann man übers Produkt nicht rechtfertigen.»

Röthlin sieht darin viel mehr eine PR-Strategie von Adidas. Die Marke versuche, sich über solche Schuhe wieder der breiteren Läufermasse in Erinnerung zu rufen. Denn die trage eher nicht Adidas.

Röthlin erkennt Parallelen zu Nike. Auch die Amerikaner hätten bei Hobbyläufern einen schweren Stand gehabt, sich dank der Superschuhe aber wieder in deren Bewusstsein gebracht.

Laufschuhe als Lifestyleprodukt

Lauflegende Markus Ryffel wiederum weist noch auf einen anderen Aspekt hin: Weil solche teuren Modelle prozentual von relativ wenigen Läufern und Läuferinnen gekauft würden, zielten die Marken mit solchen Schuhen auch auf den viel grösseren Freizeitmarkt ab.

Ryffel sagt: «Zu meiner Zeit waren Laufschuhe ausschliesslich Arbeitsgeräte. Mittlerweile sind sie Statussymbole geworden, die man auch im Restaurant oder Ausgang trägt. Sie sind ebenso ein Lifestyleprodukt geworden.»

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