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Rütner alt Gemeinderat bemängelt Planungsweise der Gemeinde

Es soll endlich vorangehen - auch wenn gewisse Interessen wohl kollidieren werden.

Bezüglich der Schützenwiese in Rüti scheiden sich die Geister. Oder zumindest die Interessen.

Foto: Marcel Vollenweider (Archiv)

Rütner alt Gemeinderat bemängelt Planungsweise der Gemeinde

«Masterplan Schützenwiese»

Derzeit läuft in Rüti ein Mitwirkungsverfahren, um die Interessen in Sachen Sport- und Freizeitanlage Schützenwiese zu klären. Ein alt Gemeinderat erhebt derweil Vorwürfe – die Gemeinde habe zu lange planlos agiert.

Agierte die Gemeinde Rüti beim Grossprojekt «Masterplan Schützenwiese» etwa planlos? Dies vermutet zumindest der ehemalige SVP-Gemeinderat Hanspeter Jacober. Als Ehrenmitglied und ehemaligem Präsidenten des FC Rüti und von dessen Gönnerverein sowie als Ehrenmitglied des Turnvereins Rüti und ehemaligem Vorstandsmitglied des Skiclubs liegt ihm die Zukunft aller Vereine besonders am Herzen.

Er möchte dem Gelände mit den drei Fussballfeldern gerne ein viertes hinzufügen, das den Normen des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) entspricht.

«Gemeinde hat planlos agiert»

Für die mittlerweile 26 Fussballteams in Rüti sei dies gemäss einer Studie dringend nötig. Bereits als der FC Rüti noch vor ein paar Jahren über drei Teams weniger verfügt habe, sei das Areal zu knapp bemessen gewesen.

Hinzu kämen die Zustände in den Garderoben, die wegen der ungenügenden Geschlechtertrennung und bezüglich des Jugendschutzes unzumutbar seien.

Unter anderem deshalb hat er bei der Gemeinde im letzten April eine als gültig erklärte Einzelinitiative eingereicht, mit der er Klarheit schaffen will. Das Projekt zieht sich schon über zwölf Jahre hin. Wirkliche Fortschritte seitens der Gemeinde sehe er nicht.

Alter Mann mit Anzug und Krawatte.
Die ursprünglichen Pläne seien allerdings von Beginn an zum Scheitern verurteilt gewesen, meint Hanspeter Jacober.. (Archiv)

«Die Gemeinde hat über zwölf Jahre planlos agiert und verwarf zu Jahresbeginn plötzlich alle Pläne, die der ehemalige Gemeinderat über eine lange Zeit in Abwägung vieler Interessen erstellt hat», sagt Jacober.

Er spielt damit auf das noch laufende Mitwirkungsverfahren für die Bevölkerung und die Vereine an. Was ihn besonders stört: die vielen finanziellen Aufwände in der Vergangenheit, die sich die Gemeinde hätte sparen können.

Weshalb die vielen Mitwirkungsverfahren?

Die ursprünglichen Pläne seien allerdings von Beginn an zum Scheitern verurteilt gewesen, da die Gemeinde, die als Eigentümerin der Schützenwiese fungiere, einen gewissen Teil des Grundstücks noch nicht erworben habe. Dabei sei dieser Teil entscheidend, um das Projekt «Masterplan Schützenwiese» überhaupt realisieren zu können.

Was bisher geschah:

  • Im Oktober 2011 stimmte der Gemeinderat dem Sport- und Freizeitanlagenkonzept zu.
  • Gestützt auf die Ergebnisse eines Planungsberichts, wurden diverse Massnahmen umgesetzt.
  • 2015 wurden Vereine befragt, ob die entsprechenden Massnahmen in ihrem Sinne seien.
  • 2018 startete die Gemeinde aufgrund der Wünsche der Vereine das Projekt «Masterplan Schützenwiese» – eine Arbeitsgruppe mit der ERR Raumplaner AG wurde gegründet.
  • 2019 wurden verschiedene Varianten der bereits bestehenden Nutzungen (Bogenschiessen, Fussball, Reiten) auf dem Areal Schützenwiese geprüft. Die Ergebnisse der Umfrage von 2015 flossen dabei mit ein.
  • Im Sommer 2020 wurden auf Grundlage des bereits angemeldeten Bedarfs einzelner Vereine (Tennis, Unihockey, Turnen) die Bedürfnisse nochmals genau erhoben. Die Vereine wurden an einem runden Tisch, im alljährlich erscheinenden Neujahrsbrief und im «Rütner» aufgerufen, ihre Bedürfnisse zum Thema Schützenwiese einzubringen.
  • Seit Sommer 2023 läuft ein erneutes Mitwirkungsverfahren für die Vereine und die Bevölkerung. Am 30. September ist dieses abgeschlossen.

Der damalige Gemeinderat hatte verschiedene Pläne vorbereitet, wobei er bis anhin das teuerste Projekt «im Verbund mit der Region» bevorzugte. Die Kosten dafür hätten sich je nach Variante auf zwischen 13 und 43 Millionen Franken belaufen. Diese Varianten sind mittlerweile auf Eis gelegt, und es werden neue geprüft.

Ein Plan für ein Areal als Visualisierung.
Dieses Konzept wurde im Jahr 2019 ausgearbeitet. Bei den neuen Plänen wird es vermutlich zu Änderungen kommen.

«Bereits 2015 startete man ein Mitwirkungsverfahren für die Vereine, im Jahr 2019 nochmals, und nun läuft seit vergangenem Juli wieder eines.» Die genaue Strategie war Jacober bisher mehr als unklar.

Allerdings habe er aufgrund seiner als gültig erklärten Initiative erst kürzlich an einer Sitzung mit dem Gemeinderat teilnehmen können. «Es war eine gute Besprechung, und der Gemeinderat verdeutlichte, dass es nun endlich in eine positive Richtung vorwärtsgeht», sagt Jacober. Dennoch ist er der Meinung, dass die Gemeinde die Bevölkerung über die vielen bereits getätigten Ausgaben hätte informieren sollen, die letztlich zu nichts geführt hätten.

Ein Projekt für möglichst viele

Seitens der Gemeinde Rüti klingen die Töne anders. Der für Bau und Liegenschaften zuständige Gemeinderat Peter Weidinger (Die Mitte) betont die vielen Anstrengungen, die zur Realisierung eines solchen Grossprojekts vonnöten sind. «Da unzählige Interessen ineinanderfliessen, sind wir bemüht, keine Schnellschüsse, sondern die für alle bestmögliche Lösung zu erzielen.»

Grundsätzlich seien drei verschiedene Parteien besonders in die Planungen involviert: der Fussballclub Rüti, die Bogenschützen sowie der Reitverein, der eine Halle inklusive Aussengelände nutze. Letzterer hat ebenfalls Ausbauwünsche. Dazu kommt das Problem, dass der Reitverein den Parkplatz Hüllistein nicht mehr nutzen kann. «Damit steht für Pferdeanhänger zu wenig Parkraum zur Verfügung», so Weidinger.

Die Bogenschützen seien hingegen mit keinen konkreten Ausbauwünschen an den Gemeinderat herangetreten. Dennoch ist klar: Das Schützenhaus ist sanierungsbedürftig und muss abgebrochen werden.

Der FC Rüti verfüge zwar über drei Fussballfelder inklusive eines Kunstrasenfelds sowie ein Juniorenfeld. «Allerdings sind die Garderoben teilweise in die Jahre gekommen und von der Besetzung her am Anschlag», weiss Weidinger.

«In diesem Punkt bin ich mit der Initiative von Herrn Jacober absolut einig», sagt Weidinger. Die vier Fussballfelder gemäss den Normen des Schweizerischen Fussballverbands, wie Jacober sie sich wünscht, wären allerdings nur umsetzbar, wenn die Nutzungsplanung verändert würde und man ein Grundstück westlich des Flurwegs erwerben könnte.

«Anlässlich einer durchgeführten Besprechung konnten alle Interessen besprochen werden», sagt Weidinger. Parallel läuft eine Mitwirkungsumfrage der Gemeinde, um Interessen aufzunehmen und ein Gesamtbild zu erhalten. Längere Zeit habe man auch dem Tennissport hohe Priorität beigemessen, doch da Dürnten nun über eine moderne Halle verfüge, habe sich dies erübrigt.  

Da verschiedenste Gruppen ihr Interesse am Projekt bekräftigt hätten, sei klar: Es müsse eine Lösung her, die möglichst alle Parteien befriedige und keine Interessen bestimmter Gruppen favorisiere. Aber auch Weidinger bekräftigt: Das Projekt werde sehr teuer und benötige eine grosse Zustimmung in der Bevölkerung.

Endlich planungsfähig

Für ein Vorankommen verfügt die Gemeinde dank einem Erwerb nun über etwas, das ihr während der letzten 20 Jahre nicht vergönnt war: eine Parzelle neben der Schützenwiese. «Im Oktober 2022 gelang es uns, den Grund zu kaufen. Dafür musste die Gemeinde etwas tief in die Tasche greifen, da sich der Boden in Privatbesitz befand», resümiert Weidinger.

Und auch wenn es das Projekt betreffend schon bald zügig vorangehen soll, ist ihm klar, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können. «Wir suchen auch eine Lösung mit dem FC Rüti, da die Verantwortlichen auf einem vierten Platz beharren.»

Er fügt hinzu, dass der FC bei den Anforderungen Abstriche hinnehmen müsste. Eine Möglichkeit sei, dass die Grundmasse der Plätze reduziert würden. Diese würden dann nicht mehr den Normen des Schweizerischen Fussballverbands entsprechen und bedürften einer Ausnahmebewilligung des SFV. «Vier Plätze nach Norm des Verbands wären, was die heute verfügbare Fläche betrifft, nicht realisierbar.»

Auch Gemeindepräsidentin Yvonne Bürgin (Die Mitte) sei mittlerweile stark in die Planungen involviert und nehme dabei ihre Führungsverantwortung wahr. Im ersten halben Jahr 2024 soll die Ausarbeitung eines definitiven Konzepts «Schützenwiese» erfolgen. Auf alle Fälle muss eine Lösung her, hinter der alle Beteiligten «unisono» stehen können.

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