Immo-Firma baut in Saland neues Quartier mit Kindergarten
Bauprojekt im Tösstal
Kommenden Sommer sollen in Saland die Bagger auffahren: Eine Immobilienfirma aus dem Thurgau plant im Dorfzentrum ein neues Quartier mitsamt Kindergarten. Das spielt der Schule Bauma in die Hände.
Im Zentrum von Saland hat es noch Platz. Vor allem ein grösseres Stück grüne Wiese fällt auf, wenn man im Dorf unterwegs ist. Wie bei einem unfertigen Puzzle klafft zwischen bestehendem Wohngebiet, Tösstalstrasse und Bahnlinie eine Lücke.
Das fehlende Puzzleteil gehört zur Wohnzone und besteht aus sieben einzelnen Parzellen mit einer Gesamtfläche von knapp 10’000 Quadratmetern. In einer Verkaufsinformation der Zürcher Kantonalbank ist für das Gesamtpaket ein Richtpreis von rund 6,5 Millionen Franken angegeben.
Der tatsächliche Kaufpreis ist zwar nicht bekannt, doch befindet sich ein Baugesuch in der Bewilligungsphase. Die Azemos Property AG, eine Immobilienfirma aus dem Thurgau, tritt an, besagte Lücke im Salander Zentrum zu füllen.
Sie hat sich gleich das gesamte Areal einverleibt. Das Projekt, das im Marketing-Slang den klingenden Namen Dihei trägt, sieht sechs Wohnblöcke mit total 32 Wohnungen vor. Geplant sind sowohl Eigentums- als auch Mietwohnungen mit zweieinhalb bis fünfeinhalb Zimmern.
Schülerzahlen kennen nur eine Richtung
Neugierig macht beim Projekt vor allem ein Detail: Teil der Überbauung soll auch ein Kindergarten werden. Steckt dahinter die Schule Bauma? Oder handelt es sich um einen private Institution?
Schulpräsidentin Karin Inauen (SVP) klärt auf: «Die Bauherren sind mit uns ins Gespräch gekommen und haben uns angefragt, ob wir Interesse hätten, dort einen Kindergarten zu realisieren.»
Es folgte ein Treffen für erste Abklärungen. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass uns das in die Hände spielen würde.»
Hochrechnungen zeigen laut Inauen nämlich einen markanten Bevölkerungszuwachs in Bauma und folglich auch steigende Schülerzahlen. «Konkret gehen wir von 1000 bis 1500 neuen Einwohnern bis 2030 aus», erklärt die Schulpräsidentin. «Vor allem Saland wird wachsen, hier wird zurzeit viel gebaut.»
Daher hat die Schule Bauma mit der Azemos Property AG eine Absichtserklärung unterzeichnet, um sich mit einem Kindergarten in der Überbauung einzumieten, sobald die Liegenschaft fertiggestellt ist. «Die Bauherrschaft plant und realisiert die Räume im Gegenzug so, dass sie für einen Kindergarten geeignet sind.»
Kindergarten als Kaufargument
Inauen betont aber, dass sich die Schule lediglich einmieten will, nicht aber als Bauherrin auftritt. Die Broschüren zum Bauprojekt, die die Bauherrschaft verteilt habe, seien etwas missverständlich formuliert gewesen, findet sie. «So ist der Eindruck entstanden, dass die Gemeinde Bauma einen Kindergarten baut. Das ist so nicht korrekt.»
Für die Azemos Property AG scheint der Kindergarten ein gutes Vermarktungsargument zu sein. Auf der Projektwebsite werden in einer Reihe der «attraktive Wohnungsmix» und die «Nähe am grünen Puls» genannt.
«Unsere Absicht ist es, eine vielfältige Gemeinschaft zu schaffen, die Menschen unterschiedlichen Alters und in verschiedenen Familienständen herzlich willkommen heisst», sagt Anna Sertic, Junior Immobilienexpertin bei der Thurgauer Immobilienfirma.


Der Kindergarten biete einen grossen Mehrwert für die künftigen Einwohner und die ganze Gemeinde, deshalb habe man sich sehr über das Interesse vonseiten der Gemeinde gefreut.
«Urban Gardening» in der Provinz
Ausserdem soll das Projekt besonders nachhaltig sein. Der Strom kommt vom Dach, geheizt wird mit einer Wärmepumpe. «Das Projekt zeichnet sich ausserdem durch die grosszügigen Freiflächen aus. In den grünen Bereichen entsteht viel Platz für Begegnung», sagt Sertic.
Die sechs Wohnblöcke verteilen sich auf zwei Baufelder. Eine Holzfassade und ein Satteldach sollen helfen, dass sich die Überbauung gut ins Ortsbild einfügt.
Zum Areal gehört zudem eine nicht bebaubare Parzelle. Dort prüft die Bauherrin ein «Urban Gardening»-Konzept in Form eines gemeinschaftlichen Vorgartens mit Sitzplatz.
Die Vermarktung der Wohnungen soll noch diesen Herbst anlaufen. Läuft alles nach Plan, fahren im Spätsommer 2024 die Bagger auf. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich zwei Jahre. Im August 2026 wollen die Projektverantwortlichen den Kindergarten an die Gemeinde übergeben.