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Eine App verbindet in Kollbrunn Wanderung mit Hörerlebnis

Wer von Kollbrunn nach Tüfels Chilen wandert, kann auf dem Weg Geschichten hören. Die Idee stammt von zwei bekannten Kollbrunnern.

Mit der App Songmapp wird der Dorfspaziergang zum Geschichtenpfad.

Foto: Noah Salvetti

Eine App verbindet in Kollbrunn Wanderung mit Hörerlebnis

Dorfgeschichten neu erzählt

In Kollbrunn kann man mit der Songmapp-App Hörerlebnisse geniessen. Die heimischen Künstler Judith Bach und Paul Steinmann haben digitale Hörstationen kreiert, die Dorfgeschichten erzählen.

Claudia Mracsek-Biotti

Wer die Gratis-App Songmapp auf sein Smartphone herunterlädt, kann seit diesem Wochenende auf dem Wanderweg vom Bahnhof Kollbrunn bis zur Tüfels-Chilen-Feuerstelle acht Online-Geschichten auf der «digitalen Bühne» entdecken.

Gestaltet wurde diese Hommage ans Dorf von der Chansonkabarettistin Judith Bach und dem Autor Paul Steinmann. Die beiden Künstler leben in Kollbrunn und richten die Aufmerksamkeit mit der Songmapp-Edition «Dorfgeschichten» auf Entwicklungen, Menschen, Plätze und Ereignisse, wie sie für jedes Dorf oder Quartier charakteristisch sind.

Mit Schirm, Smartphone und Kopfhörer unterwegs

Trotz Regen fanden sich zur Einweihungshörtour am Samstagnachmittag rund ein Dutzend Menschen am Startpunkt Bahnhof Kollbrunn ein. Die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände für die Wanderung sind die App Songmapp und mobile Daten beziehungsweise ein Hotspot.

Für jene ohne Kopfhörer hat Judith Bach ihre Bluetooth-Lautsprecherbox mitgenommen, leider mit leerem Akku. Glücklicherweise hatte ein Teilnehmer seine Box inklusive Powerbank dabei und konnte aushelfen.

Paul Steinmann erklärt, dass auf der Karte in der App Fähnchen ausgesteckt sind, wo sich die Hörstationen mit einer Geschichte, einem Lied oder Gedicht befinden. «Erst wenn ihr euch etwa auf 15 Meter angenähert habt, könnt ihr sie anhören. Nachdem ihr einen Hörbeitrag ‹gesammelt› habt, könnt ihr ihn auch offline geniessen, da er auf eurem Smartphone abgespeichert bleibt», informierte er die Truppe.

Im Verlauf der Wanderung stellt sich heraus, dass die Teilnehmer das gemeinsame Hörerlebnis über die Box statt individuell über Kopfhörer als besonders bereichernd empfinden, da man gemeinsam schmunzeln, staunen und sich erfreuen kann.

Alternative zu kulturellen Veranstaltungen

Die Idee für die Songmapp hatte der in Zürich wohnhafte Songwriter und Musiker Markus Schönholzer während der Corona-Pandemie. «Ziel war, den Menschen weiterhin den Zugang zur Kleinkunst zu ermöglichen, als die Bühnen geschlossen bleiben mussten. Der Staat hat hierfür Fördergelder zur Verfügung gestellt», erzählt Steinmann.

Der Verein Songmapp Zürich beabsichtigt gemäss Projektbeschrieb auf der Website, dass die App-Technologie Kunstschaffende bei der effektvollen Verbreitung ihrer klingenden Projekte unterstützt und als niederschwellig erreichbare Plattform für neue Hörkultur dabei hilft, ein neues Publikum zu erreichen.

Ein neuer Blick aufs Dorf

In den Kollbrunner «Dorfgeschichten» geht es um George, der seiner Frau Brigitte, 40 Jahre nachdem er nach Kanada ausgewandert ist, das Dorf seiner Kindheit zeigt, wo sich vieles verändert hat. Das Geläute der Kollbrunner Kirchenglocken, aufgenommen von Steinmanns Sohn Valentin, lässt in ihm ein vertrautes Gefühl von daheim entstehen.

Der nicht mehr vorhandene Telefonmast weckt Erinnerungen an die Dorfdisco im Luftschutzkeller, die jeweils über Plakate am Mast angekündigt worden war. Und bei der Feuerstelle vor der «Eglise du Diable», wo ihn seine erste Schulreise hingeführt hatte, wirds ihm warm ums Herz.

«Es wäre schön, wenn unsere acht Geschichten die einen oder anderen aus der guten Stube in den öffentlichen Raum locken. Vielleicht werden eigene Erinnerungen wach und die Geschichten enthüllen einen neuen Blick aufs Dorf», erhoffen sich die beiden Kulturschaffenden Paul Steinmann und Judith Bach.

Die App Songmapp findet man im App Store auf dem iPhone sowie auf Google Play Store auf dem Android-Smartphone.

Bisher sind auf der App neben den «Dorfgeschichten» in Kollbrunn zehn weitere «Editionen» des digitalen Taschentheaters verfügbar, welche neuartige Hörerlebnisse versprechen: unter anderem «Frischluftlieder» an den Lieblingsorten des Songmapp-Initianten Schönholzer in Zürich, immersive Podcasts zum Friedensvertrag nach dem Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren in Lausanne, 18 Sound- und Lichtinstallationen auf dem Schneeschuhwanderweg in Saanenmöser sowie Perlen aus dem Mundartfestival in Arosa. (cmr)

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