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Seit 1860 auf dem Schönau-Areal und doch noch jung

Sie sieht Tannenbäumen ähnlich und unterscheidet sich doch sehr von Ihnen. Sie verliert ihre Nadeln nämlich jeden Herbst aufs neue.

Die Lärche wurde wohl 1860 auf dem Schönau-Areal gepflanzt und überragt die Bauten ein wenig.

Foto: PD

Seit 1860 auf dem Schönau-Areal und doch noch jung

Riesige Lärche

Im sechsten Teil unserer Baumserie wird eine rund 160-jährige Lärche beim Schönau-Areal vorgestellt. Auch wenn auf dem Areal noch mehr Überbauungen folgen, steht fest: Die Lärche bleibt.

Gallische Alpenbewohner nannten sie Larix. Die Römer übernahmen den Namen, und der englische Botaniker Philip Miller (1691–1771) – der Mann, der die Baumwolle nach Nordamerika brachte – fügte die Artbezeichnung decidua dazu – also Larix decidua.

Denn «deciduus» bedeutet «abfallend» und bezieht sich auf die im Herbst abfallenden Nadeln der Lärche, die zu den Kieferngewächsen gehört. Die Lärche ist die einzige europäische Nadelholzart, die sommergrün ist. Sie erneuert ihre Nadeln jährlich und wirft sie im Herbst wieder ab. Diese wiederum verwandeln sich unglaublich schnell zu Humus.

Ihre eigentliche Heimat befindet sich zwischen 800 und 2500 Metern über Meer. Also in den Alpen oder Karpaten, wo sie allerdings durch Waldrodungen zur Schaffung von Alpweiden in vielen Gebieten verdrängt wurde. Zur forstlichen Nutzung wurde sie auch in tieferen Lagen angepflanzt.

Vielseitige Nutzung

Denn Lärchenholz ist als Bau- und Möbelholz gefragt, da es wegen seines hohen Harzgehalts sehr witterungsresistent ist. Damit eignet es sich auch für den Wasserbau.

Lärchen vertragen sowohl lange Trockenphasen als auch tiefe Temperaturen bis zu minus 40 Grad. Dafür haben sie grosse Mühe mit schadstoffbelasteter Luft. Das Terpentin, das aus ihrem Harz gewonnen wird, dient der Herstellung von Lack und auch als Heilmittel für Hautkrankheiten oder Atemwegserkrankungen.

Ein Fabrikgelände mit einem sehr hohen Baum. Daneben Absperrungen und Sitzbänke.
Die Lärche ist rund 160 Jahre alt und mit 27 Metern Höhe der imposanteste Baum auf dem Areal.

Generell kann eine Lärche bis zu 50 Meter hoch und maximal 1000 Jahre alt werden. Das älteste bekannte Exemplar in der Schweiz stand im Wallis und wurde 686 Jahre alt. Vor zirka 20 Jahren wurde sie allerdings gefällt.

Die Solitär-Lärche bei der Schönau ist mit einer Höhe von 27 Metern und einem Umfang von 3,7 Metern noch nicht ganz ausgewachsen. Der rund 160 Jahre junge Baum dürfte das Areal noch für eine sehr lange Zeit prägen.

Zeugin der Parkgestaltung

In ihren jungen Jahren wurde die «Schönau-Lärche» wohl 1860 im Zusammenhang mit der Parkgestaltung gepflanzt. Aus derselben Zeit stammt vermutlich auch das daneben wachsende Parkwäldchen. «Wie damals üblich wurden viele exotische Gehölze und Stauden angepflanzt, um die Exklusivität und die Weltoffenheit der Besitzer zu betonen», sagt der Landschaftsplaner Uwe Scheibler vom Naturschutzverein Wetzikon-Seegräben.

1823 bis 1825 liess der Pariser Spekulant Friedrich Nagel die Spinnerei in der Schönau errichten. Neben dem Areal hatte er auch die Stegenmühle und das Schloss Wetzikon gekauft. Dessen grossen Turm liess er abbrechen und aus diesen Steinen die Fabrik in der Schönau errichten.

1834 erhielt er das Bürgerrecht der Gemeinde Wetzikon geschenkt. 1842 geriet die Spinnerei Nagel allerdings in Konkurs. Seither wechselte die Fabrik mehrfach die Besitzer.

Seit 2010 gehört das Areal der Hiag. Mit dem Weiher, den Ufergehölzen und dem Parkwäldchen (unter dem ein Alemannengrab vermutet wird) stellt die Schönau heute noch einen der wenigen verbliebenen Grünzüge im Siedlungsgebiet von Wetzikon dar.

Auf dem Schönau-Areal ist diese Lärche der einzige Baum, der damals bewusst solitär gepflanzt wurde. Die Lärche überragt die Höhe des denkmalgeschützten Ensembles nur ein wenig und dämpft damit die eher wuchtige Erscheinung des Hauptgebäudes.

Dieses ähnelt im Grundriss dem noch verbliebenen Teil des Schlosses ein bisschen. «Zusammen mit den anderen Gehölzen bildet die Lärche einen wohltuenden Kontrast zu den Gebäudemassen», sagt Scheibler. Mit der geplanten Bebauung der heutigen Grünflächen werde sich dies allerdings stark ändern.

Lärchenzapfen an Nadelbaumästen.
Die Lärchenzapfen sind nur etwa fünf Zentimeter gross. Bei Feuchtigkeit schliessen sie sich, und bei sonnigem Wetter öffnen sie sich.

Doch die Stadt Wetzikon hält ihre schützende Hand über den Baum. Er ist Bestandteil des kommunalen Inventarobjekts «Parkwäldchen Schönau» und gilt als wertvoll. Mit der Verfügung des Stadtrats aus dem Sommer 2019 muss die Lärche bei einer Bebauung erhalten bleiben. «Wenn der Baum von der neuen Überbauung tangiert wird, müssten zwingend nötige Schutzmassnahmen ergriffen werden, damit es ihm weiterhin gut geht», so Scheibler.

Bei Vögeln sehr beliebt

Die ziemlich dicke Borke (äussere Rindenschicht) der Lärche gibt ihr nicht nur Schutz, sondern bietet vielen Insekten einen optimalen Ort für ihre Eiablage. Die schlüpfenden Raupen wiederum werden zur gesuchten Nahrung von Vögeln wie dem Kleiber, dem Buntspecht oder dem Gartenbaumläufer.

Ein Vogel sitzt an einem Baum.
Der Gartenbaumläufer mag es besonders, unter der Rinde von Lärchen nach Insekten zu picken.

Letzterer ist speziell, da er über eine sehr steife Schwanzfeder verfügt, die es ihm ermöglicht, sich am Baumstamm abzustützen, während er in der Baumrinde sein Futter sucht. «In Wetzikon gibt es kaum mehr als zehn Brutpaare von dieser hübschen Vogelart», erklärt Scheibler.

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