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«Jugo» und Sladjana: Bei ihnen wird die dritte Halbzeit zum Genuss

Geht es nach ihnen, bleiben sie bis zur Pensionierung im Gossauer Klubhaus – Zwetschgenschnaps und Burger inklusive.

Sie ist die gute Seele, er der ruhende Pol: Die «Hüttli»-Beizer Sladjana und «Jugo» Jankovic.

Foto: Oliver Meile

«Jugo» und Sladjana: Bei ihnen wird die dritte Halbzeit zum Genuss

FC Gossau

Sie sind ein eingespieltes Team: Das Ehepaar Jugoslav und Sladjana Jankovic führt das «Hüttli» mit viel Herzblut

Ein Restaurant führen? Nein, das wollten Sladjana und Jugoslav Jankovic nie. Das wäre ihnen nicht nur wirtschaftlich zu riskant gewesen, sondern viel zu unpersönlich. Das Klubhaus des FC Gossau hingegen passt perfekt.

Umsatzvorgaben haben sie vom Verein keine. «Und hier kennen wir die Leute. Wir wissen, wer eine Bratwurst isst, wer einen Burger», sagt Jugoslav.

Seit rund eineinhalb Jahren ist er Pächter im «Hüttli». Während Trainings ist er alleine vor Ort, an Spielen unterstützt ihn seine Frau.

«Sie machen das sehr, sehr gut.

Andreas Häsler, Trainer 1. Mannschaft

Andreas Häsler lobt die Jankovics in höchsten Tönen. «Sie machen das sehr, sehr gut, sind herzlich und gastfreundlich», sagt der Trainer des Fanionteams. «Ihn bringt nichts aus der Ruhe. Und sie ist die gute Seele, die es an einem solchen Ort braucht.»

Die Bilanz von Jugoslav und Sladjana fällt auch positiv aus. «Es kommt immer besser und besser», schwärmt Jugoslav, der sich nicht vorstellen kann, nochmals ein anderes Klubhaus zu führen. Sein Plan: Er gibt das «Hüttli» erst zur Pensionierung wieder ab.

Sein Spitzname kann irritieren

Im FCG kann man sich also noch auf ein paar gemeinsame Jahre mit den Jankovics freuen. Sladjana ist 52, Jugoslav 53. Wobei ihn alle nur «Jugo» nennen. Eine logische Abkürzung. Eine aber, die hierzulande oft negativ behaftet ist.

Jankovic kann dazu die eine oder Episode erzählen. Etwa jene aus einem Spiel mit den Egger Veteranen, in dem ihm sein Captain Anweisungen erteilte. Bis sich der Schiedsrichter irgendwann an Jankovics Mitspieler wandte und warnte: «Nennst du ihn noch einmal ‹Jugo›, gibts rot!»

Ein Klubhaus zu führen ist ein Familienbetrieb.

«Jugo» Jankovic

Bei den Egger Veteranen spielt Jankovic längst nicht mehr. Der FC Egg war dennoch eine wichtige Station. Da begann einst die Karriere der Jankovics als Klubhaus-Betreiber. Auch darum, weil sie sich so einen finanziellen Zustupf verdienen konnten.

Zehn Jahre lang führten Sladjana und Jugoslav das Egger Klubhaus. In ihren Anfängen wirteten sie gar parallel beim FC Oetwil am See und in Egg. Der Vater war mit der einen Tochter auf dem einen, die Mutter mit der zweiten Tochter auf dem anderen Platz.

Es war ein Spagat, der nicht gut gehen konnte. Was nichts daran ändert, dass für «Jugo» klar ist: «Ein Klubhaus zu führen ist ein Familienbetrieb.» So gehen im «Hüttli» bei viel Betrieb denn auch die längst erwachsenen Töchter ihren Eltern zur Hand.

Mit offenem Herzen unterwegs

Von Stress will Sladjana im Zusammenhang mit dem Wirten allerdings nichts wissen. Wenn es doch einmal hektisch geworden ist, wie erholt sich das Beizer-Duo dann?

«Dafür haben wir keine Zeit», sagt «Jugo» sofort. Er macht dabei ein so ernstes Gesicht, als sei die Frage absurd. Sekundenlang ist nur das Surren des Kühlschranks zu hören, dann lacht er laut. Reingelegt!

Nach anstrengenden Einsätzen lüften natürlich auch die Jankovics den Kopf durch. Sladjana findet, dafür reiche ein Spaziergang mit den zwei Hunden. Oder ein paar Stunden auf dem Sofa daheim in Hinwil.

Ihr Mann pflichtet ihr bei, ehe er sagt: «Wenn hier alle zufrieden waren, gehen wir mit offenen Herzen heim. Dann sind wir am nächsten Tag wie neu.»

"Hüttli"-Beizer Jugoslav und Sladjana Jankovic
Sladjana und «Jugo» Jankovic in ihrem kleinen Reich.

Zufall ist es nicht, dass sich «Jugo» im Fussballumfeld besonders wohl fühlt. Die Sportart ist immer ein Teil seines Lebens gewesen. Schon mit 19 muss er sich aber vom Profitraum verabschieden. Der Stürmer hätte beim serbischen Erstligisten FK Radnicki Nis vorspielen können.

Doch er verletzt sich im dümmsten Moment am Fuss, erreicht danach nie mehr dasselbe Niveau. Dass er Jahrzehnte später dennoch täglich mit Fussball zu tun hat, macht ihn glücklich. Weil der Klubhauspächter zusätzlich Platzwart ist, trifft man ihn jeden Tag im Riet an.

Das macht mich manchmal stinkig.

Sladjana Jankovic

Zuhause stiehlt er sich schon mal mit der Begründung davon, er habe in Gossau zu tun. «Jugo» lächelt verschmitzt, als seine Frau dies erzählt und anfügt: «Das macht mich manchmal stinkig.»

Bevor nun aber ein falscher Eindruck entsteht: Um das Eheglück der Zwei muss man sich keine Sorgen machen. Mehr als zehn Minuten dauern die Phasen jeweils nicht, in denen sie sich uneins sind.

«Mamma Mia!»

Sladjana und Jugoslav sind ein eingespieltes Team. Zufrieden sitzen sie in ihrem kleinen Reich und erzählen ihre Geschichte. Keiner fällt dem anderen ins Wort. Oder korrigiert ihn. So sieht Harmonie und Vertrautheit aus.

Seit der Primarschule in Serbien kennt sich das Paar. Stolze 33 Jahre sind sie verheiratet. «Mamma Mia!», wirft Sladjana dazu mit gespielter Bestürzung ein.

Bevor der Rummel im Riet jeweils losgeht, setzt sie sich manchmal hin, raucht eine Zigarette und geniesst die Stille. Hocken später die Leute ebenfalls zufrieden vor oder im «Hüttli», plaudern vergnügt miteinander oder diskutieren angeregt die eine oder andere strittige Spielszene, sind die Jankovics zufrieden.

«Die dritte Halbzeit ist noch immer die Wichtigste», sagt «Jugo», der einem Klubhaus einen zentralen Stellenwert beimisst. «Es ist der Spiegel des Vereins.» Trainer Häsler stimmt ihm zu. Er ist froh ums «Hüttli». Nach jedem Dienstags- und Donnerstagstraining sitzt ein grosser Teil des Fanionteams da noch zusammen.

«Das sind doch die Momente, die den Fussball ausmachen», sagt Häsler. Und bedauert, dass in vielen Vereinen das gesellige Beisammensein immer mehr aus der Mode kommt.

"Hüttli"-Beizer Jugoslav und Sladjana Jankovic
Den gibt es erst, seit «Jugo» und Sladjana in Gossau wirten: «Jugos Tee». Der gekochte Zwetschgenschnaps ist vor allem etwas für den Winter.

Das wird in Gossau nicht so schnell passieren. Dafür sorgen die Jankovics. Unter ihnen haben sich Jugos Burger und Jugos Tee (gekochter Zwetschgenschnaps) zum Hit entwickelt.

Bei den Speisen halten sie das Angebot überschaubar, um Qualität gewährleisten zu können. Klar, ein paar Ideen haben sie noch. Aber alles zu seiner Zeit.

Es ist wie bei einer erfolgreichen Mannschaft, in der keine Wechsel nötig sind: Was sich bewährt, bleibt auf der Karte.

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