Im Restaurant Sternen will die Ruhe noch nicht einkehren
Rütner Kulturbeiz verliert Pächterinnen
Im April 2022 übernahmen zwei neue Pächterinnen den «Sternen» in Rüti. Doch nun werden bereits neue Wirte gesucht. Was ist passiert?
Über ein Vierteljahrhundert herrschte im Rütner Restaurant Sternen Kontinuität. Dann zog sich der «ewige» Wirt Charly Engelhard aus dem Betrieb zurück. Nahtlos übernahmen im April 2022 die beiden Serviceangestellten Judith Glarner und Michela Cabitza das Zepter in der Kulturbeiz.
Damals war das Besitzerpaar Ilsi und Caspar Fries froh, das Restaurant nicht in fremde Hände geben zu müssen. Im September, also nach nur etwas mehr als einem Jahr, ziehen sich die neuen Pächterinnen bereits wieder aus dem Betrieb zurück.
Die Besitzer des «Sternen» sind derzeit fleissig dabei, sich nach neuen Wirten umzusehen. Sie befürchten jedoch, den Betrieb nicht nahtlos weiterführen zu können. Obwohl sich früh abgezeichnet habe, dass es wohl nochmals einen Neustart brauche.
Ein Koch fehlte
Am Einsatz des Pächterinnenduos lag es nicht. Zwar haben die beiden einige Änderungen im Betrieb vorgenommen, um sich dem Zeitgeist anzupassen, doch keineswegs alles über Bord geworfen. Schliesslich wollten sie den alten Kundenstamm nicht verlieren. Ihr Ziel war es, auch neue Gäste anzuziehen. Dazu passten sie die Speisekarte an.
Die Klassiker wie Leberli, Schnipo oder Cordon bleu auf der verkleinerten Speisekarte blieben. Hinzu kamen vegetarische und vegane Menüs. Die Zutaten dafür stammten wie bis anhin vor allem aus der Region.

Das Hauptproblem: Judith Glarner und Michela Cabitza konnten keinen neuen Koch für das Lokal finden. «Charly Engelhard ging über lange Zeit weiterhin einkaufen und kochte, wann es ging», sagt Caspar Fries.
Dabei habe er endlich loslassen wollen. «Sicher war es für die neuen Pächterinnen schwierig, da viele Gäste nur wegen Charly gekommen sind.» Ein weiteres Problem sei der unfallbedingte Ausfall von Judith Glarner gewesen, der sich über sieben Monate hingezogen habe. Schliesslich seien zu viele Dinge zusammengekommen, die den Erfolg verhindert hätten.
Konkret wollten sich die beiden Frauen zu ihrem Abgang nicht äussern. Sie betonen jedoch, dass Ihr Verhältnis zu den Besitzern stets freundschaftlich war und auch weiterhin intakt ist.
Ein Ende ist keine Option
«Mit dem Sternenkeller, wo ein- oder zweimal pro Woche Theateraufführungen, Kabaretts oder Konzerte stattfinden, hat man im Grunde ein ideales Bindeglied zum Restaurant und somit einen Vorteil zu anderen Gaststätten», sagt Caspar Fries.
Viele Besucher hätten sich früher nach den Vorstellungen gerne einen Stock höher in die Beiz gesetzt und zumindest etwas getrunken, wenn nicht sogar noch gegessen. «Dazu braucht man allerdings einen Koch, der auch dazu bereit ist, bis in die späten Stunden vor Ort zu sein.»

Das Lokal ganz zu schliessen, ist für das Ehepaar Fries dennoch keine Option. «Der ‹Sternen› liegt noch immer zu vielen Leuten und auch uns am Herzen. Wir wollen nicht aufgeben», betont Ilsi Fries.
Sie erinnert sich mit etwas Wehmut an vergangene Zeiten zurück, als Gaststätten in Gemeinden noch einen höheren Stellenwert genossen. «Klar, die Zeiten haben sich geändert, und an allen Stammtischen sitzen immer weniger Gäste.» Sie wisse, dass die regionale Gastronomie vielerorts um ihr Überleben kämpfe.
Und doch glaubt sie, dem «Sternen» mit einem neuen Konzept und neuen Pächtern nochmals Leben einhauchen zu können. Schliesslich seien bei der 25. Hundsverlochete mit verschiedensten Konzerteinlagen am 6. August etwa 250 Gäste vor Ort gewesen, die es sich im Sternenkeller und rund um den «Sternen» hätten gut gehen lassen.
Drei etwas lose Kontakte mit potenziellen Nachfolgern habe es schon gegeben. Allerdings noch mit ein wenig «Distanz» und ohne Einigung, wie Ilsi Fries betont. Für die Zeit nach den Sommerferien erwartet das Ehepaar Fries jedoch, von noch mehr Interessierten zu hören.
Herzblut und langer Atem gefragt
Wirten erfordert nach wie vor viel Hingabe und den nötigen Biss. Darüber ist sich das Besitzerpaar einig. Ilsi und Caspar Fries sind überzeugt, dass in dieser Branche speziell jüngere Menschen das Zeug dazu haben, mit Innovation und Tatkraft neue Wege einzuschlagen.
Dafür müsse allerdings auch der Rahmen stimmen. «Als Übergangslösung könnte auch ein Pop-up-Konzept helfen, wobei das Restaurant mindestens während der Vorstellungszeiten im Sternenkeller geöffnet wäre», sagt Caspar Fries.
Den beiden Besitzern wäre es am liebsten, wenn der «Sternen» wieder zum «Znüni», «Zmittag» und «Znacht» offen wäre.
Sie denken dabei an ein Paar als ideale Lösung. «Ein Koch oder eine Köchin, die abends gerne mit der Partnerin oder dem Partner zusammenarbeitet – das könnte funktionieren.» Letztlich sei ihnen die Kombination der Pächter jedoch nicht so wichtig.
Wichtiger sei es, dass die künftigen Pächter ein Gespür für die Menschen und die Umgebung hätten. Ausgefallene Konzepte und von Grund auf neue Ideen seien willkommen. Allerdings müsse die Umsetzung langsam vonstattengehen, um die Leute nicht vor den Kopf zu stossen.
Die Zeiten, als die Eltern von Caspar Fries das Lokal zwischen 1947 und 1964 führten und sich die Tische automatisch füllten, sind zwar längst vorbei. Und doch sind sich Ilsi und Caspar Fries sicher, dass aufstrebende und weltoffene Pächter mit Sinn für die Gastronomie den «Sternen» nochmals in einen neuen Lebensabschnitt führen könnten.
