Bei Gloria Martin ist jede Grusskarte ein Unikat
Künstlerin aus Turbenthal
Gloria Martin aus Turbenthal schreibt nicht nur gern Grusskarten, sondern malt sie auch selber. Angefangen hat alles mit einem Platzproblem.
Für Gloria Martin ist es ein Ärgernis: «Manchmal will man eine schöne Grusskarte verschicken», sagt die Turbenthalerin. «Und dann zahlt man fünf bis zehn Franken für billig produzierte Massenware.»
Das grenzt für die Turbenthalerin fast schon an Abzockerei. Die Rechnung gehe nicht auf. Martin muss es wissen. Die 67-Jährige stellt nämlich selbst Karten in Handarbeit her. Und verlangt dafür etwa die gleichen Preise wie Papeterien und Grossverteiler.
Ein Wagnis mit Osterkärtchen
Dazu gekommen ist sie fast ein bisschen aus der Not. «Wenn man immer nur auf Leinwände malt, dann brauchen die irgendwann viel Platz», sagt sie mit einem Lachen.
Kärtchen seien da platzsparender. Und sie bereiteten Freude, nicht nur beim Malen, sondern auch beim Schreiben, findet Martin. «Es ist doch immer noch schöner, eine Karte zu erhalten als einfach eine Whatsapp-Nachricht.»
Anfang dieses Jahrs hat eine Freundin sie angefragt, ob sie Osterkärtchen herstellen könnte – für einen Stand an der Ostereier-Messe in Greifensee.
«Der Verkauf lief sehr gut», freut sich Martin. «Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich ja auch erst vor gut vier Jahren wieder zurück zum Malen gekommen bin», erzählt die gebürtige Engländerin.
In ihrer Jugend habe sie viel gemalt und gezeichnet. «Aber wie es so kommt, habe ich eine Ausbildung gemacht, jung geheiratet und Kinder grossgezogen», erzählt Martin, die 1977 in die Schweiz gekommen ist – die Heimat ihres ersten Mannes.
Dank Geschenk der Söhne
Nachdem ihre Kinder grösser geworden waren, absolvierte Martin die Ausbildung zur Englischlehrerin. Sie unterrichtete unter anderem Business-Englisch bei Sauber in Hinwil und gab Kurse. Ihre einst grosse Leidenschaft, die Kunst, geriet in Vergessenheit.
Diese Zeiten sind jetzt vorbei. «Meine Söhne haben mir 2019 eine Staffelei und Farbe geschenkt», erzählt die 67-Jährige.

«Sie wussten vielleicht, dass ich in meiner Jugend viel gemalt habe», vermutet sie. «Oder sie hatten einfach keine bessere Idee für ein Geschenk.»
Vor allem während der Corona-Pandemie hatte Martin viel Zeit, um sich wieder der Malerei zu widmen. Damals lebte sie mit ihrem jetzigen Mann noch im Berner Oberland. «Wir haben gemerkt, wie abgeschieden es dort ist.» Und so zog es das Paar ins Tösstal.
In der Gegend wohnt Martin, mit einigen Unterbrüchen, seit 1987. Ihre Kärtchen vertreibt sie jetzt auch unter dem Namen Tösstalcards.
Alles ohne Schablone
Auf ihre Tätigkeit angesprochen, sagt Martin sofort: «Es ist kein Riesenbusiness.» Es gehe ihr auch nicht darum, das grosse Geld zu verdienen. «Aber ich will schöne Karten verkaufen.»
Oft malt sie Blumen und Tiere. «Die dürfen auch etwas lustig und farbig sein», meint die Künstlerin. Ein Esel mit Haarband oder ein pinkes Lama? Kein Problem.

«Natürlich zeichne ich manchmal ähnliche Motive», sagt Martin. «Aber ich benutze keine Schablone, jede Karte ist ein Einzelstück.»
Karten aus der Region
In Zukunft kann sie sich vorstellen, auch auf Vorbestellung Karten für einen Anlass herzustellen. Doch zu viele Pläne hat die Rentnerin noch nicht. «Die Nachfrage ist da», betont Martin.
Ihre Karten und Bilder hat sie bisher zum Beispiel am Markt im Turbenthaler Kirchenpark verkauft. Regionalität ist für Martin nämlich sehr wichtig. «Ich stelle nicht nur keine Massenware her, sondern bin auch hier im Tösstal vor Ort tätig», sagt sie. Sie ist sich sicher, dass das sehr geschätzt wird.
Ausserdem will sie ihre Verkaufskanäle ausbauen. «Meine Blumenkarten würden sicher gut ins Sortiment in einem Blumenladen passen.» Zudem plant sie, allenfalls spezielle Weihnachtskarten zu kreieren.
Auch wenn sie jetzt ihre Kunstwerke verkauft, als Beruf sieht Martin die Malerei nicht. «Ich male, wenn ich Lust habe.» Das gilt auch für die Kärtchen.
Und Lust scheint Martin oft zu haben. «Rund viermal pro Woche setze ich mich schon an die Arbeit.»
Mehr Informationen zur Arbeit von Gloria Martin findet man auf ihrer Facebook-Seite Toesstalcards. Zudem kann man sie per E-Mail (toesstalcards@gmx.ch) kontaktieren.
