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Gesellschaft

Restaurant Puurehuus schliesst früher, weil es zu gut läuft

«Wir haben an Spitzentagen über 300 Gäste pro Tag». Die Wirtin sieht sich trotzdem gezwungen, das Restaurant im September zu schliessen, weil ihr das Personal davon läuft.

Sylvia Näf, die Pächterin des Landgasthofs Puurehuus in Wermatswil, nimmt Abschied.

Foto: Till Burgherr

Restaurant Puurehuus schliesst früher, weil es zu gut läuft

Personalmangel in den letzten Monaten

Im einzigen Restaurant von Wermatswil gibt es an Spitzentagen derzeit rund 350 Bestellungen. Doch es fehlt das Personal. Die Wirtin sieht sich gezwungen, früher zu schliessen als geplant.

Im Minutentakt kommen die Teller beim «Puurehuus» in Wermatswil auf die Tische. Die Gäste sind zufrieden. Das Personal ist organisiert. An der Schnittstelle zwischen Küche und Service stimmt das Timing, die Räder laufen ineinander. Die Pandemie ist Geschichte, das Restaurant läuft wie geschmiert – könnte man meinen.

Hinter den Kulissen des blumig dekorierten Hauses sieht es alles andere als rosig aus. Die Pächterin Sylvia Näf und ihre zwölf Angestellten sind aufgrund der Personalknappheit am Anschlag. Es sind die, die noch geblieben sind. Früher seien es einmal 23 Mitarbeitende gewesen, erklärt Näf. Doch seit durchgesickert ist, dass das Restaurant neuen Wohnungen weichen muss, kämpft die Chefin mit Kündigungen.

Die Mannschaft verlässt das Schiff, bevor es sinkt. Darum geht es jetzt sogar früher unter als geplant. «Wir müssen noch bis zum Schluss durchhalten und es gut zu Ende bringen», sagt Sylvia Näf.

Zum Schluss war es ein Auf und Ab

Die Gastgeberin wollte das «Puurehuus» eigentlich bis Ende Jahr weiterführen. Es war ihr Wunsch, der Bevölkerung noch etwas zu bieten, bevor das letzte Restaurant im Dorf in die Geschichtsbücher eingeht. Doch jetzt muss sie drei Monate früher als geplant die Türen schliessen.

«Ende September ist Schluss, ich hätte für unsere herzensguten Gäste gerne noch länger weitergemacht, aber es ist nicht möglich, wir können das nicht mehr seriös durchziehen.» Konkret wird am 23. September der letzte Tag sein, an dem die Türen für alle offen stehen.

Danach gibt es noch einen Anlass mit einer geschlossenen Gesellschaft. Am Ende will die Wirtin dann das Inventar verkaufen. Doch alles schön der Reihe nach.

Es gab einen kleinen Hoffnungsschimmer

Es war eine Berg-und-Tal-Fahrt, bevor die Pächterin schliesslich selbst die Leine zog. Dass das Restaurant ein Ablaufdatum hat, erfuhr die Chefin bereits im Sommer vergangenen Jahrs. Konkret wurde es im September, als sie in den amtlichen Publikationen des Bezirks Uster von den Umbauplänen las.

Die Eigentümerschaft plant, das bestehende Gebäude an der Fehraltorferstrasse zu einem Mehrfamilienhaus umzubauen. In einem Neubau hinter dem Haus sind zusätzlich neun Wohnungen geplant.

Der Platz bei den Parkplätzen ist ausgesteckt.
Neben dem heutigen «Puurehuus» soll zusätzlich ein Neubau entstehen. (Archiv)

Eigentlich sollten die Bauarbeiten schon im Januar dieses Jahrs starten, doch das Projekt verzögerte sich. Dadurch verlängerte sich die Gnadenfrist für das Restaurant. Kurz vor Weihnachten erfuhr Näf, dass sie noch ein Jahr weitermachen darf. «Das ist ein Lichtblick am Horizont, es gibt uns wieder Luft und Hoffnung», sagte die Gastronomin damals.

Mitarbeitende liefen davon

Dann versank Näf in der Arbeit. «Ich habe 15 bis 16 Stunden gearbeitet pro Tag.» Viele Gäste besuchten das Restaurant nach der Pandemie wieder regelmässig, andere kamen, um das Erlebnis im «Puurehuus» ein letztes Mal zu geniessen. «Dazu kommt, dass wir noch Gutscheine offen haben, welche die Kundschaft einlösen kann.»

Neben dem Essen im Restaurant musste auch die Wäsche für das Hotel gemacht sein. Im Haus gibt es nämlich acht Hotelzimmer. Früher waren es sogar einmal 17, doch 9 davon hat die Pächterin während der Pandemie abgegeben. Damals war sie froh über die Flexibilität der Eigentümerschaft, jetzt muss sie selber flexibel sein.

Alle wussten, das Ende des Restaurants naht, Mitarbeitende schauten sich anderweitig um, immer mehr sprangen frühzeitig ab. «Ich sah mich gezwungen, montags zu schliessen, unterdessen haben wir auch am Dienstag zu.» Firmenessen und Hochzeiten habe sie aus Personalmangel absagen müssen, eigentlich seien es die Anlässe, welche am meisten einbringen würden.

Schliesslich kam der unvermeidliche Entschluss, frühzeitig aufzuhören. «Ich bin froh, dass ich Mitarbeitende habe, die mir nun zugesichert haben, dass sie noch bis zum Ende bleiben.» Darunter seien beispielsweise vier treue Mitarbeiter, die schon vor ihr im «Puurehuus» gearbeitet hätten.

Das Dorf trauert mit

Sylvia Näf hatte sich in den letzten sieben Jahren in Wermatswil einen guten Ruf aufgebaut. «Es ist viel Wehmut dabei, wenn man Gastronomie-Herzblut hat, schmerzt es», sagt sie. Den Gästen fällt der Abschied ebenso schwer.

Kündigungen, die schmerzen

Vor ihrer Tätigkeit im «Puurehuus» hatte die Pächterin acht Jahre im Restaurant Sonne in Auslikon gearbeitet. Einige der Angestellten aus der «Sonne» arbeiten heute mit Näf in Wermatswil. «Ich habe Mitarbeitende, die schon 15 Jahre dabei sind – es tat weh, ihnen zu kündigen.» Selbst ihren eigenen Kindern musste sie per Ende September den Vertrag auflösen.

Drei Personen stehen vor einem Restaurant.
Sylvia Näf posiert ein letztes Mal vor dem «Puurehuus» für ein Abschiedsfoto mit ihrer Tochter Janine Zender und ihrem Sohn Daniel Thum.

«Mein Sohn arbeitet als Küchenchef, und die Tochter kümmert sich ums Büro und hilft im Service.»

«Uustrinkete»

Zum Abschied lässt es das «Puurehuus» noch einmal knallen. «Am 23. September organisieren wir eine ‹Uustrinkete›.» Es soll das letzte Fest des traditionellen Landgasthofs sein. «Das Essen offerieren wir, alles kann ich leider nicht gratis geben», zu gross seien die finanziellen Einbussen durch Corona gewesen, erklärt die Gastgeberin.

Die letzte Phase sei hart, doch es solle ein gutes Fest werden. «Ich möchte mich bei allen Mitarbeitenden und Gästen bedanken. Es ist wunderbar, dass viele immer wieder gekommen sind.»

Und was macht Sylvia Näf nach dem Abschied? «Im Moment bin ich traurig und in der Schwebe, mir fehlt noch das Ziel.» Ganz zur Ruhe setzen will sich die Geschäftsfrau trotz ihren 68 Jahren wohl nicht. «Ich erschaffe gerne etwas – was wir hier gemacht haben, war etwas Grosses, es war wunderschön.»

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